Rückblick - Über 20 000 zugelassene Fahrzeuge mit „MGH“-Nummernschild / Landratsamt zieht Bilanz / FN-Gespräch mit Klaus Arnold Nach Comeback: „MGH“ feiert „Fünften“

Von 
Gabriel Schwab
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Ohne ihn gäbe es „MGH“ nicht: Klaus Arnold, einer der Köpfe des Bürgerwiderstands. © Werner Mies

Umso schlechter die Ausgangslage einer Geschichte, desto schöner ist ihr „Happy End“. Und auf die Erfolgsstory des „MGH“-Kennzeichens blickt man auch nach fünf Jahren gerne zurück.

Fünf Jahre „MGH“: Verlaufsgeschichte und aktuelle Zahlen

Zuletzt war das Schild in den 1970er Jahren auf den Autos der Region zu sehen, bevor es im Zuge der Kreisreform abgeschafft wurde.

In der Zwischenzeit hat es als Überbleibsel vergangener Tage überwiegend an landwirtschaftlichen Zugmaschinen überlebt.

Aber auch der eine oder andere Oldtimer-Fan hat auf seinem inzwischen historischen Fahrzeug ganz bewusst das alte Autokennzeichen behalten.

2013 wurde in Berlin ein Festlegungsbescheid erlassen, der Altkreis-Nummernschilder wieder möglich machte.

Ob das Angebot des Verkehrsministeriums jedoch tatsächlich wahrgenommen werden sollte, hatten die einzelnen Landkreise für sich selbst entscheiden müssen.

In Bad Mergentheim lautete die Antwort des Kreisrates zunächst: „Nein“.

Die Bevölkerung leistete politischen Widerstand. Unter anderem durch eine Unterschriftenaktion mit über 2000 Signaturen.

In einem zweiten Entscheid kam im Oktober 2013 dann endlich die gute Nachricht: „MGH“ ist wieder zurück in der Region.

Heute fahren circa 20 000 Wägen mit dem Nummernschild herum. Vergeben worden seien sogar über 30 000.

In Bad Mergentheim gibt es 8476 zugelassene Fahrzeuge mit „MGH“ – in Weikersheim 2134.

Gleich danach kommt Igersheim mit 1631 Kennzeichen. Creglingen (1550) und Niederstetten (1510) liegen fast gleichauf.

In Lauda-Königshofen sind es 1137 „MGH“-Kennzeichen, in Wertheim 1119 und in Boxberg 856.

Kurios: Sogar in Tauberbischofsheim gibt es 294 „MGH“-Kennzeichen.

Damit liegt es sogar noch über Assamstadt (275), Grünsfeld (210), Ahorn (201), Großrinderfeld (190), Külsheim (113), Freudenberg (110), Wittighausen (89), Werbach (63) und Königheim (45). gs

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Bad Mergentheim/Main-Tauber-Kreis. Die Auto-Aufkleber in Herzform, die vor mittlerweile fünf Jahren an allen Ecken und Enden des Stadtgebiets zu sehen waren, trugen Aufschriften wie „Ich mag MGH“ oder „I morch Merchedol“. Und tatsächlich ist das Nummernschild, das nach der Kreisreform verschwunden war, den Mergentheimern eine Herzensangelegenheit. Heute ziert „MGH“ wieder Zehntausende von Autos – fast scheint es so, als wäre es niemals weg gewesen.

Genauer seien es 30 960, die bis Ende 2018 vergeben wurden, berichtet Markus Moll vom Landratsamt Main-Tauber-Kreis auf Anfrage der Fränkischen Nachrichten. 20 003 „MGH“-Fahrzeuge seien zu diesem Stichtag zugelassen.

Davon 8476 in der Kurstadt selbst, 2134 in Weikersheim, 1631 in Igersheim, 1550 in Creglingen und 1510 in Niederstetten. Selbst in Tauberbischofsheim schreiben sich 294 Fahrer „MGH“ auf die Fahne – oder besser: ihr Auto.

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„Die hohe Nachfrage nach dem Kennzeichen – insbesondere im Altkreis Mergentheim – zeigt, dass mit der Liberalisierung ein langgehegter Wunsch vieler Bürger in Erfüllung gegangen ist“, meint Landrat Reinhard Frank. Doch der Weg zu dieser Erfüllung war steinig, erinnert sich Klaus Arnold, der neben Christoph Grüne als Kopf einer Bewegung entscheidend dazu beitrug, dass es das „MGH“-Kennzeichen heute überhaupt gibt.

Der wurde aktiv, nachdem der Kreisrat 2013 für ein „Nein“ zum Altkreis-Kreis-Kennzeichen stimmte. In seinem Tabakladen und diversen anderen Geschäften Bad Mergentheims verteilte man die mittlerweile schon ikonischen „Ich mag MGH“-Herzsticker. Doch dabei blieb es nicht. Neben dem Veranstalten von diversen Protest-Aktionen sammelte man außerdem über 2000 Unterschriften. Erneut wurde ein Antrag an den Kreisrat gestellt – diesmal mit Erfolg. Wenn Arnold heute über das Thema redet, kommen noch sichtlich die Emotionen in ihm hoch. „Man hat sich damals einfach übergangen gefühlt“, meint der ehemalige Tabakladen-Besitzer im FN-Gespräch und fügt hinzu: „Keiner hat verstanden, warum die Politik gegen etwas entscheidet, das doch so viele Bürger wollen.“

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Auf die Frage, ob er denn mit Stolz auf den damaligen Erfolg zurückblicke, antwortet er trocken: „Nein. Das fände ich eitel. Und für Eitelkeit ist bei so einem Thema kein Platz.“ Viel mehr sei es dabei um sein Rechtsempfinden gegangen. „Und ich hätte auch keine Ruhe gegeben, wenn der Kreisrat beim zweiten Mal wieder gegen das Kennzeichen gestimmt hätte.“

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Und Landrat Frank: „Aus heutiger Sicht hat die Vergabe von MGH- und TBB-Kennzeichen der Identität unseres schönen Main-Tauber-Kreises nicht geschadet, auch wenn zunächst intensiv und emotional über das Thema diskutiert worden ist.“

Überhaupt sei es eine Story mit „Happy End“. „Das zeigt sich auch daran, dass in allen Städten und Gemeinden im Landkreis MGH-Kennzeichen verwendet werden“, so Frank. Zum Beispiel in Wertheim mit über 1000 Fahrzeugen. Heute gelte: „Wo Fahrzeuge mit TBB- und MGH-Kennzeichen unterwegs sind, sind sie gleichermaßen Botschafter unseres Landkreises und unserer beliebten Ferienlandschaft ‚Liebliches Taubertal‘.“