St. Georgs-Tage 2016 - Erinnerung an die Zeit des Deutschen Ordens / Bunte Bilder für Einheimische und Gäste Mehr als Feuerschweif und Pulverdampf

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Test-Aufstellung im Arsenal (Bild oben): Hans Adonyi, Karl Rüdenauer, Werner Nübel und Andreas Lehr prüfen den Sitz ihrer Uniformen. Unten: Das Vorbereitungsteam ist seit Monaten mit der Planung und der Organsiation der St. Georgs-Tage beschäftigt. Von links: Karl Rüdenauer, Hans Hofmann, Hans-Georg Boehm, Andreas Lehr, Hans Adonyi und Werner Nübel.

© Kuhnhäuser

Bad Mergentheim. Sie hat eine reiche Historie, die Stadt Bad Mergentheim. Ein guter Teil davon ist vom Deutschen Orden geprägt. Die Erinnerung daran ist eine der selbstgestellten Aufgaben der Historischen Deutschorden-Compagnie, abegekürzt HDOC. Diese zählt knapp 200 Mitglieder.

Das Programm der St. Georgs-Tage 2016

  • Freitag, 22. April: 19.15 Uhr Zug auf den Marktplatz, 19.30 Uhr Teutschmeister-Rekrutenwerbung auf dem Marktplatz, 20 Uhr St. Georgs-Abend im Arsenal.
  • Samstag, 23. April: 9 Uhr St. Georgs-Schießen mit Vorderladergewehren im Schüpferloch, 11 Uhr Eröffnung der Siegel-Ausstellung "1000 Jahre deutsche Geschichte" in der Schalterhalle der Sparkasse, 16.15 Uhr Wachaufzug im Äußeren Schlosshof, 16.45 Uhr Zug der Uniformierten zum Spalier im Schloss, 17 Uhr Ausstellungseröffnung "Schätze des Deutschen Ordens" im Deutschordensmuseum durch Hochmeister Dr. Bruno Platter und Oberbürgermeister Udo Glatthaar, 18.30 Uhr Empfang der Großen Kreisstadt Bad Mergentgheim im Schloss, 19.15 Uhr Zug in die Wandelhalle, 19.30 Uhr Deutschmeisterfest in der Wandelhalle.
  • Sonntag, 24. April: 7.30 Uhr Frühstück der Garden und Wehren im Arsenal, 10 Uhr St. Georgs-Messe im Münster St Joihannes, zelebriert von Hochmeister Dr. Bruno Platter und Dekan Ulrich Skobowsky und intoniert durch die Parforcehornbläser der Kreisjägervereinigung Bad Mergentheim, 11.30 Uhr Mittagessen rund um das Arsenal, 11.15 Uhr Zug zum Schießwasen bei St. Wolfgang, 14 Uhr Umzug durch die Innenstadt, 15 Uhr Defilee im Äußeren Schlosshof, 16 Uhr Ausklang der St. Georgs-Tage im Schlosshof. hp
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"Uniformierte haben wir 35, dazu kommt dann noch der etwa 15 Köpfe starke Spielmannszug", erläutert Andreas Lehr im Gespräch mit unserer Zeitung. "Wir haben noch Platz für weitere Mitglieder", sagt der Stadthauptmann. Die wären auch deshalb willkommen, "weil es immer viel zu tun gibt, nicht nur bei der Organisation der St. Georgs-Tage."

Trennung vollzogen

Erstmals durch die Stadt zogen die Mitglieder der Compagnie nach ihrer Gründung 1977 bei den "Ausrücktagen" 1978, damals waren HDOC und Historisches Schützencorps noch unter einem Dach vereint. Doch es kam zur Trennung, und 1982 schließlich veranstalteten die eigenständig gewordenen Weiß-Blauen erstmals ihr eigenes Event - die St. Georgs-Tage. Seither bereichern sie damit den Veranstaltungsreigen in der Stadt. Nach jetzt 34 Jahren habe diese Veranstaltung "durchaus Tradition", sagen dann auch die Mitglieder des Vorbereitungsteams unserer Zeitung im "Arsenal" im Schlosshof. Hans Hofmann, Hans Adonyi, Hans-Georg Boehm, Werner Nübel und Karl Rüdenauer sowie Andreas Lehr sind schon seit Monaten eifrig am planen und organisieren. Die "heiße Phase" begann Ende 2015, "aber eigentlich geht's schon immer am Tag danach wieder los", weiß Lehr.

Der Schriftverkehr "füllt einen dicken Ordner, obwohl wir schon viel per E-Mail machen", verdeutlicht Stadthauptmann Andreas Lehr. Für die St. Georgs-Tage müssen beim Ordnungsamt, der Verkehrsbehörde sowie dem staatlichen Hochbauamt entsprechende Anträge gestellt und Gespräche geführt werden. "Wir wollen ja mit Vorderladern, Kanonen und Böllern schießen, haben einen Umzug, diverse Veranstaltungen und nutzen auch den Äußeren Schlosshof", verdeutlicht Hans Hofmann. Und Werner Nübel weiß als "Fourier", also für die Verpflegung zuständiger Fachmann, dass auch eine Ausschankgenehmigung vorliegen muss. Sonst nämlich könnte die Compagnie ihre zahlreichen Gäste "vom Freitagabend bis zum Sonntag" nicht versorgen.

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Außerdem muss die Compagnie frühzeitig mit der Stadt die Umzugsroute absprechen - "es ist viel Bürokratie im Spiel, aber ohne geht's halt auch nicht", verdeutlicht Karl Rüdenauer. Und schließlich gilt es auch, das ganzen Drumherum zu organisieren - die St. Georgs-Tage sind ja weit mehr als die Rekrutenwerbung auf dem Marktplatz, der Umzug durch die Stadt, das Schießen an der Wolfgangsbrücke und das Defilee im Schlosshof.

Die Bewirtung im Arsenal braucht Personal: "Wir müssen die Küchendienste und den Ausschank organisieren", verweist Hans Adonyi auf das strukturelle Feintuning. "Es sollen ja nicht an allen drei Tagen immer die selben Personen an der Kasse, am Zapfhahn, am Grill und in der Küche stehen." Insgesamt sind die Aktiven "samt Auf- und Abbau rund eine Woche beschäftigt".

Viele Gäste

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Nicht nur mit Behörden hat die Compagnie Kontakt, auch mit "Freunden und Besuchern" ist man seit seit Monaten im Austausch. "Rund 30 Gruppen" werden heuer erwartet, und die kommen nicht nur aus den Landesverbänden Württemberg und Bayern - die Historische Deutschorden-Compagnie gehört dem Landesverband Bayern an, die andere Wehr aus der Badestadt, das Historische Schützen-Corps ("die Grünen") hingegen dem Landesverband Württemberg. Auch aus dem europäischen Ausland kommen Freunde ins Taubertal - die "Brigade de Savoire" aus Frankreich, die "Gruppo Storico Borgomanese" aus Italien und natürlich auch der "Deutschmeisterbund" aus Österreich.

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Wichtig bei so vielen Gästen und Teilnehmern ist die Unterbringung. "Viele kommen ja seit Jahren zu uns, da bestehen oft langjährige private Kontakte." Andere sind mittlerweile Stammgäste in Hotels und Pensionen, und wieder andere kommen im Stadtgarten unter - der ist das Ausweichquartier für die nicht mehr vorhandene Jugendherberge in der Nachbargemeinde. "Mit allen Ansprechpartnern haben wir einen guten Kontakt", betont Hans Adonyi.

Nicht nur die Weiß-Blauen, auch die zahlreichen Historischen Gruppen und Wehren lassen es immer kräftig krachen. Und wo geschossen wird und Pulverdampf entsteht, muss eine entsprechende Genehmigung vorliegen. "Das müssen wir natürlich beantragen und dann die Auflagen erfüllen", sagt Hans Hofmann. Eine weitere Aufgabe hat er längst erledigt: Für das Vorderlader-Schießen um die von Horst Seitz gestiftete Scheibe im Schüpferloch hat er die Kugeln gegossen. "150 Stück", sagt Hofmann und präsentiert die "Munition". Und da die ohne Pulver völlig ungefährlich ist, das Schwarzpulver jedoch schon, haben die Verantwortlichen der Compagnie auch an die Sicherheit gedacht. "Wir sind mehrfach abgesichert. Jeder, der am Umzug und am Schießen teilnimmt, ist sowohl über den Verein als auch über den Landesverband versichert", betont Andreas Lehr.

Besonderes zu den Heimattagen

Neben den "optisch-akustischen" Auftritten der Compagnie und ihrer Gäste gehören weitere Veranstaltungen zu den St. Georgs-Tagen. Gleich zwei Ausstellungen werden dieses Jahr eröffnet: Zum einen die vom "Compagnie-Historiker" Hans-Georg Boehm vorbereitete Siegel-Ausstellung "1000 Jahre deutsche Geschichte" in der Schalterhalle des Sparkasse, zum anderen die "Schätze des Deutschen Ordens" im Deutschordensmuseum. Dort wird auch der Hochmeister anwesend sein.

Dem Deutschmeisterfest in der Wandelhalle am Samstagabend folgt am Sonntag die St. Georgs-Messe im Münster, zelebriert von Hochmeister Dr. Bruno Platter und Dekan Ulrich Skobowsky.