SPD-Kreisparteitag in Edelfingen - Landtagskandidaten nominiert / „Ich freue mich auf einen frischen engagierten Wahlkampf“ / Landesvorsitzender gratuliert Mattmüller und Lotz einstimmig gewählt

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Zuversicht prägt die Gesichter: Nach der einstimmigen Nominierung des Erstkandidaten Anton Mattmüller (rechts, mit Willy-Brandt-Bild) und der Zweitkandidatin Anja Lotz (Zweite von rechts) gratulierten der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch (Mitte), die SPD-Kreistagsfraktionsvorsitzende Ute Schindler-Neidlein (Zweite von links) und der SPD-Kreisvorsitzende Thomas Kraft (links). © Kuhnhäuser

Edelfingen. Die Stimmung war aufgeräumt, die Delegierten erwartungsvoll: Zum Kreisparteitag im „Landhotel Edelfinger Hof“ begrüßte der SPD-Kreisvorsitzende am vergangenen Samstag-nachmittag zahlreiche Delegierte, aber auch besondere Gäste, darunter den SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch. Die Main-Tauber-SPD sei, so Kraft, „gut vernetzt bis nach Stuttgart“ und der Landesvorsitzende „oft zu Gast bei uns“.

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Seit November 2019 habe sich der Kreisvorstand mit dem Thema Landtagswahl-Kandidaten beschäftigt, berichtete Kraft. Auf Anton Mattmüllers Bewerbung folgte die von Anja Lotz. Aus allen Ortsvereinen habe es positive Rückmeldungen gegeben, weshalb der Kreisvorstand vorschlug, Anton Mattmüller als Erst- und Anja Lotz als Zweitkandidatin zu nominieren. „Ich freue mich auf einen frischen engagierten Wahlkampf mit Anton und Anja und hoffe auf Eure Unterstützung heute und in den nächsten Monaten“, sagte Kraft und erteilte das Wort den beiden Kandidaten.

Der 25-jährige Student der Kommunikationswissenschaften Anton Mattmüller stammt aus Külsheim. Und Mattmüller startete mit einem gewichtigen Willy-Brandt-Zitat: „Nichts kommt von selbst. Darum – besinnt Euch auf Eure Kraft und darauf, dass jede Zeit eigene Antworten will und man auf ihrer Höhe zu sein hat, wenn Gutes bewirkt werden soll.“

Im Land habe man es mit einem grünen Ministerpräsidenten, „einem Stockkonservativen mit Öko-Anstrich“ zu tun. Und mit einer christlichen Partei, „die selbst Kinder zur Abschreckung in menschenunwürdigen Lagern verrotten lassen will“. Zur AfD sagte Mattmüller nur wenige, aber klare Worte. „Dass solche Menschen in unseren Parlamenten sitzen und hetzen können, ist eine Schande.“

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Er sei fest davon überzeugt, dass eine SPD, die sich auf ihre Grundwerte „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ zurückbesinnt, „die treibende Kraft für erfolgreiche und menschliche Politik“ ist. Freiheit bedeute, „dass jeder und jede so sein und leben kann, wie er oder sie will. Wenn ich in den Landtag gewählt werde, werde ich meine Stimme immer dafür nutzen, für diese Freiheit zu kämpfen.“

Überfällig seien „bessere, langfristigere Integrationskonzepte, die nicht alles auf Ehrenamtliche abschieben“. Und es brauche „eine andere Bildungspolitik, die weggeht vom bloßen Befüllen der Köpfe und wieder kritisches Denken und Differenzieren fördert und nicht nur versucht, Roboter für den Arbeitsmarkt zu produzieren.“

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Zur Gerechtigkeit zählt Mattmüller die „Verantwortung gegenüber den Generationen unseren Eltern und Großeltern, die durch ihre Arbeit erst ermöglicht haben, dass wir heute friedlich und gut leben können“. Aber eben auch Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen. Nötig sei zudem „ein starker Staat, der Regeln und Ziele vorgibt und die Bedingungen schafft, diesen Wandel sozial und gerecht zu gestalten“.

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„Wir müssen uns die Fragen stellen, was uns Arbeit, Natur und Soziales wert sind, und zwar losgelöst von kurzfristigen finanziellen Interessen. Familienpolitik, Gesundheit, Klimaschutz kosten viel Geld, aber all diese Bereiche haben einen Mehrwert, der gar nicht in Geld zu messen ist“, betonte Mattmüller.

Ein verbesserter, ausgebauter Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) helfe allen Generationen. Und die Digitalisierung könne das Leben verbessern – „sofern sie denn vorhanden ist“ Was die Digitalisierung an Schulen betrifft, „gibt Baden-Württemberg ein katastrophales Bild ab. Schulen und Lehrkräfte wurden in der Krise alleine gelassen, Kinder aus ärmeren Familien ihrem Schicksal überlassen“, sagte Mattmüller, der auch Gratis-Kitas plädierte. Ein weiteres Zukunftsproblem sei der demografische Wandel. „Bis 2030 wird der Main-Tauber-Kreis acht Prozent seiner Einwohner verlieren. Wir müssen also an allen Ecken und Enden Maßnahmen setzen.“ Politik gehöre den Menschen und „alle sollten in einer modernen Gesellschaft die Chance bekommen, aktiv an der Gestaltung unser Zukunft mitzuarbeiten“. Dafür stehe er, dafür stehe auch Anja Lotz, sagte Mattmüller untere großem Beifall.

Anja Lotz nannte den „unzureichenden ÖPNV“, wobei selbst Schulbusverbindungen fehlen. „Wenn Schulkinder sich um sechs Uhr morgens auf den Weg machen müssen, um mit dem ÖPNV pünktlich zur Schule zu kommen, stimmt doch was nicht!“ Auch Senioren, die nicht (mehr) Auto fahren könnten, seien betroffen. Deshalb ihre klare Forderung nach einem weiteren Ausbau des ÖPNV und des Ruftaxi-Angebotes.

Nötig sei auch die Neuberechnung der Schlüsselzuweisungen des Landes nach dem Flächenfaktor, denn „mit der bisherigen Finanzausstattung können die Kommunen ihre Aufgaben nicht erfüllen. Ist ein Loch gestopft, tut sich gleich nebenan ein neues auf!“ Gefördert werden zudem vorwiegend Neubauten, Instandhaltungen dagegen würden „viel zu gering oder gar nicht bezuschusst“. Heftige Kritik übte sie an den Plänen, in Bad Mergentheim die Fleischerklassen zu schließen.

Weiter nannte Lotz die Altersarmut „einen fürchterlichen Begriff, der durch entsprechendes Handeln aus dem Vokabular gestrichen werden muss“. Es sei ein großer Fehler gewesen, den Wohnungsmarkt, die Altenpflege und zum Teil auch die Krankenhäuser zu privatisieren. Auch die Klimadiskussion nahm in ihrer Rede breiten Raum ein. Gefordert sei eine klimaneutrale Wirtschaftsweise und Hilfen zur Umstellung diverser Branchen, darunter auch der Landwirtschaft, die dem „immer mehr, immer billiger“ ausgeliefert sei. „Mehr Qualität statt Quantität und mehr Biodiversität – das muss gefördert werden!“

Das Abstimmungsergebnis war dann eindeutig: Einstimmig votierten die Delegierten für Anton Mattmüller als Erst- und Anja Lotz als Zweitkandidatin. Er sei „total überwältigt von diesem gewaltigen Vertrauensvorschuss“ und freue sich jetzt auf die nächsten Monate. „Ab sofort gilt für Anja und mich: reinhängen, zuhören und gerechte Politik machen“, sagte Anton Mattmüller gegenüber unserer Zeitung. Und er stellte klar: „Im Fall meiner Wahl werde ich das Studium auf jeden Fall abschließen und das Mandat mit aller Kraft ausüben.“ Und auch die 1966 geborene Bilanzbuchhalterin Anja Lotz, die in Elpersheim lebt und drei Kinder hat, fand klare Worte: „Warum ich für den Landtag kandidiere? Man muss nur Anton Mattmüller zuhören“: Es werde einfach Zeit für neue, jüngere Gesichter.

Einer der ersten Gratulanten nach Thomas Kraft war der SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch. Er übergab eine Willy-Brandt-Bild an Anton Mattmüller und zeigte sich sehr zufrieden mit den beiden Main-Tauber-Kandidaten. „Hier ist viel Schwung und Engagement zu sehen. Ihr macht das richtig!“

Wertheims OB Markus Herrera Torrez machte im Anschluss noch kurz auf die Veranstaltungsreihe „Ein Herz für Vielfalt“ aufmerksam.