Kontaktloses Bezahlen - „Near-Field-Communication“ spart Zeit an der Kasse / Ab der zweiten Jahreshälfte Abbuchungen über das Smartphone möglich Kunden trauen neuer Technik noch nicht

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Florian Hartmüller
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Immer mehr Bankkarten und Lesegeräte verfügen über eine Kontaktlos-Bezahlen-Funktion. Kunden und Händler im Main-Tauber-Kreis nehmen das Angebot aber eher zögerlich an.

Ulrich Dörner bietet in der Bad Mergentheimer Rats-Apotheke seit ein paar Monaten die Möglichkeit, kontaktlos zu bezahlen. © Florian Hartmüller
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Bad Mergentheim. Die Technik, die das bargeldlose Bezahlen in Deutschland populärer machen soll, heißt „Near Field Communication“ (NFC), was sich in etwa mit Nahfeldkommunikation übersetzen lässt. Mit Giro- und Kreditkarten, die über einen entsprechenden Chip verfügen, können in Geschäften Beträge bis zu 25 Euro kontaktlos bezahlt werden. Kunden müssen ihre Karten dann nicht mehr ins Lesegerät stecken oder die Geheimzahl eingeben. Ein kurzes Davorhalten genügt.

Bezahlen mit „Near-Field-Communication“

Die „Near-Field-Communication“ (NFC) genannte Technik, die unter anderem beim kontaktlosen Bezahlen zum Einsatz kommt, überträgt Daten mit Hilfe elektromagnetischer Felder.

Die Reichweite ist auf maximal vier Zentimeter beschränkt. Das soll verhindern, dass Daten ausgespäht oder unbeabsichtigt übertragen werden.

Wenn sich zur selben Zeit mehrere Karten vor einem Lesegerät befinden, werden keine Daten übertragen. Ein Piepton signalisiert, dass die Zahlung erfolgreich war.

Beträge bis zu 25 Euro werden in der Regel ohne Eingabe der Geheimzahl verbucht. Diese wird nur stichprobenartig und bei höheren Summen abgefragt. fhm

Strategie der EU

„Ähnlich wie das SEPA-Lastschriftverfahren, ist die NFC-Technologie auch Teil der Strategie der Europäischen Union, mit der das bargeldlose Bezahlen weiter verbreitet werden soll“, erklärt Steffen Schwab, Gruppenleiter Electronic Banking und Zahlungsverkehr bei der Sparkasse Tauberfranken. Gerade die Deutschen seien in dieser Hinsicht eher konservativ. Das heißt, sie bezahlen noch immer vieles mit Münzen und Scheinen. Und selbst wenn deutsche Kunden bargeldlos bezahlen, stecken sie noch immer gerne die Karte ins Gerät und tippen ihre Geheimzahl ein. Das kann wertvolle Sekunden kosten. „Vor allem die großen Supermarktketten dringen auf die Verbreitung der NFC-Technologie, um an der Kasse Zeit zu sparen“, erklärt Schwab. Diese Ketten kümmerten sich in der Regel auch selbst um ihre Kartenlesegeräte.

360 Terminals vermietet

Schwab und seine Gruppe aus vier Beratern betreuen dagegen in einem Gebiet, das mit geringen Abweichungen dem Main-Tauber-Kreis entspricht, eher kleinere Einzelhändler. An diese haben sie 360 Terminals vermietet, mit denen Giro- und Kreditkarten gelesen werden können. Sie kümmern sich auch um den Austausch und die Wartung der Geräte. „Von der Hardware her sind alle unsere Lesegeräte NFC-fähig, es müssen aber zusätzlich noch die entsprechenden Programme aufgespielt werden. Das ist inzwischen bei mehr als 80 Prozent der Geräte geschehen“, berichtet Schwab. Von den gut 74 000 von der Sparkasse Tauberfranken ausgegebenen Girokarten sind knapp 34 000 NFC-fähig. Bei den rund 11 000 Kreditkarten ist das bei etwa der Hälfte der Fall. „Ende 2016 beziehungsweise Mitte 2017 haben wir begonnen, NFC-fähige Karten auszugeben“, erklärt Schwab. „Da die Karten alle vier Jahre ausgetauscht werden, kann also spätestens 2021 jeder unserer Kunden kontaktlos bezahlen“.

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Bei der Volksbank Main-Tauber sind nach Angaben eines Sprechers bereits alle Girokarten und die seit 2017 neu ausgegebenen Kreditkarten NFC-fähig. Insgesamt seien das etwa 51 000 Karten. Die Volksbank Vorbach-Tauber hat nach eigenen Angaben etwa 8300 Girokarten ausgegeben, die alle NFC-fähig sind. Gleiches treffe seit Sommer 2017 auf neue Kreditkarten zu.

Das Angebot wird bisher jedoch eher zögerlich angenommen. „Elf Prozent der Zahlungen an den von uns betreuten Terminals sind kontaktlos“, berichtet Sparkassen-Gruppenleiter Schwab. Die Volksbank Main-Tauber gibt den Anteil der kontaktlosen Zahlungen an den von ihr betreuten Terminals sogar nur mit rund sechs Prozent an. Verantwortlich für die geringe Nutzung sind jedoch nicht nur die Kunden. Laut Schwab nehmen auch die Händler die neue Technik teils sehr unterschiedlich an. Oft hänge das mit der Branche zusammen. „Ganz vorne mit dabei sind die Apotheker.“

Mehr Werbung machen

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Das bestätigt sich in der Bad Mergentheimer Rats-Apotheke. Ihr Inhaber Ulrich Dörner ist voll des Lobes für die NFC-Technik: „Dafür muss man unbedingt mehr Werbung machen“. Seit ein paar Monaten kann man bei ihm kontaktlos bezahlen, alle paar Tage macht auch jemand Gebrauch davon. „Jüngere Kunden probieren es einfach aus, die in mittlerem Alter fragen nach, ob es möglich ist“. Kunden ab 65 Jahren bestünden aber darauf, ihre Geheimzahl einzutippen, auch wenn Dörner sie darauf hinweist, dass man bei ihm kontaktlos bezahlen kann. Dabei wäre die Technik gerade für ältere Kunden sehr hilfreich, findet der Apotheker. „Oft sagen sie mir ihre Geheimzahl, weil sie sie zum Beispiel mit ihren arthritischen Fingern nicht mehr selbst eintippen können.“

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Grund dafür, dass Kunden und Händler die neue Technik nur zögerlich annehmen, könnten, wie Dörner vermutet, Sicherheitsbedenken sein. Auch er sein anfangs skeptisch gewesen. Dafür gibt es jedoch keinen Grund, wie auch Steffen Schwab von der Sparkasse erklärt: „Selbst wenn jemand eine Karte klaut und damit einkaufen geht, entstehen keine Kosten für den Karteneigentümer oder den Händler. Das Risiko trägt die Bank.“ Die Technik jedenfalls soll weiter ausgebaut werden. „Ab der zweiten Jahreshälfte 2018 wird es möglich sein, die Daten der Girokarte auf dem Smartphone zu speichern und damit zu bezahlen“.