Zwischen den Bächen - Landkreis plant komplette Sanierung der langjährigen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber / Drei Millionen Euro werden investiert Künftig Platz für nur noch 110 Personen

Von 
Sascha Bickel
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Die Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises - "Zwischen den Bächen" in Bad Mergentheim - soll nächstes Jahr umfassend saniert werden. Das Bild zeigt Benjamin Schneider (rechts), den Dezernenten für Kreis-Immobilien, und Pressesprecher Markus Moll mit den aktuellen Umbauplänen.

© Sascha Bickel

Für rund drei Millionen Euro plant der Landkreis im nächsten Jahr die Asylbewerber-Unterkunft "Zwischen den Bächen" zu sanieren. Ein etwas größerer Neubau hätte wohl doppelt so viel gekostet.

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Bad Mergentheim. Aus den 60er und 70er Jahren stammen die beiden Gebäudeteile der Gemeinschaftsunterkunft (GU). Das ehemalige Schwesternwohnheim des Kreiskrankenhauses in Bad Mergentheim wurde im Januar 1999 zur staatlichen Gemeinschaftsunterkunft des Main-Tauber-Kreises für Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien und ab 19. Juli 1999 mit Asylbewerbern belegt.

Das Gebäude ist dringend sanierungsbedürftig, es ist abgewohnt, die Leitungen marode, die Heizung veraltet, die Fenster nur einfach verglast, die Fassaden nicht gedämmt. Energetisch gibt es viel zu tun und auch der Brandschutz soll auf den allerneuesten Stand gebracht werden. Einzig das Dach darf bleiben, weil es bereits instand gesetzt wurde.

Der zuständige Dezernent der Landratsamtes (Immobilien, Abfallwirtschaft und Straßen), Benjamin Schneider, erklärt, dass schon einige Jahre über die Generalsanierung nachgedacht wird, man es sich in den Hoch-Zeiten der Flüchtlingskrise aber gar nicht erlauben konnte, am Gebäude eine größere Baustelle zu eröffnen, weil jeder Platz dringend gebraucht wurde. "Jetzt haben wir genügend Kapazitäten in der Kurstadt, mit der ehemaligen Sanaderm-Klinik in der Löffelstelzer Steige und dem ehemaligen THW-Gebäude in der Buchener Straße." Dorthin ziehen bis zum Jahresende die letzten 23 Bewohner der GU um oder sie kommen in eine kommunale Anschlussunterbringung. Auch die Wohnheimverwaltung und die Außenstelle des Jugendamtes räumen ihre Büros, damit im nächsten Frühjahr die Entkernung des Hauses "Zwischen den Bächen" beginnen kann.

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Ein einst überlegter Neubau wurde laut Schneider wieder verworfen, weil dieser mit einem etwas größeren Gebäudevolumen rund sechs Millionen Euro an Kosten verursacht hätte, während die Sanierung nur halb so viel kostet und so eine weit geringere Belastung für den Kreishaushalt darstellt.

Nach der Generalsanierung, die gut ein Jahr beanspruchen wird, soll die Gemeinschaftsunterkunft nur noch von Asylbewerbern und Flüchtlingen bezogen werden. Im alten Gebäudeteil können dann laut Schneider 50 Personen, die sich in der Obhut des Landkreises befinden, untergebracht werden, im neueren Gebäudeteil bis zu 60 Personen. Letzterer soll an die Stadt Bad Mergentheim vermietet werden, damit diese ihn für die kommunale Anschlussunterbringung von Flüchtlingen nutzen kann.

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"Es wird also künftig eine dauerhafte Reduzierung der Bewohnerzahl geben, von derzeit bis zu 165 Flüchtlingen auf diesem Areal auf noch maximal etwa 110 Personen", betont Schneider. Bislang war vor Ort Platz für rund 145 Menschen und 20 weitere Flüchtlinge im nahe gelegenen Gebäude (vor Jahrzehnten Krankenhaus-Wäscherei) der ehemaligen "Terra Hohenlohe".

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Hinzu kamen in der GU die Büros der Außenstelle des Jugendamtes (280 Quadratmeter Fläche) und die Wohnheimleitung (80 qm) mit zusammen 14 Mitarbeitern.

Das Jugendamt bekommt nun neue Räume im Landkreis-Gebäude in der Wachbacher Straße 52, im Untergeschoss (375 qm), zugewiesen, die Wohnheimleitung wird das Gebäude an der Wachbach (Terra Hohenlohe) mit insgesamt 175 Quadratmetern Fläche belegen, das zuvor noch hergerichtet wird.

In der Gemeinschaftsunterkunft wird die Wohnstruktur komplett auf Appartements ausgelegt. Es gibt immer zwei Doppelzimmer mit je rund 15 Quadratmetern, die eine Einheit bilden. Das Land gibt sieben Quadratmeter pro Person vor. Die Zimmer werden eine eigene Küchenzeile haben und sich zusammen mit dem Nachbarzimmer ein gemeinsames Bad teilen. "Damit schaffen wir die Möglichkeiten, vier- bis fünfköpfige Familien gemeinsam unterzubringen oder eben jeweils zwei Paare", erläutert Schneider. Von gemeinschaftlichen Sanitäreinrichtungen und Großküchen in der bisherigen Gebäudestruktur verabschiedet man sich ganz bewusst, weil diese, so die negative Erfahrung, "nicht so gepflegt und wertgeschätzt werden, wie wenn es die 'eigenen' sind", so Schneider.

Die neuen Raumzuschnitte und Appartements würden auf lange Sicht auch noch andere Chancen bieten, erwähnt Benjamin Schneider abschließend. Sollte der Platz irgendwann einmal nicht mehr für Flüchtlinge gebraucht werden, könnten dort auch Studenten-Wohnungen eingerichtet werden.

Redaktion Hauptsächlich zuständig für die Große Kreisstadt Bad Mergentheim