Erfinderwettbewerb wird zum 18. Mal durchgeführt - Iris Lange-Schmalz und Dr. Norbert Schön erklären im Gespräch, warum das Format so erfolgreich ist „Kreative Köpfe“ fordern und auch fördern

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Renate Henneberger
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Zwei, denen die Zukunft junger Menschen am Herzen liegt. Beim Gespräch in den Räumen des Stadtwerks Tauberfranken: Iris Lange-Schmalz, Wettbewerbsleiterin und Dr. Norbert Schön, Vorsitzender der Jury. © Renate Henneberger

Dr. Manfred Wittenstein ist überzeugt: „Kreative Köpfe müssen gefördert und gefordert werden.“ Warum und wie das geschieht, erläutern Iris Lange-Schmalz und Dr. Norbert Schön.

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Bad Mergentheim. „Es ist wichtig, junge Menschen, Mädchen wie Jungen, für Technik und Naturwissenschaften zu interessieren, denn hier ist das größte Weiterentwicklungspotenzial für die Zukunft“, versichert Dr. Norbert Schön, einer der beiden Geschäftsführer des Stadtwerks Tauberfranken. „Schon frühzeitig hat man erkannt, dass Kreativität und Innovation wichtige Faktoren für den Erfolg von Unternehmen sind und Wohlstand in der Region schaffen.“

Iris Lange-Schmalz fügt hinzu: „Wenn ich die jungen Leute ansehe, blicke ich in die Zukunft. Ihre Kreativität und ihren Erfindungsreichtum zu fördern, bedeutet in die Zukunft zu investieren und diese mitzugestalten.“

Getriebe der Zusammenarbeit

Die selbständige Unternehmensberaterin ist seit 2008 mit der Leitung und Planung des Schülerwettbewerbs beauftragt.

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„Kreative Köpfe – das sind nicht nur Schüler mit ihren Ideen, sondern ein ganzes Netzwerk aus Unternehmen, Schulen, Kommunen und Partnern.“ Ihnen allen steht sie mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung zur Verfügung.

Ähnlich wie Zahnräder ineinandergreifen und eine Maschine zum Laufen bringen, funktioniert das Zusammenspiel der Partner von „Kreative Köpfe“.

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„Die Stiftung „Junge Kreative Köpfe“ wurde 2005 gegründet und ist gewissermaßen das Herzstück. Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern fördert sie den Wettbewerb, mit dem Ziel, den Schulunterricht durch praxisbezogene Lerninhalte zu ergänzen“, erklärt Dr. Norbert Schön. „Neben finanzieller Unterstützung stellen verschiedene Betriebe „Experten“, qualifizierte Mitarbeiter, den Schülern zur Seite, die ihnen bei der Umsetzung ihrer Ideen behilflich sind.“

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Sämtliche Schulen der Region säßen als zuverlässige Partner mit im Boot – von Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren über Gemeinschaftsschulen bis zu Gymnasien. Unverzichtbar sei die Betreuung der Projekte durch engagierte Fachlehrer, versichert Dr. Norbert Schön. Unternehmen, Kommunen und Schulen seien so zu einer starken Koalition, zu einem zukunftsfähigen Bündnis zusammengewachsen.

Unternehmen investieren viel in die aufwendige technische Ausbildung ihrer Nachwuchskräfte. Für den Wettbewerb „Kreative Köpfe“ stellen sie Büro- und Werkräume, Werkzeuge, Maschinen, Computer und vor allem Mitarbeiter zur Verfügung. „Auf diese Weise lernen die Unternehmen die jungen Leute kennen. Wer tüchtig ist und zuverlässig arbeitet, hat nach Beendigung der Schulzeit gute Aussichten auf eine Ausbildungsstelle oder einen dualen Studienplatz“, weiß Dr. Norbert Schön aus Erfahrung.

Eigene Fähigkeiten erkennen

„Eigentlich hatte sie sich längst für eine kaufmännische Ausbildung entschieden“, erzählt Dr. Norbert Schön. „Die Schülerin bewarb sich trotzdem mit einer guten Idee bei ,Kreative Köpfe’ – mit Erfolg. Sie entdeckte ihre Begeisterung und Begabung für Technik, gab ihren ursprünglichen Plan auf und entschloss sich zu einem Technikstudium.“ Nicht selten würden so die Weichen für den zukünftigen Beruf gestellt.

Jahrelang die Schulbank gedrückt und am Ende keinen Plan, welchen Beruf man ergreifen könnte? Keine Ahnung, welche Talente und Fähigkeiten in einem schlummern? In den Schulen werde den jungen Leuten oft zu früh eine bestimmte Richtung vorgegeben. Die Teilnahme am Wettbewerb ermögliche den „Blick über den Tellerrand“, erklärt Dr. Norbert Schön.

„Einmal den gesamten Werdegang, angefangen bei der zündenden Idee, über Planung und Ausführung bis hin zum fertigen Produkt zu erleben, ist eine tolle Erfahrung“, versichert Iris Lange-Schmalz. „Ich hätte nicht gedacht, dass da so viel Arbeit drinsteckt. Ich hätte es mir einfacher vorgestellt“, sei das Resümee vieler Schüler. „Aber es hat Spaß gemacht.“

Fantasie und Kreativität gepaart mit Durchhaltevermögen sind ein unschlagbares Team. Kann man Kreativität erlernen? Dr. Norbert Schön ist überzeugt: „Bis zu einem gewissen Grad auf jeden Fall.“ Erster Schritt sei, den Gedanken freien Lauf zu lassen, Brainstorming zu betreiben. Verbissenheit sei kontraproduktiv.

„Kreative Menschen gehen mit offenen Augen durch die Welt, beobachten kritisch, sehen, wo man etwas besser machen könnte und geben sich nicht damit zufrieden, dass die Dinge so sind wie sie eben sind.“ Dabei müsse man nicht ständig „das Rad neu erfinden“, bemerkt Iris Lange-Schmalz. Oft komme es darauf an, Vorhandenes zu verbessern und für den Alltag tauglicher zu machen.

Die Qual der Wahl

„Es überrascht uns immer wieder, welcher Ideenreichtum in den eingereichten Vorschlägen der Schüler steckt“, berichtet Dr. Norbert Schön. Er ist der Vorsitzende der Jury, die sich aus elf Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Ausbildung zusammensetzt. Unter 76 Schülerideen hatte sie diesmal die „Qual der Wahl“.

Eine überzeugende Präsentation, Innovation und Kreativität, Schonung von Ressourcen, Marktfähigkeit und technische Realisierbarkeit sind die Kriterien, auf welche die Jury ihr Augenmerk richtet. „Was nützt eine tolle Idee, wenn sie nicht umsetzbar ist“, gibt der Vorsitzende zu bedenken. Die Projekte müssen dem Wissen und der Leistungsfähigkeit der Schüler angepasst sein, denn neben der Unterstützung durch Schulen und Betriebe sollen die jungen Forscher einen hohen Eigenanteil bei der Umsetzung leisten.

„Ranklotzen“

Haben sich „Erfinder“ und „Förderbetrieb“ gefunden, heißt es mächtig „ranklotzen“, damit nach drei Monaten der staunenden Jury ein perfekt ausgearbeitetes Produkt präsentiert werden kann. Iris Lange-Schmalz weiß, dass es kein einfacher Weg ist.

Dennoch komme Abbrechen und Aufgeben so gut wie nie vor. Sie lächelt: „Manchmal fließt schon heimlich ein Tränchen, wenn so gar nichts klappen will.“

Dr. Norbert Schön fügt hinzu: „Genau diese Erfahrung kann unheimlich wertvoll für die jungen Schüler sein: An einer Sache dranbleiben, neue Wege suchen, Rückschläge verkraften um am Ende freudestrahlend festzustellen, dass sich die Anstrengung gelohnt hat.“ Gerührt fügt er hinzu: „Diese Freude miterleben zu können – das ist der schönste Dank für uns.“