Naturschutzgruppe Taubergrund - Bei Markelsheim für Nisthilfe gesorgt / Weitere Storchennester in Planung Klappern die Störche bald im Taubertal?

Von 
Holger Schmitt
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Mitglieder der Naturschutzgruppe gestalten durch Flechtarbeit die metallenen Nisthilfen etwas wohnlicher.

© Holger Schmitt

Jüngst stand ein Weißstorch auf einem Dachfirst des Schlosshofes und beobachtete das rege Treiben der Menschen beim Bad Mergentheimer Stadtlauf.

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Bad Mergentheim. Wenn ein Weißstorchpaar sich wild irgendwo niederlässt, genießt es sofort die Privilegien der Naturschutzgesetze. Will aber der Mensch helfend eingreifen, um die Ansiedlung der schwarz-weiß-roten Sympathieträger zu fördern, dann gilt es, umfangreiche Hürden der Bürokratie zu überwinden. Vor gut einem Jahr beschloss die Naturschutzgruppe Taubergrund, den Versuch zu wagen, den Storch hier wieder anzusiedeln.

"Landesstorchenmutter" Ute Reinhard warb damals dafür, neue Gebiete für die Störche zu erschließen. Der Bevölkerungsdruck bei den Adebaren sei hoch, und die Chancen stünden gut, dass sich bei entsprechender Hilfe, die Vögel an der Tauber und ihren Nebentälern neu ansiedelten. Steven Michelbach, Leiter der NSG-Arbeitsgruppe Gewässerökologie und Initiator des Projekts, machte sich an die Arbeit und fand bei der Baufirma Leonard Weiss einen engagierten Sponsor. Von den Auszubildenden wurden In der Satteldorfer Lehrwerkstatt fünf perfekte Nisthilfen aus Stahl gebaut. Auch das Stadtwerk Tauberfranken waren gerne bereit, Holzmasten zur Verfügung zu stellen und diese mit schwerem Gerät vor Ort aufzurichten. Nahe der Tauber, südlich Markelsheim wurde so ein erstes Nest installiert.

Nachdem endlich alle baurechtlichen Hürden überwunden waren, wurde jetzt auf dem Gelände der Firma Weiss (außerhalb des Werkzauns) eine besonders aufwändige Nisthilfe fertiggestellt.

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Als Mast dient hier der Ausleger eines Krans, welcher mit elf Kubikmeter Beton im Boden verankert wurde und jetzt 15 Meter hoch in den Himmel ragt. Den Mast aufzustellen und das Storchennest an der Spitze zu befestigen, war eine knifflige Angelegenheit. Weiss-Mitarbeiter Hannes Nörpel und Daniel Herhoffer leisteten hier Präzisionsarbeit.

In den nächsten Wochen sollen drei weitere Nisthilfen im Auwäldchen Edelfingen, Stuppach und dem Wachbachtal, weniger aufwändig an Holzmasten befestigt, errichtet werden. Für die Zukunft plant die Naturschutzgruppe möglichst viele Storchennester auch im südlichen Kreisgebiet anzubieten.

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Ein Traum wäre, wenn es gelänge, die Störche wieder auf Hausdächern und Türmen heimisch zu machen, erklärte der Vorsitzende der Naturschutzgruppe Josef Gulde. Schließlich hätten die Vögel als Kulturfolger so Jahrhunderte lang in den Städten mit den Menschen zusammengelebt. Nisthilfen auf Dächern anzubringen, sei gar nicht so aufwändig und ohne Eingriff in die Dachhaut möglich, betont Gulde, der auf Angebote von Besitzern geeigneter Gebäude hofft. So schlecht stehen die Chancen für die Ansiedlung der Störche im Taubertal nicht. Erwin Taube, Storchenbeauftragter des Landkreises Neustadt an der Aisch, war auf Einladung des "Grünen Gockel" in das evangelische Gemeindehaus nach Bad Mergentheim gekommen, um Mut für das Projekt der Naturschutzgruppe Taubertal zu machen. Das Gebiet des "Storchen- Vaters" grenzt im Süden direkt an den Main-Tauber-Kreis. An der Aisch, im nahen Mittelfranken, sind die Vögel oft schon ab Mitte Februar präsent, um sich auf die Brutzeit vorzubereiten. Die Wiederansiedlung der Adebare im Nachbarkreis ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. 1988 zog das erste Brutpaar zwei Jungvögel groß. Im Herbst des vergangenen Jahres starteten 118 junge Störche zu ihrem Zug nach Süden.