Kinderbetreuung - Teilweise lange Wartelisten / Stadt investiert und beobachtet die Entwicklung / Katholische Kirche und St. Josefspflege haben (fertige) Pläne Kernstadt fehlen vor allem Krippenplätze

Von 
Sascha Bickel
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Wie steht es um die (Klein-)Kinderbetreuung in Bad Mergentheim? Diese Frage stellte unsere Zeitung der Stadt und vier Betreibern von Betreuungseinrichtungen.

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Bad Mergentheim. Wie sieht die Lage im Bereich der (Klein-)Kinderbetreuung in der Kurstadt aus und welche Pläne gibt es für 2016? Dazu hakte unsere Zeitung nach.

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"Derzeit sind bei den Kindergärten 631 der 764 Plätze belegt. In den Stadtteilen gibt es keine Wartelisten, wohl aber in der Kernstadt", erklärt Carsten Müller, der Pressesprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage: "Die Kinderkrippen sind voll ausgelastet, von den 100 Plätzen sind 105 belegt (teilweise teilen sich zwei Kinder einen Platz). Alle Stadtkern-Krippen führen Wartelisten mit bis zu 40 Kindern. Die Krippen in den Stadtteilen sind zwar belegt, führen derzeit aber keine Wartelisten."

Zur Belegung der Kindergärten und Kinderkrippen in Bad Mergentheim

  • 1307 Kinder im Alter bis sechs Jahren leben aktuell in der Kurstadt.
  • Es gibt 17 Kindergärten mit zusammen 764 Betreuungsplätzen. Von diesen stehen 700 Plätze für die Drei- bis Sechsjährigen zur Verfügung, die übrigen sind altersgemischte Plätze (also für Zweijährige). Zusätzlich gibt es in Bad Mergentheim fünf Kinderkrippen mit zusammen 100 Plätzen. Insgesamt stehen damit im Stadtgebiet 864 Betreuungsplätze für Kinder zwischen null und sechs Jahren in Einrichtungen zur Verfügung. Ergänzend gibt es rund 60 Betreuungen durch Tagesmütter. 15 auswärtige Kinder belegen derzeit Betreuungsplätze in Bad Mergentheim.
  • Die katholische Kirchengemeinde betreibt allein vier Kindergärten in der Kernstadt: St. Johannes, Maria Hilf, St. Pius und St. Vinzenz. Bis zu 270 Kinder können hier betreut werden. Aktuell sind es 267 Kinder. Rund 250 sind im Alter zwischen drei und sechs.
  • Die evangelische Kirche betreibt in der Kernstadt die Kindertagesstätte in der Au (Kindergarten und -krippe). Auch hier gibt es Wartelisten. Hinzu kommt der Kindergarten Propsteistraße. "Bis Mai 2016 sind alle Plätze belegt", so die Kirchengemeinde.
  • Die Kinderkrippe "Krabbelwiese" am Caritas-Krankenhaus wird von der gemeinnützige Kinderzentren Kunterbunt gGmbH betrieben. In dieser Krippe werden Kinder von sechs Monaten bis drei Jahre betreut. In vier Krippengruppen bietet man Platz für 40 Kinder. Momentan sind alle Betreuungsplätze belegt. Es gibt eine lange Warteliste.
  • Im "Schlawinertreff" in der Krummen Gasse, betrieben von der St. Josefspflege Mulfingen, sind aktuell 23 von 20 Krippenplätzen belegt. Der Überhang ergibt sich durch Platzsharing. Insgesamt stehen 24 Kinder auf der Warteliste. Davon sind 13 Kinder die ab sofort bis spätestens Juni 2016 einen Platz benötigen. sabix

Wo soll das Angebot ergänzt bzw. ausgebaut werden? Müller dazu: "Wir investieren in unsere Betreuungseinrichtungen. Aktuell in Neubauprojekte in Wachbach und Neunkirchen. Als nächstes steht der Kindergartenanbau in Löffelstelzen an. Natürlich gibt es darüber hinaus von den verschiedenen Trägern eine Reihe von weiteren Anfragen, Ideen und Projekten. Konkrete Maßnahmen werden im Rahmen von Besprechungen gemeinsam mit den Kirchen und freien Trägern entwickelt. Sie müssen für die Stadt aber auch finanziell darstellbar sein."

Für 2016 erwartet die Stadt auch bedingt durch den Zuzug über die Neubaugebiete "einen stabilen bis steigenden Betreuungsbedarf" von Kindern. Einen Mehrbedarf "sehen wir als Stadt vor allem im Bereich der Krippen. Im Kindergarten-Bereich sind in den Stadtteilen noch ausreichend Plätze verfügbar. Eine Ausnahme ist Markelsheim." Dort erwartet man, dass der Kindergarten "in zwei Jahren nicht mehr alle Kinder des Ortes aufnehmen kann".

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Die Nachfrage nach Ganztages-Betreuungsplätzen und einer Betreuung über die Mittagszeit steige zudem im gesamten Stadtgebiet.

Die Stadt betont, die Lage weiter genau beobachten und analysieren zu wollen. Zudem werde künftig mit der Einführung einer zentralen Vormerkung für Kita-Plätze der Bedarf direkter und schneller erkannt. Das ermögliche ein zielgerichtetes Planen von Verbesserungen, so Carsten Müller.

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Dass "seine" Kindergärten voll belegt seien und es teilweise sogar Wartelisten gebe, teilt Peter Striffler, der Leiter des katholischen Verwaltungszentrums, mit. Er rechnet 2016 mit einer steigenden Nachfrage nach Ganztagesplätzen, die unter anderem in den Kindergärten St. Pius und Maria Hilf durch Ausbaumaßnahmen befriedigt werden könnte. "Ebenso wächst die Nachfrage nach Krippenplätzen, welche wir uns im Kiga Maria Hilf vorstellen könnten. Die Nachfrage nach Regelbetreuung ist weiter rückläufig."

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Konkret plane die katholische Kirchengemeinde bereits ab Januar eine Intensivkooperation mit dem Schulkindergarten der Andreas-Fröhlich-Schule in Klepsau. Hierbei werde eine Gruppe mit motorisch beeinträchtigten Kindern in die Räume des Kindergartens St. Johannes einziehen und diesen bereichern, so Striffler. Baulich müssten die beiden Kindergärten St. Pius (zweiter Bauabschnitt) und Maria Hilf "dringend saniert oder umgebaut werden". Dazu gebe es schon einige Zeit Gespräche mit der Stadt.

Auch die evangelische Kirchengemeinde erklärt auf Anfrage, dass die eigenen Kindergärten und die Krippe in der Au "voll ausgelastet sind". Die Nachfrage in allen Betreuungsformen sei groß, "vor allem im Ganztages- und Krippenbereich wo es ja auch entsprechende Wartelisten gibt", so die Geschäftsführende Pfarrerin Gabriele Arnold und Kristina Biere, die Vorsitzende des Kindergartenausschusses: "Die Plätze sind meist schon zu Jahresbeginn belegt, so dass Zuzüge während des Jahres kaum berücksichtigt werden können." Die Kirchengemeinde, die zügig und bedarfsorientiert reagiere, stehe fortwährend im engen Kontakt mit der Stadtverwaltung.

Melanie Michel erklärt unterdessen für die Kinderkrippe "Krabbelwiese" (gemeinnützige Kinderzentren Kunterbunt gGmbH) am Caritas-Krankenhaus: "Im Krippenbereich (null bis drei Jahre) gibt es noch zu wenige Betreuungsplätze. Aber auch die Ganztagesbetreuung im Kindergarten (drei bis sechs) ist noch ausbaufähig." Besonders schwierig werde es mit der Kinderbetreuung ab dem Schulalter (Hort) in Bad Mergentheim. In der eigenen Krippe würden alle frei werdenden Plätze zeitnah wieder vergeben. Viele interessierte Eltern stünden auf der Warteliste und erhielten zunächst Absagen. Größere Erweiterungen oder Veränderungen seien in nächster Zeit nicht geplant.

Den "Schlawinertreff" in der Altstadt betreibt die St. Josefspflege Mulfingen. Auch Andreas Berns berichtet von einer großen Warteliste. Nach wie vor gebe es einen Antrag auf Zuschüsse für eine dritte Betreuungsgruppe. Mit Zustimmung des Gemeinderates könnte diese recht schnell realisiert werden. Eine weitere Vorhaltung der (noch) freien Räume sei aber nach dem Jahreswechsel nicht mehr möglich. Das Team im Schlawinertreff stehe "und könnte auch ohne Probleme um die notwendigen 2,5 Stellen vergrößert werden", so Berns.