Bürgerforum „Stadtbild“

Kaum Informationen zum Obelisk

Serie „Mergentheimer Steine erzählen“ (Folge 12). Bauform aus dem Alten Ägypten

Von 
Karin Waldhäusl
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Bad Mergentheim. Fußgänger, die den Schlosspark über den Eingang an der Kapuzinerstraße betreten, treffen nach etwa hundertfünfzig Metern auf einen Obelisken, der als Wegmarke im Schnittpunkt der Kastanienallee mit der Pappelallee steht.

Die Bauform Obelisk entstand im Alten Ägypten und bezeichnet einen hohen, monolithischen Steinpfeiler, der sich nach oben verjüngt und von einer kleinen Pyramide abgeschlossen ist. Obelisken stellten die steingewordenen Strahlen des Sonnengottes Re dar. Der Obelisk im Schlosspark ist kein Monolith, sondern aus sieben Teilen mit deutlichen Fugen dazwischen zusammengesetzt und insgesamt ungefähr acht Meter hoch. Als Material fand Muschelkalk Verwendung. Am Pfeiler sind die Randschläge gut zu erkennen. Sie dienen dem Steinmetz dazu, den grob vorbereiteten Stein in eine exakte geometrische Form zu bringen. An den Sockelsteinen fehlen die bei einer manuellen Bearbeitung notwendigen Randschläge.

Der Obelisk steht im Schnittpunkt zweier Alleen. © Karin Waldhäusl

Im Zuge einer Sanierung wurden schadhafte Bereiche im Muschelkalk weggenommen und durch gleichartige Steine ersetzt, sogenannte Vierungen. Sie sind teilweise wieder abgefallen. An einigen Stellen erfolgten Ausbesserungen mit Schlämme. Der mittlere der drei Sockelsteine hat sich gegen den unteren um mehrere Millimeter verschoben. Die ganze Oberfläche des Obelisken ist von Algen bewachsen.

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Es ist wenig bekannt über das Denkmal. Der Sockel trägt keine Inschrift, aus der Anlass und Jahr der Errichtung zu entnehmen wären. Im Deutschordenszentralarchiv in Wien findet sich ein Kupferstich mit einem Plan des Schlosses mit Residenzgarten von 1793. Ein Obelisk, als „Corintische Piramiten“ bezeichnet, war jenseits der Tauber vorgesehen. Der Plan wurde nicht ausgeführt. Franz Diehm schreibt in seiner „Geschichte der Stadt Bad Mergentheim“, es gäbe in den Akten keine Informationen über den Obelisken, „der noch aus der Deutschordenszeit stammt“. In ihrem „Parkpflegewerk“ vermutet Gudrun Dietz-Hofmann, dass der Obelisk etwa gleichzeitig mit dem Halbmondhäuschen (1802) und dem Schellenhäuschen (1804) errichtet wurde, da er im Wiener Plan II dargestellt ist, jedoch nicht im Wiener Plan I. Diese beiden Pläne liegen ebenfalls im Deutschordenszentralarchiv.

Zwei Legenden über den Obelisken sind überliefert. Der ersten zufolge ließ ihn ein Deutschordensritter errichten, nachdem dessen Hund acht Menschen aus Seenot gerettet hatte. Die zweite – unwahrscheinliche – besagt, dass er erst in der Württemberger Zeit, ab 1809, zu Ehren des Hundes von Herzog Paul aufgestellt wurde.