Oberbürgermeisterwahl in Bad Mergentheim - 709 Erstwähler dürfen am morgigen Sonntag mitbestimmen / Zum ersten Mal auch 16-Jährige dabei Jugendliche spielen eine größere Rolle

Von 
Désirée Schneider
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Bad Mergentheim wählt den Oberbürgermeister für die nächsten acht Jahre. Besonders spannend könnte der Gang zur Urne für 709 Erstwähler werden.

Tina Teufel. © Tina Teufel
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Bad Mergentheim. Das erste Mal sein Kreuzchen setzen, das erste Mal wählen gehen. Für 709 junge Bad Mergentheimer wird dies am morgigen Sonntag möglich sein. Ein großes Privileg – die Möglichkeit endlich mitzubestimmen, bringt aber auch viel Verantwortung mit sich. Schließlich will man keine Fehler machen. Für viele Jugendliche ist der erste Gang ins Wahllokal deshalb ganz schön aufregend.

Gesprächsstoff im Freundeskreis

„Ich finde das schon wahnsinnig spannend“, sagt Tina Teufel aus Löffelstelzen, „an sich ist das ja keine große Sache, trotzdem bin ich mir unsicher, ob ich dann auch alles richtig mache“.

Die 18-Jährige konnte es kaum erwarten, endlich wählen gehen zu dürfen. „Es ist schön, endlich ein Mitspracherecht zu haben und entscheiden zu können, wie es da zugeht wo man wohnt“, sagt sie. Denn wer nicht wählt, der dürfe sich im Nachhinein auch nicht beschweren, findet die 18-Jährige.

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Besonders gefreut habe sie der Besuch des Oberbürgermeisters im Löffelstelzer Jugendraum, was im Freundeskreis für ordentlich Gesprächsstoff sorgte: „Wir haben danach viel über die Wahl geredet und sind uns alle einig, dass wir auf jeden Fall wählen gehen werden.“

In der Schule sei das Thema Politik aber viel zu kurz gekommen, findet die Auszubildende. Deshalb freue sie sich, dass in ihrer Ausbildung zur Erzieherin nun mehr Raum dafür sei: „Wir haben ein Fach, das heißt Bildung für nachhaltige Entwicklung, da sprechen wir über aktuelle politische Themen“, erzählt Tina, „zum Beispiel, was die Regierung gegen Plastikmüll unternimmt. Aber das ist eben alles überregional, über regionale Politik erfährt man wenig.“

„Politik ist wie Mathe“

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Ein richtiger Frischling unter den Wählern ist Bastian Hartmann zwar nicht mehr, an der OB-Wahl nimmt er aber zum ersten Mal teil.

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„Es ist cool, dass man jetzt endlich mit dabei sein und aktiv mitgestalten kann, was bei uns in der Region passiert“, sagt der 20-jährige Markelsheimer, „das ist ja was, das uns direkt betrifft und wo man vielleicht auch etwas ändern kann“. Von den Geschehnissen und Entscheidungen, die getroffen werden, bekommt man generell aber zu wenig mit, findet er.

„Es wäre schön, wenn man mehr Information hätte über das was einen wirklich interessiert, also auch die kleinen Beschlüsse und nicht nur große Sachen wie die Landesgartenschau.“

Über die Wahl unterhält er sich hauptsächlich mit seinen Eltern, im Freundeskreis sei sie kaum im Gespräch. „Das ist eigentlich echt schade“, findet Bastian, „Wählen ist für mich Pflichtsache und dafür sollte man sich schon interessieren.“

In der Schule sei das Thema Politik eigentlich recht gut behandelt worden, erinnert sich der Student. Das Problem sieht er eher im fehlenden Interesse der Schüler: „Wenn das Interesse nicht da ist, dann ist Politik wie Mathe“, sagt er, „es muss halt erledigt werden“.

Die eigene Stimme zählt

Über fehlendes politisches Interesse kann man sich bei Anna Hofmann, Lukas Fitzgerald und Niklas Ulshöfer nicht beklagen. Die drei sind seit etwa zwei Jahren Mitglieder im Bad Mergentheimer Jugendgemeinderat und haben dementsprechend einige Berührungspunkte mit dem politischen Geschehen ihrer Heimat. Dass sie nun endlich an der Wahl teilnehmen dürfen, freut besonders Niklas Ulshöfer.

„Die letzte Bundestagswahl war nur knapp ein halbes Jahr vor meinem 18. Geburtstag“, erinnert sich der 19-jährige Edelfinger, „das war schon wirklich bitter.“ Auch deshalb habe die Wahl am morgigen Sonntag für ihn eine besondere Bedeutung. „Ich finde den ganzen Ablauf total spannend und man hat die Möglichkeit die Stadt in eine gewisse Richtung zu lenken. Eigentlich ist so eine lokale Wahl sogar spannender als die Bundestagswahl“, findet der Schüler, „da hat die eigene Stimme noch viel mehr Auswirkung“.

Der Meinung ist auch Anna Hofmann: „Man ist einfach näher dran und bekommt von Veränderungen viel mehr mit“, sagt die Bad Mergentheimerin, „es ist aber schade, dass nur ein Kandidat antritt“.

Darin sieht Lukas Fitzgerald aus Dainbach ein Problem: „Deswegen werden wahrscheinlich weniger Jugendliche zur Wahl gehen, weil sie denken, dass ihre Stimme sowieso keinen Unterschied macht“, vermutet der 19-Jährige.

Nicht wählen zu gehen kommt für die drei trotzdem nicht in Frage. Anna hat sogar Briefwahl beantragt, da sie am Tag der Wahl im Urlaub ist. „Das Thema Politik begleitet einen ja schon von ganz früh an“, sagt Niklas, „besonders seit der Schulzeit“. Dort sei es aber viel zu kompliziert vermittelt worden, erinnert sich Anna. Man müsse einen guten Mittelweg zwischen der Vermittlung der Grundlagen des Systems, geschichtlichen und aktuellen Aspekten finden, meint die Studentin.

Lukas hat ganz konkrete Vorstellungen, wie man den Gemeinschaftskundeunterricht ansprechender gestalten könnte: „Man sollte im Unterricht mehr über aktuelle politische Themen diskutieren. Das wäre wesentlich interessanter und weniger trocken.“

Dass das Wahlalter für Kommunalwahlen auf 16 heruntergesetzt wurde, sehen die drei grundsätzlich positiv. „Ich finde das sehr wichtig, denn so müssen sich die Kandidaten mehr auf die Bedürfnisse der Jugendlichen einstellen“, meint Lukas. Trotzdem könne man das auch kritisch betrachten, gibt Niklas zu bedenken.

„Um sich mit kontroverseren Fragen auseinanderzusetzen, ist 16 vielleicht noch etwas jung“, überlegt der 19-Jährige, „trotzdem sehe ich das positiv. Die 16-Jährigen, die wählen gehen beschäftigen sich wahrscheinlich auch wirklich damit und nehmen das ernst.“

Wünsche der Jugend

„Es ist auf jeden Fall gut, dass im Wahlkampf jetzt auch mehr auf die Jüngeren eingegangen werden muss“, stimmt Anna zu.

Wenn sie sich etwas für die Zukunft nach der Wahl wünschen dürften, dann wären das die Verwirklichung eines Stadtstrandes und mehr kulturelle Angebote für Jugendliche. „Das Schloss ist eigentlich die perfekte Kulisse für Konzerte“, findet Anna, „davon sollte es einfach mehr geben. Es müssen ja nicht immer große Künstler sein, man könnte das auch ab und zu im kleineren Rahmen gestalten.“