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Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 18)

Jesuskind zertritt den Kopf der Schlange

Von 
bfs
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Bad Mergentheim. An dem nobelgrauen Eckhaus Burgstraße/ Deutschordensplatz erscheint unter einem adretten Wetterdächle das Motiv der vom Kunsthistoriker Hugo Schnell so benannten Madonna vom Siege, auch als Motiv der Schlangentöters bekannt.

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Das geht auf die Weissagung nach dem von der Schlange bewirkten Sündenfall Evas und Adams zurück. Im Ersten Buch Mose, Kapitel drei, spricht der Herr zu der Schlange: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen. Derselbe soll dir den Kopf zertreten.“ Nach einer anderen Lesart heißt es, das Weib werde der Schlange den Kopf zertreten.

Je nach Lesart der Bibel erscheint Maria oder der Jesusknabe als Überwinder der Schlange. © bfs

Daraus entwickelte sich spät, um 1500, der Bildtyp der Immaculata, der aufs zwölfte Kapitel der Apokalypse anspielt, wo das sternenbekrönte Weib, mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen, auftritt.

Als Bürger aufgenommen

Bei dem Bildwerk Michael Joseph Auweras in der Burgstraße stehen Maria und ihr Kind auf der Weltkugel. Beide halten sich an einen massiven Kreuzesbalken. Der Jesusknabe zertritt der Schlange, die sich noch um das Kreuz windet, mit dem rechten Fuß den Kopf. Nach seinen Lehrjahren, die damals zugleich Wanderjahre waren, arbeitete Auwera zunächst bei seinem Bruder Johann Georg in Mergentheim, ab 1780 dann alleine. Vier Jahre darauf wurde er als Bürger aufgenommen. 1794 heiratete er hier in die wohlhabende Familie Lochner ein; der Schwiegervater war Metzgermeister und Ratsherr, der wie die Auweras aus Aub an der Gollach stammte. Die Braut Elisabeth brachte einen vier Jahre alten Sohn mit in die Ehe. Unter dem so aufgeklärten wie sparsamen Hochmeister Maximilian Franz kamen die Aufträge für den Bildhauer immer spärlicher. Dann tobten die Kriege, erst mit dem republikanischen, dann mit dem napoleonischen Frankreich. Als Wachsbossierer schlug sich Auwera kümmerlich durch. Sein eigenes Porträt, wie das seiner späteren Ehefrau, noch in besseren Zeiten geschaffen, haben sich im Lochnerschen Familienbesitz erhalten.

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Als Hochmeister Anton Victor 1805 die Stadt besuchte, richtete Auwera an ihn die Bitte um Anstellung als Hofbildhauer: „Der Unterzeichnete ist vielleicht der einige in Mergentheim, der unter die Freudentränen seiner Mitbürger eine Träne des Kummers mischet, denn während der Gegenwart Eurer Königlichen Hoheit wächst noch Gras vor der Türe eines Künstlers, der sicher hoffte, daß das Licht, das die Residenzstadt erleuchtet, auch auf ihn zurückstrahlen, und seinen Griffel aus dem Dunkel der Vergangenheit hervorrufen werde.“ 1813 starb Michael Joseph völlig verarmt, laut Kirchenbuch „ein sehr geschickter, braver und frommer Mann.“ bfs

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