Kreisjägervereinigung - "Jagd- und Wildtiermanagementgesetz muss nachgebessert werden" Jäger sehen ihr Engagement weiter in Frage gestellt

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Wer künftig Wildenten, Wildgänse und Schwäne füttert, macht sich einer Ordnungswidrigkeit schuldig und kann mit einem Bußgeld belegt werden.

© FN

Bad Mergentheim. Das neue Wildtiermanagementgesetz ist am 1. April in Kraft getreten. Landesjagdverband und die Kreisjägervereinigungen hätten das über zweijährige Verfahren "konstruktiv-kritisch begleitet", schreibt Kreisjägermeister Hariolf Scherer in einer Pressemitteilung. Mit dem Ergebnis seien viele jedoch nicht zufrieden, weil die jagdliche Praxis nicht ausreichend berücksichtigt werde und zusätzliche bürokratische Hürden aufgebaut würden. Die Jäger sehen ihr Engagement und ihre Eigenverantwortung durch das neue Gesetz in Frage gestellt.

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Das Gesetz enthält zahlreiche Neuerungen, darunter auch ein grundsätzliches Fütterungsverbot für viele Wildtiere, wie zum Beispiel für Rehe und Wildschweine. Während dieses Verbot in erster Linie die Jäger betrifft, die eine Jagd gepachtet haben, gelte seit dem 1. April eine weitere Neuregelung, die auch für Nichtjäger von Bedeutung sei, so der Kreisjägermeister. Wildenten, Schwäne und Wildgänse füttern, mache vielen Tierfreunden einfach Spaß. Besonders Erwachsene mit kleinen Kindern und Enkelkindern ziehe es zum Beispiel in Bad Mergentheim in den Kur- und Schlosspark. Sie werfen den Enten, Gänsen oder Schwänen altes Brot ins Wasser. Die Freude sei bei Alt und Jung groß, wenn möglichst viele Tiere angelockt würden, um dann um die besten Stücke zu buhlen.

Jetzt habe die grün-rote Landesregierung gesetzlich festgeschrieben, dass Wildenten, Wildgänse und Schwäne nur noch von jagdausübungsberechtigten Personen und nur dann gefüttert werden dürfen, wenn die untere Jagdbehörde wegen Futternot eine Fütterung anordnet. Ein Verstoß gegen diese Vorschrift stelle eine Ordnungswidrigkeit dar und könne mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro geahndet werden. "Gespannt darf man darauf sein, wer die Menschen in den Parks kontrolliert und die fälligen Geldbußen verhängt," meint der Kreisjägermeister.

Weiter zeigen sich Landes- und Kreisjägermeister verwundert darüber, dass der Nabu den Jägern naturschutzfeindliches Verhalten im Zusammenhang mit der Durchführungsverordnung zum Gesetz vorwerfe. Die Jägerschaft habe sich lediglich dafür eingesetzt, dass eine Bejagung von einigen Vogelarten im Rahmen europarechtlicher Vorgaben weiterhin möglich sei.

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"Wenn bei Enten, die in Baden-Württemberg zwar selten brüten, im Winter aber bei uns zu zehntausenden durchziehen oder rasten, nachhaltig bejagt werden, ist das für die europäische Population und den Brutbestand im Land völlig unerheblich" so Scherer, der sich durch Aussagen von Wildbiologen der Wildforschungsstelle bestätigt sieht.

Es sei für die Jägerschaft nicht hinnehmbar, dass über eine Rechtsverordnung, die unter dem Rang eines Gesetzes stehe, vom Parlament beschlossene Regelungen "durch die kalte Küche" ausgehebelt werden sollten, weil das manchen am Gesetzgebungsverfahren Beteiligten nicht passe, schließt die Pressemitteilung der Kreisjägerschaft. pm