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Bündnis 90/Die Grünen - Bei informativem Spaziergang über Arbeit des Vereins Stolpersteine Bad Mergentheim informiert

Initiative wünscht sich mehr Unterstützung

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Bei einem informativen Rundgang durch die Altstadt zeigten Mitglieder des Vereins Stolpersteine den Bad Mergentheimer Grünen die Vergangenheit der Kurstadt im Nationalsozialismus auf. © Bündnis 90/Die Grünen OV Bad Mergentheim

Bad Mergentheim. Beeindruckt zeigte sich der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen über die Arbeit des Vereins Stolpersteine. Dieser plant am nächsten Montag die Verlegung weiterer Stolpersteine.

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Seit vier Jahren versuche der Verein Stolpersteine Bad Mergentheim Menschen, die Opfer nationalsozialistischer Verbrechen wurden, durch die Verlegung von Stolpersteinen in Bad Mergentheim und den Teilorten dem Vergessen zu entreißen. Jetzt ließ sich der Grünen-Ortsverband von drei Vereinsmitglieder über ihre Arbeit informieren.

Der 2018 gegründete Verein sei aus einem Seminarkursprojekt der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim hervorgegangen, schreibt die Partei in einer Pressemitteilung. Die Mitglieder hätten in teilweise mühevoller Kleinarbeit Opferbiografien recherchiert und mögliche Verlegeorte der Stolpersteine erwogen. Auch sei – wo dies noch möglich ist – Kontakt zu Angehörigen der Opfer aufgenommen worden.

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In Suizid getrieben

Bei einem Rundgang durch die Bad Mergentheimer Altstadt berichteten der Vereinsvorsitzende Klaus Huth mit den weiteren Mitgliedern Renate und Stefan Haag darüber, dass die ersten fünf Stolpersteine in den Jahren 2019 verlegt wurden, weitere 23 Stolpersteine an sechs Verlegeorten folgten 2021. Huth: „Schrittweise wollen wir an sämtliche Mergentheimer Opfer erinnern.“ Stolpersteine, so die Vereinsmitglieder, sollte an das Schicksal von Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Auch wenn das Gros der Stolpersteine an jüdische Opfer erinnere, so würden zahlreiche Steine auch auf das Leid von Sinti und Roma, Homosexuellen, politisch Verfolgten und Menschen mit Behinderung verweisen.

Passanten halten inne

Die Steine werden in der Regel vor den letzten Wohnhäusern oder Wirkungsstätten der Opfer verlegt und lassen die Passanten innehalten. „Wer stehen bleibt und den Kopf senkt, der liest nicht nur Namen, Geburts-, Deportations- und Todesdaten einer Frau, eines Mannes oder eines Kindes, er verbeugt sich zugleich auch symbolisch vor den Opfern selbst,“ sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Huth.

Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit mittlerweile mehr als 90 000 verlegten Steinen handelt es sich um das weltweit größte dezentrale Mahnmal.

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Der informative Rundgang und die beeindruckenden Ausführungen zeigten den Mitgliedern der Grünen die Vergangenheit Bad Mergentheims im Nationalsozialismus auf. „Wir müssen dieser Vergangenheit mehr Platz im öffentlichen Raum geben, damit es in Erinnerung bleibt und nie wieder passiert,“ appellierte Stadtrat Philipp Lutzmann.

Äußerst verwundert zeigten sich die Grünen darüber, dass die Stadt dem Verein bei seiner ehrenamtlichen Arbeit immer wieder „Steine in den Weg lege“. Klaus Huth: „Bad Mergentheim ist die einzige Stadt in Deutschland, die uns für das Verlegen der Stolpersteine die Kosten des Bauhofs in Rechnung stellt.“ Dieses unkooperative Vorgehen stieß auch bei den Grünen-Mitgliedern auf großes Unverständnis.

Stadtrat Corvin Schmid forderte die Stadtverwaltung auf, das Engagement des Vereins unbürokratisch zu unterstützen und ihm zum Beispiel auch das eigenständige Verlegen der Stolpersteine zu ermöglichen. Am Montag, 9. Mai, lädt der Stolpersteinverein von 11.30 bis 12 Uhr in der Mühlwehrstraße 18 zur öffentlichen Verlegung von Stolpersteinen und zum Erinnern ein. Katja Demnig wird sechs Stolpersteine für die Opfer der Familien Fröhlich und Eckmann verlegen. Umrahmt wird die Verlegung durch Beiträge der Jugendmusikschule und Ansprachen. Am Nachmittag wird die Aktion von 14 bis 15.30 Uhr in der Dorfstraße 104 und am Ritterplatz 4 in Wachbach fortgesetzt. Musikalische Beiträge, Ansprachen und die Erinnerungen eines ehemaligen Nachbarn begleiten diese Veranstaltung.

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