Flüchtlingsarbeit - Integrationsmanager wollen keine Brennpunkte entstehen lassen / Wichtiger Baustein ist das Erlernen der deutschen Sprache In der Kurstadt leben derzeit 572 Asylsuchende

In Bad Mergentheim leben derzeit 572 Asylsuchende. Die Integrationsarbeit läuft – trotz Corona-Krise – weiter.

Von 
Sarah Heimberger
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Dieser Mann kam als Asylbewerber nach Deutschland, lernte hier seine Frau kennen, gründete eine Familie und arbeitet nun bei einer Tankstelle nahe Augsburg. © dpa

Main-Tauber-Kreis. In Deutschland eintreffende Asylsuchende werden nach dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die Bundesländer verteilt. Für Geflüchtete gilt dabei in Baden-Württemberg eine dreistufige Unterbringungsregelung. Die erste Anlaufstelle ist die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA), um einen Asylantrag in einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu stellen. Darauf folgt die vorläufige Unterbringung für höchstens zwei Jahre in einer Gemeinschaftsunterkunft durch die Stadt- und Landkreise. Im dritten Schritt werden die Geflüchteten einer kommunalen Unterkunft oder auch einer Privatwohnung zugewiesen.

Zahlen und Fakten

  • In Bad Mergentheim leben derzeit 572 Asylsuchende. Diese Zahl setzt sich wie folgt zusammen: 131 Asylbewerber, 339 anerkannte Flüchtlinge, 41 Menschen, die als Angehörige von anerkannten Flüchtlingen im Rahmen des Familiennachzuges gekommen sind und insgesamt 61 Geduldete. sahe
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Im Jahr 2020 wurden im Main-Tauber-Kreis 119 Personen für die Anschlussunterbringung den Kommunen zugewiesen. Sieben davon wurden beispielsweise in Tauberbischofsheim untergebracht, 15 in Bad Mergentheim, vier in Igersheim und acht in Weikersheim. Für diese Anschlussunterbringung in den Kommunen hat das Land Baden-Württemberg im Jahr 2017 den „Pakt für Integration“ ins Leben gerufen. Die Zielsetzung des Integrationsmanagements ist es, den Integrationsprozess von geflüchteten Menschen in der Anschlussunterbringung mit gezielten Maßnahmen durch die Integrationsmanager zu unterstützen. Als Leitsatz gilt hier, „Fördern durch Fordern“.

123 neue Asylbewerber

Die vier Gemeinschaftsunterkünfte (Bad Mergentheim mit zwei Unterkünften, Külsheim und Tauberbischofsheim) sind momentan mit insgesamt 168 Asylbewerbern belegt. Dem Main-Tauber-Kreis wurden dabei 2020 insgesamt 123 Asylbewerber neu zugewiesen.

In Niederstetten werden beispielsweise derzeit rund 50 Flüchtlinge betreut und die Asylsuchenden werden in von der Stadt gemietetem, privatem Wohnraum untergebracht. In Igersheim sind es laut Auskunft 79 Geflüchtete, die derzeit betreut werden.

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Creglingen hat seit August 2018 ein Gebäude beim Landratsamt angemietet und betreibt dies seither durchgehend als Anschlussunterbringung. Anfangs war das Gebäude mit etwa 20 bis 23 Geflüchteten belegt. Aktuell leben 13 Menschen in der Unterkunft. Einige der ehemaligen Bewohner haben Arbeit gefunden und leben zum Großteil in Creglingen in eigenen Wohnungen.

In Bad Mergentheim leben derzeit vier Personen in der Wohncontainer-Anlage in der Max-Planck-Straße. Weitere fünf Familien sowie eine Einzelperson leben in städtischen Wohnungen. Da die Vermittlung von Wohnraum nicht immer einfach ist, werde die Wohncontainer-Anlage weiterhin benötigt, um Menschen schnell unterbringen zu können, heißt es.

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Verglichen mit den letzten Jahren sinkt der Zustrom. Eine der Wohncontainer-Anlagen in Bad Mergentheim konnte inzwischen abgebaut werden und 2019 wurden nur noch 25 Menschen in die kommunale Anschlussunterbringung aufgenommen. 2017 waren es noch über 160. Auch in Igersheim hat der Zustrom an Flüchtlingen in den letzten Jahren deutlich abgenommen, wodurch die zentrale Gemeinschaftsunterkunft bereits im November 2016 abgebaut wurde, denn „unser Konzept bezieht sich mehr auf eine dezentrale Unterbringung in gemeindeeigenen und privaten Wohnungen, um so keine Brennpunkte entstehen zu lassen. Dieses Konzept war bisher sehr erfolgreich und integrativ, worauf wir natürlich sehr stolz sind“, so der Igersheimer Integrationsmanager, Philipp Fernald. Freie Plätze gibt es in Igersheim und Niederstetten derzeit nicht.

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Aktuell kommen die Asylbewerber überwiegend aus Nigeria, der Türkei, dem Iran, dem Irak und Syrien. In Bad Mergentheim leben zudem 52 Geflüchtete aus Somalia, in Igersheim immigrierten Flüchtlinge auch aus Afghanistan und aus dem Kososvo und Creglingen nahm unter anderem Menschen aus Georgien und Afghanistan auf.

Angebot für Geflüchtete

In den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises werden die Asylbewerber durch Sozialarbeiter des Landkreises betreut und unterstützt. So werden Lösungen erarbeitet, auch unter Beteiligung von Netzwerkpartnern wie Leistungsbehörden, Fachdiensten der Wohlfahrtsverbände, Bildungsträgern, Schulen und Kitas. Auch Ehrenamtliche, wie beispielsweise die des „Arbeitskreises Asyl“ in Bad Mergentheim sind eine wichtige Stütze.

Auch in Creglingen gibt es nach wie vor Helfer, die die Geflüchteten sprachlich und in Alltagsangelegenheiten unterstützen. Das Angebot wird von den Geflüchteten sehr gut angenommen, und die Integration entwickelt sich sehr positiv. Ein besonders wichtiger Baustein hierfür ist das Erlernen der deutschen Sprache und die Aufnahme von Beschäftigung. Bildungsträger wie die Volkshochschulen bieten Integrationskurse zu den verschiedensten Sprachniveaus an. Arbeitgeber erhalten Unterstützung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, wenn sie Personen mit Flüchtlingshintergrund beschäftigen oder ausbilden. Viele engagierte Firmen und Unternehmen haben trotz bestehender Sprachbarrieren Flüchtlinge bei sich beschäftigt, Praktika oder Ausbildungsplätze angeboten.

Die Integrationsmanager wirken insbesondere auf die Stärkung der Selbstständigkeit der Menschen hin. Sie sind Ansprechpartner bei allen Fragen des täglichen Lebens, geben den Geflüchteten Starthilfe für ein Leben in der Gemeinde, arbeiten eng mit dem Jobcenter zusammen und stehen in ständigem Kontakt mit anderen Integrationsmanagern, Ausländerämtern, Betrieben und dem Landratsamt.

In Igersheim übernimmt Philipp Fernald diese Aufgabe. Im September 2016 stieg er als Integrationsbeauftragter ein und wirkt nun seit September 2019 als Integrationsmanager.

Durch die gut organisierte Zusammenarbeit läuft die Flüchtlingsarbeit durch die Integrationsmanager und die Sozialarbeiter nach eigener Aussage „gut“.