Bürgerforum „Stadtbild“

Historischer Bildstock für die Zukunft gewappnet

Serie „Mergentheimer Steine erzählen“ (Folge 13). Nach einer Renovierung kommt der Bildstock an neuer Stelle zur Geltung

Von 
Norbert Eckert
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Bad Mergentheim. Bildstöcke sind im Taubertal und in Hohenlohe ein vertrauter Anblick, sie sind meistens aus einheimischem Sandstein oder Buntsandstein aus der Maingegend gefertigt. Besonders zahlreich sind diese im ehemaligen Deutschordensgebiet. Die ältesten Bildstöcke sind aus dem 16. Jahrhundert und somit gehört der Deutschordensbildstock von 1577 dazu.

Sein Vorgängerbildstock, der nicht mehr erhalten ist, wäre mit dem Todesjahr des Komturs Albrecht von Gebsattel von vermutlich 1461 einer der ältesten Bildstöcke unserer Gegend.

Bildhauer nur selten genannt

Die zahlreichsten Darstellungen beziehen sich auf Kreuzigung Jesu mit oder ohne Assistenzfiguren, deuten also auf Marter hin, möglichweise ist die übliche Bezeichnung Marterl für einen Bildstock darauf zurückzuführen.

Nur ganz selten ist der Bildhauer oder Künstler benannt, oftmals aber der Grund der Bildstockerstellung und des Auftraggebers.

Der Bildstock nach der Restaurierung. Ein starker Bewuchs führte zu Schäden, die eine Versetzung erforderlich machten. © Norbert Eckert

In der Beschreibung des Oberamts Mergentheim von 1880 steht über diesen Bildstock folgender Text: „Der Bildstock beim Hofgarten, unweit der Tauber, gegen den Johannissteg, erinnert an den unglücklichen Sturz vom Pferde, den der damalige Commenthur zu Mergentheim Albrecht von Gebsattel im Jahr 1461 erlitt und der seinen augenblicklichen Tod zur Folge hatte. Derselbe wurde an Stelle eines gleich nach dem Tod gesetzten errichtet im Jahr 1577. Oben ist das Bild der Kreuzigung, dabei die Jahreszahl 1577.“

Kreuzigungsszene

Der bildhafte Aufsatz mit Satteldach zeigt in einer Nische die Kreuzigung Christi mit zwei Assistenzfiguren mit der Darstellung von Maria und Johannes. Beidseitig ist ein Wappenschild mit dem Deutschordenswappen vorhanden und darüber jeweils die Jahreszahl 1577.

Auf alten Fotos ist zu erkennen, dass vor der figürlichen Darstellung ehemals ein handgeschmiedetes Eisengitter befestigt war. Der Aufsatz befindet sich auf einer achteckigen Pfeilerbasis, unter derselben ein mehrfach profilierter Sockel. Insgesamt hat der Bildstock eine Höhe von 215 cm.

Stark eingewachsen

Der Bildstock stand beim Verkehrsübungsplatz und war so stark eingewachsen, dass derselbe optisch kaum wahrnehmbar war. Der starke Bewuchs hat zu Schäden in der Substanz des Buntsandsteines geführt, so dass er aus Gründen der besseren Weitererhaltung versetzt werden musste.

Es wurde aber vorher sorgfältig geprüft, ob dieser auf einem historischen oder gar originalen Fundament steht, dies war nicht der Fall und so konnte der Bildstock auch problemlos versetzt werden. Außerdem war der Bildstock durch Erdanhäufungen zirka 20 Zentimeter im Sockelbereich nicht mehr sichtbar.

Fundament erhöht

Vor Ort erfolgte vor dem Abbau eine mehrfache Verfestigung morbider Steinbereiche. Der extreme biologische Bewuchs wurde vorsichtig entfernt.

Weitere Sicherungsmaßnahmen und Konservierungen sowie bildhauerische Ergänzungen in den Fehlstellenbereichen erfolgten in der Restaurierungswerkstätte.

Der Bildstock wurde in der Nähe des vorherigen Aufstellungsortes in einer Freifläche aufgebaut.

Die neue Aufstellung erfolgte auf erhöhtem Fundament, um welches dann mit Gefälle drei Steinstreifen aus Pophyr gelegt wurden, auf diese Weise fließt ankommendes Wasser schneller ab und gleichzeitig bedeutet es einen Schutzstreifen.