Leserbrief - Zum neuen 5G-Mobilfunkstandard und zu den Leserbriefen von Dr. Christina Baum (FN, 31. Mai und 9. Juni)

Handy selbst bestimmt Feldstärken mit

Von 
Leserbrief-Schreiber: Uwe Menrath
Lesedauer: 

Sehr geehrte Frau Dr. Baum, als Zahnärztin sollten Sie, zumindest wenn Sie Ihr Studium entsprechend der Approbationsordnung für Zahnärzte vom 26. Januar 1955 absolviert haben, am Ende des zweiten Semesters eine naturwissenschaftliche Vorprüfung abgelegt und damit erweitertes Wissen in den Naturwissenschaften Physik, Chemie und Zoologie nachgewiesen haben.

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Im Rahmen Ihrer Dissertation haben Sie auch beweisen müssen, mit wissenschaftlichen Methoden vertraut zu sein und sie anwenden zu können. Beides widerlegen Sie in Ihrem am 31. Mai veröffentlichten Leserbrief auf geradezu groteske Weise. Sie tun so, als habe die Aufklärung nie stattgefunden und es gebe keine Naturwissenschaften.

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Doch zunächst frage ich Sie: Benutzen Sie ein Smartphone? Sind Sie mit seiner grundlegenden Funktionsweise vertraut? Wissen Sie, dass sich zwei Endgeräte nicht direkt verbinden können, sondern der vom Provider gestellten technischen Infrastruktur bedürfen, deren sichtbarstes Zeichen die Mobilfunkantennen sind?

Weiter: Es gibt keine 5G-„Strahlung“! Sie beabsichtigen wohl sehr bewusst die Assoziation mit ionisierender Strahlung, vorwiegend also Radioaktivität natürlicher, aber auch anthropogener Genese, die hier völlig fehl am Platz ist. Warnen Sie Ihre Patienten etwa vor der Anwendung von ebenfalls ionisierender Röntgenstrahlung, die Sie als Zahnärztin zu diagnostischen Zwecken und zur Durchführung bestimmter Behandlungen dringend benötigen und deren Unschädlichkeit zumindest bei der Applikation üblicher Dosen wissenschaftlich belegt ist?

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5G beschreibt dagegen einen neuen Mobilfunkstandard, der gegenüber sämtlichen Vorgängern eine wesentlich schnellere Datenübertragungsrate („Bandbreite“) bietet. Auch 5G-Mobilfunk bedient sich elektromagnetischer Wellen, deren Physik seit den Arbeiten Heinrich Hertzs und Guglielmo Marconis bestens bekannt ist.

Spätestens seit der Einführung des Rundfunks am 29. Oktober 1923 sind sie auch in Deutschland allgegenwärtig und grundsätzlich jedem zugänglich (Rundfunk, Fernsehen, Fernbedienungen, Bluetooth etc.) – und sie haben mit Röntgen- und anderer Strahlung nichts zu tun, schon alleine ihrer um viele Zehnerpotenzen größeren Wellenlänge wegen.

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Oftmals behauptete Schäden durch elektromagnetische Wellen üblicher und auch bei 5G beabsichtigter Feldstärken konnten bis heute nicht belastbar nachgewiesen werden. Zudem sind nicht die Antennen der Basisstationen die Ursache hoher Feldstärken beim Anwender, sondern das Endgerät, das Sie selbst nahe am Körper tragen! Dieses wiederum muss umso leistungsstärker senden, je weniger leistungsfähig und/oder je weiter entfernt die nächste Basisstation ist.

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Es sollte sich obendrein bis zum letzten Unwissenden in Hintertupfingen herumgesprochen haben, dass die vom Endgerät zur Übertragung einer bestimmten Datenmenge eingesetzte Sendeenergie zudem umso kleiner ist, je kürzer es dafür benötigt, also je größer die Bandbreite des Mobilfunkstandards ist.

Jeder, der ein Mobiltelefon benutzt oder dessen Fahrzeug zum Beispiel zum autonomen Fahren oder zur Navigation auf Vernetzung angewiesen ist, und der des Denkens mächtig ist, muss folglich ein verstärktes Interesse an einem Mobilfunkstandard mit hoher Datenrate, wie sie 5G nun einmal bietet, und an einer möglichst dichten Versorgung mit Basisstationen haben.

Abschließend habe ich noch nie einen dermaßen hinkenden Vergleich erlebt wie Ihre Gegenüberstellung von 5G vs. Glasfaserkabel. Wie lange soll Ihrer Meinung nach die Glasfaser denn sein, mit der Ihr Smartphone an seine Infrastruktur angeschlossen ist?

Sehr zutreffend ist dagegen der von Ihnen angeführte und belächelte Vergleich mit der Warnung vor den Gefahren der Eisenbahn. Ist seit 1835 jemand direkt zu Schaden gekommen durch die atemberaubende Geschwindigkeit von gut 30 km/h, mit der seinerzeit der „Adler“ zwischen Nürnberg und Fürth dampfte?

Alles in allem entlarvt Ihre Zuschrift – wieder einmal – gnadenlos, dass nicht Information, sondern Agitation zu Gunsten der kruden Ideologie Ihrer Partei Ihre Absicht ist. Agitprop nennt man das ja wohl, um Unbedarfte dem Karren Ihrer Partei vorzuspannen, nicht wahr? Sie sollten sich schämen, insbesondere ob Ihrer offen zur Schau getragenen naturwissenschaftlichen Ignoranz!

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