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80. Geburtstag - Engagierter Pädagoge und Künstler mit „Dickem Fell“ / H. Bernd Schepermann feiert heute

H. Bernd Schepermann findet: „Ohne Malen geht’s nicht”

Er hört es häufig: Immer wieder wird H. Bernd Schepermann mit „Hallo Maler!“ von ehemaligen Kursteilnehmern gegrüßt. Als Kinder und Jugendliche fanden sie in seinem Kinderatelier unARTig den Einstieg zur Kunst.

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Auch mit 80 noch künstlerisch aktiv: H. Bernd Schepermann in seinem „Privat-Atelier“ in seiner Wohnung. © Hans-Peter Kuhnhäuser

Bad Mergentheim. In der Ukraine ist Krieg, und H. Bernd Schepermann weiß noch, wie das ist. Geboren am 27. April 1942 in Stuttgart, hat er den großen Angriff 1944 mit seiner Mutter im Keller überlebt. Der Vater war Soldat, Mutter und Sohn verließen die Trümmerwüste und zogen nach Miltenberg.

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Die Familie hatte Glück, denn der Vater kam frühzeitig aus der US-Gefangenschaft nach Hause. „In Miltenberg bin ich dann aufgewachsen und habe auch das Abitur gemacht“, erzählt Schepermann. Danach wurde er wurde in Schwäbisch Gmünd zum Grund- und Hauptschullehrer. „Wir waren damals noch Allroundlehrer, wir unterrichteten noch alles“, erinnert er sich.

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Seine erste Stelle trat er 1965 in Igersheim an, wo er bis 1968 blieb. Danach qualifizierte er sich in Stuttgart an der Berufspädagogischen Hochschule weiter zum Berufsschullehrer. „Ich unterrichtete dann Auszubildende aller Nahrungsberufe und Verkäufer.“ Bis 1974 war er gleichzeitig in Stuttgart und Bad Mergentheim tätig. Dann ließ er sich beurlauben und studierte in Stuttgart Politik- und Wirtschaftswissenschaften, kehrte nach dem Diplom („in beiden Fächern!“) als Oberstudienrat nach Bad Mergentheim zurück, wo er an der Gewerbeschule schließlich zum Studiendirektor befördert wurde und als stellvertretender Schulleiter wirkte. 1986 wechselte er zur Haus- und Landwirtschaftlichen Schule, ging 1992 nach Esslingen, wo er Schulleiter der Beruflichen Schulen mit ernährungswissenschaftlichem Gymnasium wurde.

„Zu viel gearbeitet“

1998 kehrte er beruflich ins Taubertal zurück und pendelte täglich nach Wertheim, wo er als Schulleiter des Beruflichen Schulzentrums wirkte. „Das war damals die größte Bildungseinrichtung des Landkreises“, sagt Schepermann. 2001 schließlich wurde er „aus gesundheitlichen Gründen“ pensioniert – „im Nachhinein gesehen habe ich zu viel gearbeitet“, erklärt der „leidenschaftliche“ Pädagoge. Leidenschaftlich deshalb, weil für ihn nicht nur die blanke Wissensvermittlung wichtig war, sondern „die Förderung meiner Schüler“ stets im Vordergrund stand. Und zur Förderung „gehörte für mich immer auch die Kunst“. Ein Feld, das er schon auf der Pädagogischen Hochschule als Hauptfach belegte. „Die Kunst, die Malerei, das hat mich durch mein gesamtes Lehrerleben begleitet.“ Und neben dem Engagement als Lehrer und Direktor nahm er weitere Aufgaben an, etwa in seiner Esslinger Zeit als Vorsitzender der Landes-Arbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft. Nach der Pensionierung sollte die Kunst ein neuer großer Schwerpunkt werden – und sie ist es noch heute. „Ein Leben ohne Malen konnte und kann ich mir nicht vorstellen“, betont Schepermann. Mehr noch, denn auch als Pensionär wollte er pädagogisch und künstlerisch wirken. Wie das geht? „Mit dem Atelier unARTig“, das 2003 eröffnet wurde.

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2006 zog das Atelier um in die Wachbacher Straße – „da war doppelt so viel Platz, das war ein Segen“. Zahlreiche Projekte folgten, darunter auch mit Schulen in Bad Mergentheim, Boxberg-Unterschüpf und Krautheim, ebenso wie die Gründung des Vereins „Junge Kultur unARTig“. Die Beteiligung beim städtischen Ferienprogramm, der TriARTlon oder auch „das längste Gemälde im Taubertal“, das im Schlosshof viele spontane Malerinnen und Maler zum Mitmachen animierte, machten deutlich, dass Kunst alles andere als elitär ist. „Mir war immer wichtig, dass alle Kinder den Kontakt zur Kunst finden können, egal, aus welchem Elternhaus und egal, ob sie eine Beeinträchtigung oder Behinderung haben.“ Beides wurde mit „günstigen Unkostenbeiträgen“ und Sponsoren ermöglicht, zudem mit „pädagogischem Herzblut“ und dem „großartigen“ Engagement zahlreicher Hobbykünstler und Mitmacher, die auch bei vielen (Kunst-)Projekten mitwirkten. Ausstellungen gehörten für Schepermann natürlich auch dazu. Und er war stets flexibel in Sachen Stil, malerischen Ausdrucksformen und dem Einsatz neuer Materialien.

„Immer Spaß gemacht“

„Es hat mir immer Spaß gemacht“, betont der Jubilar. Und wer ihn erlebt hat, zusammen oder auch mit seinen Schützlingen, kann das bestätigen. Auch der Verein „Junge Kultur unARTig“ ist Zeuge seines Engagements. Dazu leitete er von 2010 bis 2016 den Kulturverein – damals noch ohne die Studiobühne, die mittlerweile unter dem Dach des Vereins arbeitet. Und noch etwas ist bemerkenswert: Sein unermüdliches Schaffen, sein soziales Engagement für Kinder und Jugendliche im Sinne der Kunst, blieb nicht verborgen. Die „Lustigen Gesellen“ zeichneten H. Bernd Schepermann 2013 mit dem Orden vom „Dicken Fell“ aus – eine Eigenschaft, die er zweifellos besitzt, was seine jahrzehntelanges Engagement beweist.

Das Atelier in der Wachbacher Straße ist Vergangenheit, heute nutzt der passionierte Maler einen Raum seiner Wohnung. „Ohne Malen geht’s nicht!“, sagt Schepermann.

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