Kleinkunstsaison im Kulturforum - Kabarett mit Henning Schmidtke beleuchtet mit viel Humor das „Egoland“ „Gene haben einen Plan, von dem du nichts weißt“

Von 
Peter D. Wagner
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Bad Mergentheim. Mit Henning Schmidtke und seinem Programm „Egoland“ startete die Kleinkunstsaison der Stadt Bad Mergentheim im Kulturforum ins neue Jahr.

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Schmidtke erlangte einen größeren Bekanntheitsgrad durch Gastspiele in kabarettistischen und satirischen Fernseh- oder Radioshows wie zum Beispiel in „Nightwash“ (WDR), „Kabarett aus Franken“ (BR), „Spätschicht“ (SWR) und „Berlin Politix“ (ZDF info).

In „Egoland“ ging Henning Schmidtke zahlreichen Fragen, Aspekten und Bereichen von Egoismen im Alltag oder sonstigen Leben nach – oder auch dem Gegenteil, nämlich eines Altruismus. So etwa gleich zu Beginn, indem er das Publikum bei einigen bekannten Hits mitsingen ließ, denn Singen stärke sowohl das Ego als auch den Gemeinschaftssinn. „Haben Sie sich mal gefragt, wer Ihr Ego überhaupt ist? Sie beide sollten sich mal genauer kennenlernen. Denn die Gene haben einen Plan, von dem du nichts weißt“, gab er zu bedenken. Wenn jeder an wen anders denke, sei an alle gedacht. Doch viel zu viele Mensch sagen, wenn jeder an sich denke, sei vermeintlich auch an alle gedacht. Vor allem setzen immer mehr Menschen die Ellenbogen ein und werden Meister des Egoismus.

Dieter Bohlen hätte bei „Deutschland sucht den Superstar“ womöglich kein gutes Haar an so manchen Größen und Ikonen aus Pop und Rock wie etwa Rod Steward, Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer oder Marius Müller-Westernhagen gelassen, wenn diese sich als noch unbekannte Sänger bei einem Casting vorgestellt hätten.

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Schade, dass überall der Egoismus gefördert werde, bedauerte Schmidtke, der im Verlauf des Abends viele weitere Exempel aufzeigte. Dazu zählte zum Beispiel auch das Konsumverhalten. Der Preis bestimme die Nachfrage und das Bedürfnis, so dass die Deutschen immer mehr zum Sparen erzogen worden seien. „Qualität kann zu diesen Billigpreisen wie bei Textilien nicht erzeugt werden, zudem werden Menschen bei der Produktion ausgebeutet, insofern ist es Egoismus, solche Waren zu kaufen“, stellte Schmidtke klar.

Obsoleszenz, sprich die in seiner Herstellungsweise, seinen Materialien oder Ähnlichem angelegte frühzeitig Alterung oder Unbrauchbarkeit eines Produkts, Machtspiele mit der Lichthupe auf der linken Autobahnspur – es gibt noch viele andere Beispiele für „Egoland“. Dabei sei der Mensch nicht von Haus aus automatisch egoistisch, sondern die Sache stelle sich komplexer dar. Ein „Ich“ entstehe nur in Kommunikation mit anderen „Ichs“, folgerte er. Länder könnten große Probleme nur gemeinsam lösen, dies gelte gleichsam für die Menschen bei Kleinigkeiten im Alltag. Dadurch entstünden „Win-Win-Situationen“, die den Alltag prägen würden. Beispielsweise könne der superreiche Nachbar sich wieder um seine drei Kinder kümmern – nämlich bei Freigängen, nachdem Schmidtke ihn beim Finanzamt „angeschwärzt“ habe.

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In seinem Programm wechselte der sympathische Kabarettist zwischen Liedern in der Art beschwingten Musikkabaretts und ausgiebigen Wortbeiträgen des traditionellen Kabaretts bis hin zur Standup-Comedy. Mit einem kräftigen Schlussapplaus bedankte sich das Publikum.