Bürgerforum „Stadtbild“

Geleitstein markierte wichtige Grenze

Serie „Mergentheimer Steine erzählen“ (Folge 14)

Von 
Wolfram Klingert
Lesedauer: 

Löffelstelzen. Die Gemarkung Löffelstelzen ist sehr reich an Bildstöcken. In der Liste der Kulturdenkmale sind siebzehn aufgeführt. Rein nach der äußeren Form könnte man einen achtzehnten dazuzählen.

Er steht an der Straße von Edelfingen zur Radarstation, direkt an der Abzweigung nach Löffelstelzen. Im Unterschied zu den der Volksfrömmigkeit entspringenden Bildstöcken handelt es sich bei ihm um ein früheres Hoheitszeichen, einen Geleitstein. Ab dem 13. Jahrhundert nahm der Fernhandel zu. Die Städte wuchsen schnell an. Kaufleute transportierten ihre Waren zu den dort stattfindenden Messen.

Der Löffelstelzer Geleitstein vor seiner Versetzung. © Bernhard Sprotte

Für unsere Region war der Fernhandel zwischen Nürnberg und Frankfurt von Bedeutung. Bernhard Sprotte zeichnet in seinem 1975 erschienenen Büchlein „Geleit im Tauberland“ die Hauptroute nach. Sie führte von Aub kommend über Simmringen, Grünsfeld nach (Tauber)Bischofsheim und weiter an den Main bei Miltenberg.

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Die Kaufleute stellten Züge mit bis zu 50 Wagen zusammen. Der Landesherr, durch dessen Gebiet sie reisten, garantierte ihnen den Schutz vor Raubüberfällen, gegen Zahlung für das „Geleit“. Er beauftragte bewaffnete Reisige, dem Troß beiseite zu stehen. Wurde er dennoch überfallen, war der Geleitgeber verpflichtet, Schadensersatz zu leisten.

Außerdem war der Geleitherr verpflichtet, die Wege in einem ordentlichen Zustand zu halten. Die ansässige Dorfbevölkerung leistete diese Arbeiten im Frondienst. Die Geleitrechte, im Grunde garantierten sie Schutzgeldzahlungen durch die Kaufleute, waren sehr lukrativ und begehrt.

Der Geleitstein in Löffelstelzen markierte die Grenze zwischen den Geleitherren, dem Fürstbistum Würzburg und dem Deutschen Orden. Er steht an der ehemaligen Verbindung von Würzburg über Ösfeld ins mittlere Taubertal. Er wurde 1593 errichtet. Darüber geben sowohl die Jahreszahl am Pfeiler des Steines als auch eine Vertragsurkunde im Staatsarchiv Ludwigsburg Auskunft. Leider steht der Stein nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Mit einem feierlichen Akt wurde das Denkmal im Mai 2010 feierlich eingesegnet. Daraufhin meldete sich der frühere, inzwischen verstorbene Ortsvorsteher Hans Blank in einem Leserbrief zu Wort.

Er kritisierte, „dass der Geleitstein nicht mehr an seinen ursprünglichen historisch belegten Standort zurückversetzt wurde, obwohl dies im Rahmen der Flurneuordnung durchaus möglich gewesen wäre“. Er hoffte, dass diese Fehlentscheidung von späteren Generationen korrigiert werde. Man fühlt sich an die aktuelle Diskussion um die „Verschiebung“ des Kiliansbrunnens erinnert. Der Geleitstein ist aus Sandstein gefertigt und sitzt auf einen Muschelkalkpfeiler. So wie bereits in der Urkunde von 1593 festgeschrieben, ist das „Bildseul mit einem Crucifix uf der einen und der anderen seiten unserer Lieben Frauen Bildtnuß“ geschmückt.