Vernissage - Amnesty International Bad Mergentheim eröffnet Ausstellung im Igersheimer Bürgerhaus Gegen Vergessen des Unrechts kämpfen

Von 
Simon Retzbach
Lesedauer: 

Amnesty International zeigt zurzeit im Igersheimer Bürgerhaus eine Ausstellung über die schwierige Lebenssituation der Roma.

© Simon Retzbach

Sie werden auch heute noch vertrieben, ihr Eigentum, ihre Häuser samt Hab und Gut zerstört. Sie leben mitten in Europa, und der Umgang einiger Länder mit ihnen gleicht einer Entmenschlichung.

AdUnit urban-intext1

Igersheim/Bad Mergentheim. Mit einer Ausstellung im Igersheimer Bürgerhaus macht Amnesty International auf die Situation der "Roma" aufmerksam. So will die Menschenrechtsorganisation das Schicksal dieser Bevölkerungsgruppe und das geschehene Unrecht transparent machen. Denn Menschenrechte, auf die sich eigentlich jeder berufen kann, scheinen für sie nicht zu gelten.

Dieser Eindruck entsteht, wenn man die Ausstellung betrachtet. Oft werden Angehörige dieser Gruppe Opfer von illegalen Zwangsräumungen, müssen ihr Zuhause hastig verlassen, um in Baracken oder behelfsmäßigen Unterkünften unterzukommen. Bei diesen Räumungen wird das Recht auf Wohnen verletzt, eines der 30 Menschenrechte, die für jeden Menschen weltweit gelten sollen. Die Amnesty-Wanderausstellung ist zwei Wochen lang im Igersheimer Bürgerhaus zu sehen. Am Freitag wurde sie in feierlichem Rahmen eröffnet.

Zu Beginn machte Musiker und Liedermacher Ralf Klenk darauf aufmerksam, wie hart und kaltherzig die Gesellschaft manchmal sei. Stefan Kneifl, Sprecher der Bad Mergentheimer Amnesty International Gruppe, schilderte die komplizierte Situation der Roma. Sie hätten praktisch keine Möglichkeit, offizielle Dokumente zu erhalten, die ihnen juristisch helfen würden. So würden viele Länder die Roma ihrem Schicksal überlassen.

AdUnit urban-intext2

Roma-Kinder würden oft systematisch ausgegrenzt, erhielten Schulbildung entweder nur in separaten "Roma-Klassen" oder in Schulen für geistig Behinderte. Ziel von Amnesty International sei es, den Roma ein Gefühl der Unterstützung zu geben. "Die, die sich wehren, sollen wissen, dass sie nicht alleine sind", so Kneifl. Amnesty werde Unrecht auch dann noch verfolgen und sich für die Menschen einsetzen, wenn es keine mediale Aufmerksamkeit mehr gebe und die Fälle aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwänden, versprach Kneifl.

Der Bad Mergentheimer Ortsverein habe sich bewusst dafür entschieden, eine Ausstellung zu holen, die die schwierige Lebenssituation der Roma dokumentiere, da die Bevölkerung viel zu wenig über die Problematik wisse. Der Igersheimer Bürgermeister Frank Menikheim sprach davon, dass zurzeit weltweit circa 65 Millionen Menschen auf der Flucht seien. Vielfältige Ursachen sorgten dafür, dass Menschen ihre Heimat aufgeben müssten, um an einem völlig fremden Ort einen Neubeginn zu starten. Es gebe in der Welt zahlreiche Problemherde, bei denen "Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung" seien.

AdUnit urban-intext3

Die Roma hätten eine lange Leidensgeschichte, aber kaum Aufmerksamkeit, so Menikheim weiter. Er regte an, die Ausstellung auch dafür zu nutzen, um die Augen für die eigene Situation zu öffnen und die eigenen Probleme zu relativieren. Roma kämpften oft mit einem lebensfeindlichen Umfeld. "Da sieht man, dass es uns in Deutschland eigentlich sehr gut geht", so der Bürgermeister.

AdUnit urban-intext4

Nach einem weiteren Musikstück von Ralf Klenk hatten die Besucher die Gelegenheit, die Ausstellung zu begutachten und verschiedene Quellen zu nutzen, um sich über die Situation der ethnischen Minderheit in Europa zu informieren.