Steingärten - Vor allem bei Neubauten im Trend / Nur vermeintlich pflegeleicht / Nachteile für die Artenvielfalt Für Insekten komplett uninteressant

Von 
Simon Retzbach
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Steingärten sind vermeintlich pflegeleichter und erfreuen sich bei neueren Häusern großer Beliebtheit. Für die Artenvielfalt sind sie aber schädlich. © Simon Retzbach

Angeblich sind sie pflegeleichter – in puncto Artenvielfalt aber auf alle Fälle schädlich. Mittlerweile werden die Steingärten sogar verboten.

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Bad Mergentheim/Main-Tauber-Kreis. Umweltschutz ist derzeit wohl eines der am intensivsten diskutierten Themen. Der Überbegriff beinhaltet – im Vergleich zum Klimaschutz – zahlreiche weitere Aspekte und Maßnahmen, die für ein intaktes Ökosystems relevant sind – etwa der Erhalt der Artenvielfalt. In Deutschland schließt sich in diesem Zusammenhang seit einer Weile ein weiteres Thema an: Die Schotter- beziehungsweise Steingärten. Wie sehen die regionalen Stadt- und Gemeindeverwaltungen solche Steingärten, sind Maßnahmen gegen diese Gestaltungsform geplant? Wir fragten nach.

Biodiversität im Blick

In Bad Mergentheim hat man das Thema Biodiversität durchaus im Blick und beobachtet in diesem Zuge auch mögliche Entwicklungen im Gartenbau, erklärt der stellvertretende Pressesprecher Georgio Ebert. Bislang gebe es bezüglich Steingärten keine konkreten Maßnahmen, es sei jedoch für die Zukunft bei Neubauten ein Verweis auf die Landesbauordnung geplant, der ein klares Gebot zur Bepflanzung nicht versiegelter Flächen beinhalte. Damit habe die Stadt rechtliche Handhabe, Steingärten zukünftig weitgehend auszuschließen, so der stellvertretende Pressesprecher weiter.

Auch in Weikersheim geht man diesen Weg, erklärt Silvia Thomas vom Bauamt. Für das neue Baugebiet im Planetenweg wird im Rahmen der Baugenehmigung ein Merkblatt zur Gartengestaltung angehängt, welches auf das Gebot zur Begrünung der entsprechenden Flächen hinweist. Dennoch sieht man im Bauamt Klärungsbedarf, wer im Falle eines Verstoßes für entsprechende Ahndung zuständig sei. Die Stadt könne das aus Personalgründen nur schwerlich leisten, gibt man weiter Auskunft.

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In Igersheim ist das Thema durchaus bekannt, jedoch sieht die Gemeinde hier keinen weiteren Handlungsbedarf, so Verena Hofmann vom Bauamt. Der entsprechende Passus der Bauordnung schließe eine solche Versiegelung, wie sie durch Steingärten geschehe, aus und verbiete diese Form der Gartengestaltung damit bereits, ist von verantwortlicher Stelle zu erfahren. Dass trotz dieses Verbots Steingärten im Kirchberg entstanden sind, nehme man zur Kenntnis, für eine etwaige Umsetzung solcher Verbote sei jedoch das Landratsamt zuständig.

Abgesehen von rechtlichen Aspekten sei von solchen Gärten auch aus anderen Gründen abzuraten: „Die Annahme, ein solcher Garten sei pflegeleicht und mit deutlich weniger Aufwand verbunden als ein herkömmlich bepflanzter Garten, ist ein Trugschluss“, so die Stellungnahme des Bauamts weiter.

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In Niederstetten spielen diese Bebauungsformen bislang keine große Rolle. Sebastian Mayer, zuständig für Baurecht der Stadt, gibt an, dass es bislang kein Verbot oder sonstige Einschränkungen für solche Steingärten gebe und diesbezüglich auch nichts in Planung sei. Ohnehin sehe man diese Gärten bislang nicht, es sei kein Fall solcher Gartengestaltung im Rathaus bekannt.

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Dieselbe Antwort gibt es in Creglingen: Es sei keinerlei Verbot oder Einschränkung vorhanden und auch in Zukunft nicht geplant, ist von Bau- und Ordnungsamt zu erfahren.

Vom Landratsamt ist zu erfahren, dass solche Einschränkungen grundsätzlich den jeweiligen Kommunen unterliegen, die entsprechende Verordnungen in Anlehnung an den Paragrafen 9 aus der Landesbauverordnung selbstständig formulieren können. Dieser besagt, dass die nicht bebauten Flächen eines Grundstücks Grünflächen sein müssen. Jedoch kommt das Wirtschaftsministerium, auch zuständig für die Landesbauordnung, zu einem anderen Schluss als der Landesnaturschutzverband, der ein klares Verbot durch den entsprechenden Paragrafen gerechtfertigt sieht. Es sei letztlich im Einzelfall zu prüfen, ob ein solcher Garten zulässig sei, gab eine Sprecherin des Ministeriums an. Eine grundsätzliche Unzulässigkeit lasse sich allein aus den Vorgaben des Landes nicht eindeutig ableiten.

Eine Überprüfung bezüglich der Schaffung vorgeschriebener Grünflächen jedenfalls findet durch das Landratsamt nur im Baugenehmigungsverfahren statt, so Pressereferent Markus Moll.

Zum Hintergrund: Einer der dominanten Aspekte des Umweltschutzes umfasst eine intakte Tierwelt, insbesondere Insekten, die für den Fortbestand der Menschheit von zentraler Bedeutung sind. Als Bestäuber von (Nutz-)Pflanzen sind sie für intakte Nahrungsketten hauptsächlich verantwortlich und spielen auch bei der Fruchtbarkeit von Böden und der Ernährung anderer Tiere eine Rolle. In diesem Kontext ist auch ein neuer Trend beim Hausbau in den Blick der Gesetzgeber gerückt: Stein- oder Schottergärten, die sich durch großflächige Gestaltung der Gartenflächen hauptsächlich oder sogar ausschließlich durch Steine oder Schotter auszeichnen, sind zunehmend ein Ärgernis in den Augen kommunaler und städtischer Entscheidungsträger. So stand kürzlich die Stadt Heilbronn im Zentrum bundesweiter Berichterstattung, als sie mit einem expliziten Verbot von Schottergärten in Neubaugebieten für Aufmerksamkeit und Diskussionen sorgte.

Den steinreichen Gärten wird vorgeworfen, eine schlechte Umgebung für Insekten darzustellen. Oft werden solche Gärten ausgebaggert, entsprechend abgedichtet und mit Schotter aufgefüllt, so dass es Pflanzen unmöglich ist, dort zu wurzeln. Diese Versiegelung des Bodens mache diesen biologisch tot und für Insekten ähnlich uninteressant wie beispielsweise einen Parkplatz, erklärt Gerhard Bronner, Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg, in einer Stellungnahme an die Südwest Presse.