Jagd - Die Kreisjägervereinigung hat einen neuen Schießstand / Komplett neue Infrastruktur / Hohe Eigenleistung senkt die Kosten Für den sicheren Umgang mit der Waffe

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Schießobmann Achim Haug beim „Einschießen“ einer doppelläufigen Kugelbüchse; die Waffe liegt dazu im so genannten Schießbock. Rechts der Monitor, der die Treffpunktlage anzeigt. © Hans-Peter Kuhnhäuser

Wer jagen will, muss schießen können. Doch der Umgang mit Pulver und Blei will geübt sein. Mit ihrem neuen Schießstand bietet die Kreis-Jägervereinigung die Gelegenheit zum Training.

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Bad Mergentheim. Ob (Kugel-)Büchse oder Schrotflinte, ob aufgelegt, angestrichen oder freihändig – richtig schießen und damit auch treffen bedarf ständiger Übung. Da liegt es nahe, wenn die Jäger einen eigenen Schießstand haben.

Die Kreis-Jägervereinigung (KJV) Bad Mergentheim gehört zu den wenigen KJVs im Land, die über eine solche Einrichtung verfügen. Doch in den vergangenen zwei Jahren war der Schießstand nicht nutzbar. „Wir haben umgebaut, auch wegen der neuen, bleifreien Munition“, erklärt Kreisjägermeister Hariolf Scherer. Am 13. September wird im „Schüpferloch“ eingeweiht.

Wie so oft, wenn investiert wird, kam Eines zum Anderen. „Eigentlich wollten wir ja nur unseren Schießstand erneuern. Und dann haben wir auch die Wasser- und Abwasser-anschlüsse, Strom und Internet neu gemacht.“

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Die Jägervereinigung kann stolz sein, denn „wir haben jetzt eine neue Infrastruktur im und unter dem Jägerhaus, wir sind technisch auf neuestem Stand“, freut sich Hariolf Scherer.

Letzte Feinarbeiten

Beim Besuch des FN-Reporters wird noch immer gearbeitet – „Feinarbeiten“, sagt Torsten Nörr, der ebenso wie Schießobmann Achim Haug, Martin und Sebastian Michelberger und viele andere zwei Jahre lang nach Feierabend und an Wochenenden unermüdlich am Werk war.

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„Ohne die vielen Eigenleistungen hätten wir das nicht stemmen können“, betont dann auch der stellvertretende Kreisjägermeister Florian Dietzel. Es sei schon ein Glück, „so viele engagierte Mitglieder und Handwerker in unseren Reihen zu haben“, sagt Scherer.

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Und die beiden Vorsitzenden machen auch deutlich, dass man den Sponsoren danke – auch die „haben mitgeholfen; ohne Geld geht es ja nicht“. Natürlich habe es auch Zuschüsse vom Regierungspräsidium und dem Landkreis gegeben – finanziert aus der Jagdabgabe, also ursprünglich von den Jägern.

Das Projekt „neuer Schießstand“ beschäftigte die Verantwortlichen der KJV schon länger, aber „wir wollten es endlich angehen“.

Ein gewisser Zeitdruck machte die Entscheidung leichter, denn der technische Wandel macht auch vor der Jagd nicht halt. Scherer nennt als Stichwort „bleifreie Munition“. Weil die Kugeln beim Aufprall – nicht nur auf und im Wildkörper – sich anderes verhalten bzw. aufpilzen und zerlegen als die alte (Blei-)Munition, mussten auch die „Schutzvorrichtungen“, also die technische Ausstattung bzw. Ausführung der Blenden des Schießstands, angepasst werden. „Der Auflagenkatalog ist 58 Seiten stark“, erläutern die Jäger. Zahlreiche Auflagen Also wurde eifrig überlegt und gebaut. „Wenn – aus welchen Gründen auch immer – daneben geschossen wird, kann nichts passieren“, betonen die Verantwortlichen. Nicht nur dicke Holzbretter und mehrere Millimeter starker Panzerstahl, auch ausgediente Leitplanken halten alle „Fahrkarten“ ab. Jagdliches Schießen wird anders betrieben als der Schießsport. Im Gegensatz zu den Sportschützen können die Jäger nämlich „anstreichen“ und „auflegen“. Mit der Kipphasen-Anlage – die Schussentfernung mit Schrot beträgt 40 Meter, die Waffe wird frei gehalten – wird die Treffsicherheit mit der Schrotflinte geübt.

Die großkalibrige Kugelbüchse nutzen die Jäger beispielsweise für die Jagd auf Reh- und Schwarzwild. 100 Meter beträgt die Distanz auf die Rehbock-Scheibe, und hierbei kann der Schütze die Waffe auflegen oder „anstreichen“ – eine Latte auf dem Hochsitz oder der Kanzel, bei der Pirsch auch ein Stock, ein Ast oder ein junger Baum können dafür genutzt werden.

Und schließlich gibt es auch noch den „laufenden Keiler“. Damit wird das Schießen bei Bewegungsjagden geübt. Hier ist das sich bewegende Ziel, eine Keilerscheibe, 60 Meter entfernt, die Waffe muss frei gehalten werden

Neu ist auch die Trefferkontrolle. „Wir müssen die Scheibe nicht mehr heranholen, die Auswertung wird mit einem Blick auf den Monitor gemacht.“ Die nötigen Daten liefern Sensoren, die schusssicher unterhalb des Ziels angebracht sind. Beim (blechernen) Kipphasen ist das nicht nötig; der kippt, wie der Name sagt, ja um, wenn er getroffen wird. „Schießen muss man immer wieder trainieren“, sagt Scherer. Und deshalb ist ein vereinseigener Schießstand auch wichtig, denn „unsere Mitglieder können regelmäßig hierherkommen“. Auch nicht organisierte Jäger dürfen die Anlage nutzen, müssen aber eine höhere Gebühr entrichten. „Einfach kommen und schießen ist nicht. Die Anlage ist nur offen, wenn auch eine Schießaufsicht da ist.“ Auch hier sind entsprechend qualifizierte Mitglieder der KJV aktiv. Die Anlage selbst ist bereits freigegeben, offiziell wird sie aber erst am Sonntag eingeweiht. Und so durfte auch der waffenunkundige FN-Reporter einmal den Finger krumm machen: 9,5 Ringe zeigte der Monitor an. Den angebotenen zweiten Schuss lehnte der Reporter ab, denn er könne, wer er sagte, „nur schlechter werden“.

Immer wieder üben

Den sicheren Umgang mit der Waffe und das Schießen an sich lernen die Jäger bereits im Kurs für die Jägerprüfung. „Es reicht aber nicht, das nur gelernt und die Kenntnis bei der Prüfung gezeigt zu haben. Schießen muss man erstens lernen und zweitens immer wieder üben“, erläutert Dietzel.

Regelmäßiges Training ist also wichtig, zudem ist es auch für die Teilnahme an Bewegungsjagden vorgeschrieben - „der Nachweis ist vorzulegen. Und es ist davon auszugehen, dass das ganz generell kommen wird“, ergänzt Scherer.