Volkshochschule Bad Mergentheim - Kurs "Bier selber brauen" angeboten / Vielfältige Infos / "Riesengroße Spielwiese" erkundet Feierabendbier einfach selbst gemacht

Von 
Simon Retzbach
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Den anspruchsvollen Prozess durften die Teilnehmer in Gruppen selbst durchführen, dabei war gute Kommunikation erforderlich.

© Retzbach

Mit Begeisterung gingen die Kursteilnehmer zu Werke. Immer das klare Ziel vor Augen: das selbst gebraute Feierabendbier. Ein bisschen Vorarbeit ist dafür allerdings nötig.

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Bad Mergentheim/Igersheim. Bier ist in Deutschland ein Kultgetränk. Fragt man im Ausland nach etwas typisch Deutschem, so kommt den Meisten neben Sauerkraut und Lederhose sofort Bier in den Sinn. Bilder vom Oktoberfest, bei dem große Mengen des Gerstensaftes aus den traditionellen Maßkrügen getrunken werden, sind weltweit bekannt und haben das Bild von Deutschland nachhaltig geprägt.

Acht Milliarden Liter

Das Statistische Bundesamt ermittelte, dass 2014 täglich deutschlandweit etwa 22 Millionen Liter, im gesamten Jahr gar acht Milliarden Liter konsumiert werden. Damit ist Bier das am häufigsten konsumierte alkoholische Getränk. Insgesamt sind nur Mineralwasser und Kaffee noch beliebter.

Das deutsche Reinheitsgebot ist den meisten Interessierten bekannt, ansonsten wissen viele über die Herstellung von Bier nur recht wenig.

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Die Möglichkeit, diese Wissenslücke zu füllen, gab es jetzt durch ein ganz besonderes Fortbildungsangebot der Volkshochschule Bad Mergentheim: Bier selber brauen!

Komplizierter Vorgang

In einer Kleingruppe traf man sich im Gebäude der Igersheimer Hauptschule, um den Prozess des Bierbrauens einmal näher zu beleuchten. Der Dozent, Dieter Gundel, ist zwar kein gelernter Brauer, aber er hat sich über die Jahre ein großes theoretisches und praktisches Wissen zum Thema selbst angeeignet.

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Brauen ist ein ziemlich komplizierter Vorgang, mehrere Schritte folgen aufeinander, um aus den wenigen Grundzutaten das bei vielen so beliebte Getränk zu machen.

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Gemeinsam mit dem Dozenten durchliefen die Teilnehmer an diesem Tag alle Stationen der Herstellung. Sie durften unter Anleitung des Dozenten selbst ran an den Kessel.

Beim Brauen ist genaues Arbeiten extrem wichtig. Für die verschiedenen Schritte müssen unterschiedliche Temperaturen exakt eingehalten werden, damit die benötigten chemischen Prozesse stattfinden können. So ähnelt das Brauen eher einem Versuch im Labor: Es werden Protokolle geführt, Temperaturen gemessen und Zeiten gestoppt. Die Teilnehmer, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden, arbeiteten hochkonzentriert und hatten dennoch sichtlich Spaß bei der Arbeit.

Hohe Präzision erforderlich

Teilweise hat die Flüssigkeit während der Herstellung recht wenig Ähnlichkeit mit dem angepeilten Endprodukt, auch der Geruch ist davon zunächst noch weit entfernt.

Es existieren allein 200 verschiedene Hopfenarten, die Möglichkeiten sind also vielfältig. Beim Bierbrauen gibt es viele Stellschrauben, mit denen man das Ergebnis stark beeinflussen kann. Farbe, Alkoholgehalt und Geschmack können nach den persönlichen Vorlieben selbst festgelegt werden.

Brauen sei "eine riesengroße Spielwiese", die man nach Belieben erkunden kann, so Gundel.

Die Kursteilnehmer haben überwiegend technische Berufe, interessieren sich für zahlreiche Details rund um die Materie. So hatten sie viele Fragen, die der Dozent allesamt ausführlich beantwortete. In der kleinen Gruppe herrschte schnell eine gute Stimmung, das gemeinsame Interesse sorgte für eine lockere und heitere Atmosphäre.

Manche Schritte sind durchaus langwierig, alleine das Hopfenkochen dauert 80 Minuten. Diese Pausen werden dazu genutzt, den Teilnehmern theoretisches Wissen zu vermitteln, so dass ein abwechslungsreiches Programm entsteht.

Gemeinsame Verkostung

Wie unterschiedlich die Ergebnisse sein können, zeigte Dieter Gundel mit mehreren selbst gebrauten Bieren. Bei einem gemeinsamen Mittagessen bot der Dozent mehrere zum Verkosten an. Süffig-leicht oder bitter-herb, eines sogar mit Honignote - die Bandbreite ist groß, so dass jeder Teilnehmer etwas für seinen persönlichen Geschmack fand und reihum nur zufriedenen Gesichter zu sehen waren.

Gundel erläuterte, dass Brauen an sich ein günstiges Hobby sei. Bereits mit einfachen Hausmitteln kann man viel erreichen, benötigtes Zubehör kann preiswert und unkompliziert erstanden werden. Einzig Zeit muss man ausreichend mitbringen, ein kompletter Brauprozess dauert circa sechs Stunden.

Die anschließende Gärung benötigt insgesamt zusätzlich knapp zwei Wochen. Das Bier lässt man nun wahlweise bei Zimmertemperatur oder im kühlen Keller stehen, es wird noch Hefe und Zucker zugegeben, um ein verzehrfertiges Produkt zu erhalten.

Und so gab der Dozent allen Teilnehmern sogar noch "Hausaufgaben" mit auf den Heimweg. Ein Eimer mit der Würze, wie man die Substanz vor der Gärung nennt, soll nun reifen, ehe die Hobbybrauer anschließend das von ihnen selbst hergestellte Ergebnis verkosten können.