Kommunalpolitik - Nach 35 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit ist mit Dr. Urban Lanig der dienstälteste Kreisrat aus dem Gremium ausgeschieden „Fehlzeiten kann man fast an einer Hand abzuzählen“

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Klaus T. Mende
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Markelsheim/Main-Tauber-Kreis. Nach 35 Jahren ist im Kreistag Main-Tauber jetzt eine Ära zu Ende gegangen. Mit Dr. Urban Lanig hat nämlich ein echter Dauerbrenner das Gremium verlassen.

Nach 35 Jahren Zugehörigkeit ist mit Dr. Urban Lanig der dienstälteste Kreisrat aus dem Gremium ausgeschieden. © Klaus T. Mende
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Mit dem 64-Jährigen geht einer der Stimmenkönige von der kommunalpolitischen Bühne – indem er jetzt konsequent einen Schlussstrich gezogen hat. „Auch wenn mir das Ganze wirklich nicht leicht gefallen ist und ich mich mit etwas Wehmut verabschiede“, gibt der Landarzt unumwunden zu – und viele mag diese Entscheidung vielleicht auch überrascht haben.

Dreieinhalb Dekaden lang wohnte er einigen hundert Kreistags- und Ausschusssitzungen bei – „meine Fehlzeiten sind fast an einer Hand abzuzählen“, lacht Urban Lanig, im Übrigen zusammen mit Alfred Beetz und Rainer Moritz dienstältestes Mitglied in der abgelaufenen Legislaturperiode.

Kein Duckmäuser

Nein, ein Duckmäuser sei er bestimmt nie gewesen, meint Lanig im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten – eher das Gegenteil sei in all den Jahren aus seiner Sicht der Fall gewesen. „Ich habe immer wieder den Mund aufgemacht und auch heikle Themen aufgegriffen“ – und bin dabei bisweilen auch mal angeeckt. Als ausgewiesener Sozial- und Gesundheitsexperte sei es ihm dabei allerdings stets um die Sache gegangen, die Belange der Bürger hätten bei seinem Tun immer im Fokus gestanden, versichert er. Er sei Kommunalpolitiker durch und durch gewesen. „Und ich werde auch in Zukunft meine Stimme erheben, wenn es erforderlich ist – auch bei unbequemen Themen“, lässt der Markelsheimer weiter wissen. Mit vielen Entscheidungen in der Bundespolitik sei er absolut nicht einverstanden und wolle sich deshalb auch weiterhin als Bundesdelegierter der CDU dort einbringen.

Teils an den Sorgen vorbei

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In der zurückliegenden Zeit habe er einen „Riss durch die Partei und die Gesellschaft“ ausmachen müssen, teilt Dr. Urban Lanig mit. Ihm komme es so vor, es zähle scheinbar für manchen Politiker und Bürger nicht mehr, dass die Würde des Menschen unantastbar sei. Die Politik gehe teilweise an den wirklichen Sorgen und Problemen der Bürger vorbei. „Ganz besonders liegen mir als Arzt die Unversehrtheit und der Schutz des Lebens am Herzen, ob geboren oder ungeboren, ob gesund oder behindert. Jeder Mensch, egal in welchem Stadium seines Lebens, hat ein Recht zu leben.“

Er sehe sich als „Anwalt der Schwachen“, der gerne mal mahnend seine Stimme erhebe, was jedoch nicht immer entsprechend aufgefasst werde. Der Begriff Verlässlichkeit habe für ihn stets einen hohen Stellenwert. „Ich bin immer zu meinem Wort gestanden, war auch stets dazu bereit, Kompromisse einzugehen.“

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Eigentlich sei er, so blickt Urban Lanig schmunzelnd zurück, „eher zufällig in der Kommunalpolitik gelandet“. Mit gerade mal 28 Lenzen sei er unter Regie von Albert Reuter als „Lückenfüller“ auf die Liste gekommen – und prompt als damals mit Abstand Jüngster in den Kreistag gewählt worden. „Ich war politisch schon immer sehr interessiert, allerdings weniger parteipolitisch.“

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35 Jahre im Kreistag, da sei es durchaus angebracht, Bilanz zu ziehen. Und die falle aus seiner Sicht recht positiv aus. „Denn wir haben einiges erreicht“, blickt der passionierte Mediziner aus Markelsheim zurück.

„Ich möchte betonen, dass in all den Jahren, in denen ich Kreisrat sein durfte, in unseren verschiedenen Gremien zum Teil hart diskutiert, gerungen und gekämpft wurde – aber dies immer mit gegenseitigem Respekt, gegenseitiger Achtung eines jeden Kreistagsmitglieds, gleich welcher Couleur, und unterschiedlicher Meinung. Dies hat uns fast in allen Fällen zu guten, vertretbaren und sachlich begründeten Beschlüssen für unsere Kreiseinwohner geführt.“

Wichtigste Errungenschaften

Zu den wichtigsten Errungenschaften seiner Amtszeit als Kreisrat zählt Dr. Urban Lanig unter anderem die Fusion von Kreiskrankenhaus Tauberbischofsheim und Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim, den Zusammenschluss der Sparkassen, den Erhalt der Taubertalbahn von Bad Mergentheim bis Crailsheim, die Fortschritte auf dem Gebiet der Digitalisierung, den Aufbau von Partnerschaften nach der Wende, den Erhalt von Kloster Bronnbach, die Entscheidungen beim Thema Migration sowie die Förderung von Behinderteneinrichtungen.

Wie sehr sich die Zeiten in all den Jahren geändert hätten, zeige zum Beispiel eindrucksvoll ein Zahlenvergleich: Habe der Sozialausschuss des Kreistags 1984 noch über ein Volumen von 2,9 Millionen D-Mark entschieden, sei dieser Betrag auf inzwischen mehr als 70 Millionen Euro angestiegen.

Sachlichkeit, Sachverstand und Erfahrung seien im Kreistag gebündelt worden und hätten neben Wertschätzung und Vertrauen der Kollegen entscheidend zu einer positiven Entwicklung im Main-Tauber-Kreis beigetragen.

„Die 35 Jahre Kommunalpolitik waren für mich mehr als nur ein Hobby und wurden von meiner Frau und meinen vier Kindern in vollem Umfang unterstützt“, zeigt sich der künftige Ex-Kreisrat dankbar im Gespräch mit unserer Zeitung. Infolge der zunehmenden Bürokratisierung, der steigenden Verwaltungsflut und wegen des Landärztemangels wolle er sich in Zukunft mehr Zeit für seine Patienten nehmen.

Redaktion Mitglied der Main-Tauber-Kreis-Redaktion mit Schwerpunkt Igersheim und Assamstadt