Leserbrief - Zur geplanten Eröffnung des Kreisimpfzentrums in Bad Mergentheim und vergeblichen Bemühungen um einen Termin Erschütternd und traurig, wie mit älteren Menschen umgegangen wird

Von 
Kirsten Behringer
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Obwohl es hinlänglich bekannt ist, dass der Impfstoff knapp ist, wird groß die verspätete Öffnung (22. anstatt 15. Januar) des KIZ Bad Mergentheim propagiert.

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Ab 8 Uhr am Dienstag, 19. Januar habe ich parallel telefonisch unter der 116117 und unter www.impfterminservice.de versucht, einen Impftermin für meine 84-jährige Mutter zu bekommen.

Online war kein Termin buchbar, telefonisch habe ich nach circa 20 ergebnislosen Versuchen so gegen 8.30 Uhr eine sehr nette Mitarbeiterin am Telefon gehabt, die mir bedauernd mitgeteilt hat, dass sie noch keine Impftermine im KIZ Bad Mergentheim vergeben könne, da die Vergabe noch nicht freigeschaltet sei und sie auch nicht wisse, wann dies erfolge. Ich solle es doch in ein bis zwei Stunden noch einmal versuchen oder am Nachmittag, oder morgen oder übermorgen … .

Parallel dazu habe ich immer wieder versucht, einen Termin online zu buchen – ohne Erfolg. Kurz vor 11 Uhr bin ich dann nochmals (nach circa weiteren 25 ergebnislosen Versuchen) telefonisch durchgekommen. Die Mitarbeiterin informierte mich, dass alle Termine im KIZ Bad Mergentheim vergeben seien – aufgrund der Knappheit des Impfstoffes – und sie auch nicht wisse, wann wieder Termine vergeben werden könnten … . Auf meine Nachfrage, wann die Termine denn freigeschaltet worden seien, meinte sie so circaeine Stunde vorher, also so gegen 10 Uhr. Natürlich kommt das Ganze, nach all den Berichten, nicht überraschend, aber das macht die ganze Situation nicht besser! Ich denke diese Erfahrung werden heute viele gemacht haben.

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Nachdem die Politik – allen voran die Kanzlerin, Frau Angela Merkel, der Bayerische Ministerpräsident, Herr Markus Söder und Professor Karl Lauterbach ja nicht müde werden, zu betonen, dass in dieser Pandemie jeder Tag zählt und Herr Söder gerne jeden Tag eine andere „Sau durchs Dorf treibt“ – PPF2 Maskenpflicht für alle (wenn denn genug Masken vorhanden wären), Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Pflegeheimen (wo doch noch nicht einmal genug Impfstoff über alle über 80-Jährigen vorhanden ist), noch schärfere und noch tiefgreifendere Lockdownmaßnahmen, würde man es als Bürger begrüßen, wenn die Politik nicht dadurch von ihrem massiven Versagen bei der Impfstoffbeschaffung ablenken würde und den Worten einmal Taten folgen lassen würden. Tatsache ist doch, dass all die Impfwilligen über 80 Jahren über die nächsten Wochen, eventuell Monate nicht geimpft werden können. Und das alles, nachdem auch hier die Politik seit Monaten nicht müde wird zu betonen, dass Impfen der einzige Ausweg aus der Pandemie sei.

Außerdem muss man sich auch fragen, welche/r über 80-jährige Mitbürgerin/ Mitbürger in der Lage ist, eigenständig einen Impftermin online zu buchen oder telefonisch einen solchen zu vereinbaren. Nach den Erfahrungen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so gut wie keine/keiner.

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Es ist erschütternd und traurig, wie hier mit den älteren Menschen umgegangen wird. Sie werden allein gelassen und mit Ihnen ihre verzweifelten Angehörigen, die alles versuchen, einen Impftermin für die betagten Eltern zu vereinbaren.