Weinbaubezirk Kocher, Jagst und Tauber - Versammlung in Markelsheim / Wichtige Themen besprochen / Norbert Hirsch neuer Stellvertreter Erholung war nur von kurzer Dauer

Von 
Werner Palmert
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Fachgespräch: Die Weinbauern des Bezirks Kocher, Jagst und Tauber trafen sich in der Weingärtnergenossenschaft Markelsheim. Den Rückblick auf das Weinjahr 2018 gab Bezirksvorsitzender Michael Schmitt (links). In einer Podiumsdiskussion, die Weinkönigin Julia Böcklen moderierte, wurden die Mitglieder über verschiedene weinbaupolitische Themen informiert. © Werner Palmert

Der Weinbaubezirk Kocher, Jagst und Tauber hat ein außergewöhnliches Jahr hinter sich. Das wurde bei der Bezirksversammlung in Markelsheim deutlich.

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Markelsheim. Auf ein außergewöhnliches und bewegtes Weinjahr 2018 mit Höhen und Tiefen blickte der Vorsitzende des Weinbaubezirks Kocher, Jagst und Tauber, Michael Schmitt, in seiner Zusammenfassung zu Beginn der Bezirksversammlung im Saal der Weingärtnergenossenschaft Markelsheim.

„Es war ein langer Weg, ehe wir am Ende des Supersommers eine gute Ernte im Keller hatten“. Eine der Hauptbeschäftigungen der Taubertäler Wengerter war im Verlauf der Trockenperiode 2018 das Wasserfahren, denn nur dadurch kam das zufriedenstellende Leseergebnis zustande. Einschränkend fügte der Bezirksvorsitzende hinzu, dass es im Bereich Kocher und Jagst „nicht ganz so gut“ gelaufen sei. Zusammenfassend kam er zu der ernüchternden Feststellung: „Der Klimawandel hat uns voll im Griff. Frost, Hagel, Starkregen und Trockenperioden wechseln in unseren Rebenanlagen in schöner Regelmäßigkeit. Was das Jahr 2019 uns bringt, wissen wir alle nicht“. Sein Ratschlag an die Berufskollegen: mehr auf die Bodenbeschaffenheit achten und eventuell mit der Auswahl der Standorte auf die besonderen Eigenschaften der Rebsorten reagieren. Auch das Thema Erschließung neuer Wasserquellen sollte man immer im Auge behalten.

Ein weiteres Sorgenkind für den Bezirksvorsitzenden ist die Entwicklung am Weinmarkt. Die kurzfristige Erholung durch den „historisch kleinen Jahrgang 2017“ sei schon wieder Vergangenheit, denn neben sinkenden Verbrauchszahlen beobachte er auch einen ruinösen Wettbewerb im Einzelhandel. Als Beispiel führte Schmitt das Sonderangebot eines Discounters vom Wochenende an, in dem der Kundschaft eine Literflasche „Dornfelder“ für einen Euro angeboten werde. Das müsse zum Nachdenken anregen. Der Berufsstand sei hier zu einer Reaktion aufgerufen, denn es könne nicht angehen, dass mehr Wein produziert werde als die Vermarktungszahlen hergeben.

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Eine baldige und klare Entscheidung erwartet Schmitt auch beim Bezeichnungsrecht. Während die EU sich deutlich für eine Liberalisierung ausgesprochen habe, verharre der Deutsche Weinbau noch immer auf der Stelle und vertrete zu viele Einzelinteressen. Jetzt sei es an der Zeit, eine gemeinsame Linie zu finden, was für die Verbandsführung sicher nicht einfach werde.

Einzellösungen seien auf jeden Fall die schlechteste Variante. Anstatt des sonst üblichen Jahresberichtes wurde den Mitgliedern bei der Bezirksversammlung 2019 erstmals eine Podiumsdiskussion angeboten, die von der Württemberger Weinkönigin Julia Böcklen moderiert wurde.

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Weinbauverbandspräsident Hermann Hohl, Bezirksvorsitzender Michael Schmitt, Weinbauberater Roland Zipf, und je ein Vertreter der Flurbereinigungsbehörde und der Weinbauschule Weinsberg tauschten sich zu weinbaupolitischen Themen aus, die von der Verbesserung der Bewässerung der Weinberge, dem Anbau pilzresistenter Rebsorten über Zuschussmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Vorhaben und versicherungstechnischen Fragen, bis hin zur Verbesserung der Einkommenssituation der Weinbauern durch die Schaffung eines zweiten Standbeines reichten. Als eines der Hauptprobleme kristallisierte sich die Verbesserung der Wasserversorgung der Rebenanlagen heraus. Durch die neuen Regulierungen der Flusswasserentnahme werde sich diese Situation noch mehr verschärfen. Schnell wurde klar, wenn man hier Abhilfe schaffen will (Bau neuer Leitungen, Brunnen oder Rückhaltebecken) wird das nur mit einem enormen Kostenaufwand geschehen können. In der Diskussion wurde auch die Möglichkeit einer Mehrgefahrenversicherung zur Grundabsicherung gegen außergewöhnliche Naturereignisse für Weingärtner angesprochen, für die es in Zukunft eine staatliche Beihilfe geben könnte. Bezirksvorsitzender Schmitt bewertete diese Möglichkeit der Risikominimierung sehr positiv, die letzte Entscheidung müsse aber jeder Betriebsinhaber selbst treffen. Wie von Verbandspräsident Hermann Hohl dazu zu hören war, wollen sich Bund und Land mit je 25 Prozent an der Versicherungsprämie beteiligen.

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Im Verlauf der Podiumsdiskussion, die von den Mitgliedern mit großer Beteiligung angenommen wurde, stand auch die Frage über den künftigen Umgang mit dem Pflanzenschutz deutlich im Raum. Besonders in ortsrandnahen Rebenanlagen werden hier weitere Einschränkungen kommen.

In der Bezirksversammlung in Markelsheim wurden auch die Neuwahlen des Bezirksvorsitzenden und seines Stellvertreters durchgeführt. Vorsitzender bleibt Michael Schmitt, zu seinem Stellvertreter wählten die Mitglieder Norbert Hirsch aus Dörzbach.