Zweiter Weltkrieg - Zum Gedenken an den 1. April 1945 Ein Schicksalstag für Edelfingen

Von 
Werner Mies
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So lag Edelfingen am 1. April 1945 vor den Kanonen der amerikanischen Panzer. Weiß vernebelt die neueren Ortsteile, rot markiert die Stellen, an denen ehemals jüdischen Häuser standen und zerstört wurden, blau sind die getroffenen Häuser von deutschen Besitzern markiert.

© Werner Mies

Edelfingen. Der 1. April 1945 war ein Schicksalstag für Edelfingen. An diesem Ostersonntag, ein strahlender Frühlingstag mit blauem Himmel, erreichte das Kriegsgeschehen den bislang von direkten Kampfhandlungen verschont gebliebenen Ort mit seinem ganzen Grauen und löste ein Inferno von Zerstörung und Tod aus.

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Der damalige evangelische Ortspfarrer Dieterich und der Gemeinderat Ernst Baier haben die letzten Kriegstage von Edelfingen sehr detailliert schriftlich festgehalten. Danach war in der Karwoche verstärkter Militärverkehr auf der Landstraße festzustellen. Am Montagmorgen hatten der Volkssturm Panzersperren an den Ortseingängen aufgebaut, die am Mittwoch durch einen amerikanischen Tieffliegerangriff wieder zerstört wurden. Danach besetzten SS-Soldaten und erst vor 14 Tagen zur Wehrmacht einberufene Hitlerjungen die Ortseingänge. In der Nacht zum Ostersonntag waren dann deutliche Panzergeräusche, gegen Morgen auch Kanonendonner und Gefechtslärm, aus dem Umpfertal zu hören. Von dort rückten amerikanische Panzertruppen gegen Königshofen vor und setzten dies durch heftigen Beschuss in Brand. Wegen der starken deutschen Gegenwehr versuchten die Amerikaner dann, das Taubertal von Dainbach aus kommend durch Edelfingen zu überqueren.

Nachdem Dainbach am Ostersonntagmorgen um 10 Uhr vom dortigen Bürgermeister an die Amerikaner übergeben war, schossen diese mit ihren großkalibrigen Panzerkanonen Richtung Edelfingen. Sechs weitere Panzer fuhren bis zum Waldrand am "Stutz", der oberhalb des Edelfinger Bahnhofes liegt. Von dort aus eröffneten sie mit Granaten das Feuer auf die deutschen Stellungen in und um das Dorf, das wie auf einem Präsentierteller vor den Angreifern lag.

Deutsche Artillerie, die zwischen Unter- und Oberbalbach ihre Stellungen hatte, unterstützte die Gegenwehr der deutschen Soldaten der SS-Panzerdivision "Hitlerjugend". Auch von diesem Beschuss explodierten Granaten im Dorf. Gegen 11.30 Uhr brannten in der Dorfmitte die ersten Häuser und einige am Dorfrand gelegene Feldscheuern. Trotz sofortigen Löschversuchen der wenigen im Dorf anwesenden Männer und Jugendlichen breiteten sich die Brände zu einem "Großbrand mit kirchturmhohen Funkenflug" aus, beschrieben die beiden Chronisten das Flammeninferno.

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Mit zum Großbrand trug der Wassermangel durch die vom Beschuss unbrauchbaren Wasserschläuche und -leitungen bei. Deshalb benutzte man zum Löschen auch Jauche, wie ein Zeitzeuge berichtete. Außerdem beschossen die Amerikaner von der Höhe aus mit ihren Maschinengewehren auf alles, was sich in den Straßen bewegte.

Am späten Nachmittag rückten dann ca. 40 Panzer mit etwa 20 Begleitfahrzeugen in das Dorf ein und vertrieben die letzten deutschen Soldaten aus ihren Stellungen. Dies hatte zur Folge, dass vier deutsche Turbojäger die amerikanischen Fahrzeuge angriffen und je zwei Bomben abwarfen, die dann die schon heftig lodernde Brände zu einem wahren Feuersturm entfachten.

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Dadurch fühlten sich die amerikanischen Truppen nun doch zu sehr bedroht und zogen sich gegen 22 Uhr wieder Richtung Westen aus dem Dorf zurück, nachdem sie in den unbeschädigten Häusern und Kellern nach deutschen Soldaten gesucht hatten.

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Die Brände wurden erst am Ostermontagnachmittag, nachdem auch eine Schlauchleitung von der Tauber Wasser lieferte, gelöscht. Die traurige Bilanz des Feuers waren 33 abgebrannte und zerstörte Wohnhäuser und 40 Scheunen und Remisen, die den Bränden zum Opfer gefallen waren.

Hauptsächlich waren Gebäude in der heutigen Alten Frankenstraße, früher auch Judengasse wegen der dort früher wohnenden jüdischen Bürger genannt, betroffen. Darunter neben der 1792 erbauten Synagoge auch die katholische Kapelle am Südrand des Dorfes, die vermutlich durch deutschen Beschuss abbrannte, da sich hinter der Kapelle ein amerikanischer Panzer verschanzt hatte.

Der Kirchturm der evangelischen Kirche wurde ebenfalls durch ein Flakgeschütz von deutscher Seite aus beschossen und beschädigt, aber nicht zum Einsturz gebracht, weil dort von einem französischen Zwangsarbeiter eine weiße Fahne aufgehängt worden war.

Die Straßen des Dorfes boten ein Bild der Verwüstung und waren übersät mit Trümmern und Ziegeln und herabhängenden Stromleitungen, in denen tote Tiere lagen und durch die freigewordenes Vieh irrte.

Nachdem die Amerikaner abgerückt waren, kehrten am Ostermontag SS-Truppen zurück, die aber schon am Donnerstag wieder abrückten.

Sie versuchten, die erst 1929 erbaute Tauberbrücke zu sprengen. Trotz viermaliger Versuche gelang dies nur teilweise mit einem Loch in der Brückenmitte und der teilweisen Zerstörung des Beton-Brückengeländers.

Mit gegenseitiger Hilfe wurde sobald als möglich, und wo dies noch sinnvoll war, die Reparaturen an den Häusern in Angriff genommen. Trotzdem waren noch lange Einschüsse und Löcher von Granaten in den Häusern zu sehen.