Heimatabend im Rahmen der Heimattage - Interessanter Abend für heutige und ehemalige Hachteler "Dorf kann stolz auf seine Vereine sein"

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Für ihr Dorffest hatte die Hachteler Vereinsgemeinschaft mit Aufwand und viel Herzblut etwas ganz Besonderes vorbereitet: einen Heimatabend für alle heutigen und ehemaligen Bürger des Dorfes.

Alte Handwerkstechniken wie das Korbflechten (links) durfte man beim Bauernmarkt am Samstag beobachten. Vor großer Zuschauerkulisse zeigt hier Willy Pflüger (Bild rechts), wie früher mit dem Binder bei der Ernte gleich fertige Garben erzeugt wurden.

© Markus Moll
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Hachtel. Die Programmpunkte drehten sich um die Frage, was Heimat ist und was sie ausmacht. Anlass dafür waren die Heimattage Baden-Württemberg, die 2016 in Bad Mergentheim begangen werden.

Und so wurden zu dem Festabend am Samstag auch alle ehemaligen Hachteler eingeladen, die ausfindig gemacht werden konnten.

"Wenn die Besucher am Ende von einem schönen und gelungenen Abend sprechen, dann ist das Ziel erreicht", formulierte Ortsvorsteher Paul Brunner zu Beginn. Und in diesem Sinne wurde das Ziel gewiss nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Eine "wahnsinnige Arbeit" habe sich der Festausschuss unter Leitung von Oskar Fritzmann gemacht.

Dorf "hervorragend entwickelt"

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Ohnehin könne der 280 Einwohner zählende Ort stolz auf seine Vereine sein, hervorragend entwickelt habe sich das Dorf in den vergangenen Jahrzehnten. Paul Brunner nannte unter anderem die Erschließung von drei neuen Baugebieten, die begonnene Gestaltung der Ortseinfahrt sowie den Neubau des Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrgerätehauses.

Im Namen von OB und Gemeinderat sprach Bürgermeisterstellvertreter Andreas Lehr. Der Begriff Heimat beinhalte nicht nur Tradition, sondern weise auch nach vorne, sagte Lehr. "Und Hachtel hat Zukunft und wird deshalb auch weiterhin die Heimat nach vorne tragen", erklärte er. Lehr übernahm auch den offiziellen Bieranstich, der ihm mit drei Schlägen gelang. Von riesengroßem Interesse der Ehemaligen an dem Heimatabend berichtete der Vorsitzende der Hachteler Vereinsgemeinschaft, Oskar Fritzmann. Und so war - trotz des gleichzeitig ausgetragenen WM-Viertelfinales - nicht nur das Dorfgemeinschaftshaus voll besetzt, weitere Gäste fanden im Festzelt vor dem Gebäude Platz.

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Wo und was Heimat ist, dieser Frage spürte die 17-jährige Sarah Rothenfels in einem Kurzfilm nach. Er war bei einem Wettbewerb der Stadt mit dem dritten Platz ausgezeichnet worden. "Hachtel von oben" zeigte ein weiterer Film von Daniel Bissinger sowie Bernd und Raimund Herschlein. Mit einer Drohne haben sie spektakuläre Bilder des Ortes aufgenommen.

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Für besonderes Interesse sorgte auch eine Bilderschau, die von Oskar Fritzmann zusammengestellt wurde. Dabei hatte er auf eine Bilderserie zurückgegriffen, die Pfarrer Florian Rothenfels vor 90 Jahre in Hachtel angefertigt hatte. Fast jedes Haus hatte dieser im Jahr 1926 fotografiert. Fritzmann hat im Frühjahr dieselben Stellen aus gleicher Perspektive fotografiert. Es war äußerst beeindruckend, wie sehr sich Hachtel in neun Jahrzehnten gewandelt hat. Untrennbar verbunden mit Hachtel ist der Name von Ottmar Mergenthaler, der 1884 die Linotype-Setzmaschine erfand und ein neues Zeitalter in der Drucktechnik einläutete. So war es den Hachtelern eine besondere Ehre, dass in Frankreich lebende Nachfahren des genialen Erfinders gekommen waren.

Die Ottmar-Mergenthaler-Sängerfreunde umrahmten den Abend musikalisch unter der bewährten Leitung von Josef Ehrmann. Sie hatten ihre Liederauswahl ebenfalls unter das Thema "Heimat" gestellt, wie Florian Nuber in seiner Moderation sagte. "Heilig Heimatland", "Abendfrieden" oder das von Gotthilf Fischer komponierte "Heimatland" standen auf dem Programm.

Rekordverdächtig war der Besuch dann beim Hachteler Dorffest am Wochenende rund ums Dorfgemeinschaftshaus. An beiden Tagen wurde ein buntes und vielfältiges Programm geboten. Dazu zählten die Vorführungen unter dem Motto "Landwirtschaft im Wandel der Zeit". Auf einem Feld direkt neben dem Gelände des Dorfgemeinschaftshauses hatten Karl und Armin Albrecht dafür extra Getreide angepflanzt. Zunächst zeigte Ludwig Herschlein mit Rita Brand und seiner Enkelin Sophie, wie früher in reiner Handarbeit geerntet wurde. Der Grasmäher oder auch Ableger, früher noch vom Pferd gezogen, stellte dann einen ersten Mechanisierungsschritt dar. Einer der nächsten Entwicklungsschritte war der Binder, der bei der Ernte gleich fertige Garben erzeugte. Florian Nuber zog diesen mit seinem aufwendig restaurierten, historischen Traktor. Schließlich zeigte Willy Pflüger, wie heute mit dem Mähdrescher das Mähen und Dreschen in einem Arbeitsgang vereint sind.

Nach der Ernte werden die Felder dann auch bald wieder umgepflügt. Wie hier früher gearbeitet wurde, demonstrierten Winfried und Sascha Brunner mit dem Holder-Einachser sowie Willy Pflüger auf dem Traktor mit einscharigem Pflug. Josef und Guido Schmitt sowie Winfried Brunner hatten sich besonders um die Organisation dieser Präsentationen gekümmert. Am Samstag verfolgte auch OB Udo Glatthaar mit großem Interesse die Vorführungen. Hier werde der Einklang von Mensch und Natur und die gelebte Gemeinschaft im Ort deutlich, sagte er.

Den Auftakt des Dorffestes bildete der Bauernmarkt am Samstagnachmittag. Hier boten einheimische Hersteller Leckeres und Nützliches aus eigener Produktion an. Für die kleinen Gäste war eine Spielstraße vorbereitet worden.

Der Festsonntag begann mit dem ökumenischen Gottesdienst im Dorfgemeinschaftshaus, der vom Katholischen Kirchenchor und den Ottmar-Mergenthaler-Sängerfreunden mitgestaltet wurde. Am Nachmittag entführten die Hachteler Kindergartenkinder mit ihrer Figurentheater-Aufführung in die wundersame Welt von Ritter Rost.

Alle Hände voll zu tun hatten aufgrund des Gästeansturms auch die vielen fleißigen Helfer in Küche, Ausschank und Service. mam