Modehaus Kuhn - Maike und Johannes Kuhn wollen die Familientradition fortsetzen und die Zukunft gestalten / 85 Beschäftigte und 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche Die dritte Generation macht sich bereit

Von 
Sascha Bickel
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Die Familie Kuhn im familieneigenen Modehaus: Christiane (links) und Hans-Joachim Kuhn (daneben) zusammen mit Maike und Johannes Kuhn. © Sascha Bickel

Im Modehaus Kuhn mitten in der Bad Mergentheimer Innenstadt wird ein Generationswechsel eingeleitet: Maike und Johannes Kuhn sollen das Unternehmen in die Zukunft führen.

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Bad Mergentheim. Maike und Johannes Kuhn sind bereit, große Verantwortung zu übernehmen – für das familiengeführte Modehaus mit seinen 4000 Quadratmetern, das größte zwischen Heilbronn und Würzburg, sowie die 85 Mitarbeiter.

Am 24. November 1967 eröffnete Hans Kuhn das Kaufhaus Kuhn im Zentrum der Kurstadt und übergab es 1992 an Hans-Joachim Kuhn als geschäftsführenden Gesellschafter. Jetzt steht die dritte Generation in den Startlöchern und zeigt sich hoch motiviert, bestens ausgebildet, dankbar für die solide Basis und willig, die Zukunft aktiv zu gestalten.

Seit 2012 reines Modehaus

2012 wandelte sich das einstige Kaufhaus zum reinen Modehaus und 2016 wurden rund 700 000 Euro in die Sanierung der Tiefgarage und eine neue Gebäude-Fassade gesteckt. Ein Jahr später feierte man groß den 50. Geburtstag und nun werden in der Führungsspitze die Weichen für die Zukunft gestellt.

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Maike Kuhn (27) steigt ab August zunächst als Bereichsleiterin Damenbekleidung ein. Nach dem Studium an der LDT Nagold arbeitete sie im Vertrieb namhafter Marken wie Tom Tailor und More & More und übernahm zuletzt die Abteilungsleitung beim weithin bekannten Modehaus Garhammer nahe Passau. Ihr Bruder Johannes (25) wird Bereichsleiter „Organisation und Marketing“ und begleitet künftig den Einkauf „Herren und Wäsche“. Er machte seinen Bachelor an der ESB Business School in Reutlingen und den MBA in Hongkong/China mit Praktika bei Ernst & Young und Feri Euro-Rating. Zuletzt war er, der einst eine Bankkaufmannlehre bei der örtlichen Sparkasse begonnen hatte, dann aber gen Reutlingen weiterzog, in der Strategie- und Marketingberatung „Simon-Kucher & Partners“ in München tätig.

Herausforderungen

Als größte Herausforderungen benennen Maike und Johannes Kuhn im Pressegespräch drei Punkte, die es anzunehmen und in Chancen umzuwandeln gelte: erstens den Online-Handel, zweitens die sinkenden Frequenzen in den Innenstädten und drittens den schrumpfenden Textilanteil an den durchschnittlichen Haushaltsausgaben.

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Wie sehen dazu die Strategien der Familie Kuhn aus? Christiane und ihr Mann Hans-Joachim Kuhn werden vorerst noch die entscheidenden Fäden in der Hand behalten, doch mehr und mehr den Nachwuchs mit in die Verantwortung nehmen, damit dieser Wegweisendes mitbestimmen kann und vor allem auch dahinter steht.

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Auf den stark wachsenden Online-Einkaufsmarkt angesprochen, erklärt Johannes Kuhn, wie er darüber denkt: „Wir werden keinen Onlineshop aufmachen, weil wir uns auf individuelle, typgerechte Modeberatung fokussieren. Stattdessen werden Online-Kanäle wie Social Media und die eigene Website genutzt, um die Marke Kuhn zu stärken.“ Seine Mutter Christiane Kuhn schiebt nach: „Über Beratung, Service und Bedienung können wir uns absetzen. Das ist unser Weg.“ Und sie ergänzt noch: „Das Beratungsteam ist ausschlaggebend für den Erfolg.“

Maike Kuhn spricht von einem Ausbau des Online-Sektors, einer angepeilten Steigerung der Reichweite, einer höheren Qualität der Angebote durch das eigene Modehaus, aber auch von einer vorherigen, genauen Analyse und einer präzisen Planung der künftigen Aktivitäten, um Zeit und Aufwand im gesunden Verhältnis zu Umsatz und Kosten zu halten. Gegen national oder gar international agierende Online-Händler sei es schwer zu agieren, so komme es um so mehr auf den besonderen Event-Charakter beim Einkaufen vor Ort an, ist Maike Kuhn überzeugt: „Services wie Birthday-Shopping und Personal-Shopping im separaten Lounge-Bereich stehen in unserem Modehaus bereits für das Bestreben, dem Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis zu bieten.“ Damit die Beratung gelingt und die Kunden sich wohlfühlen, müssen natürlich die Voraussetzungen stimmen. Maike Kuhn meint dazu: „Textilunternehmensberatungen wie Trendfocus und internationale Messen wie die Berlin Fashion Week informieren unsere Mitarbeiter optimal über die neuesten Trends.“

Wie wichtig gutes Personal und die optimale Kundenansprache sind, hebt schließlich Hans-Joachim Kuhn hervor: „Personalentwicklung und wertschätzender Umgang ist seit langem schon Kern unseres Konzepts.“ Und der Chef des Hauses fährt mit einem Lob fort und benennt den eigenen Anspruch: „Wir sind längst nicht am Ziel angekommen. Wir arbeiten stetig an uns und da bereichern uns unsere Mitarbeiter unglaublich.“

Auf die Kurstadt blickend, von deren positiver Entwicklung auch ein Stück weit das eigene Unternehmen direkt am Marktplatz abhängt, meint Hans-Joachim Kuhn: „Wir wollen mit Bad Mergentheim wachsen und freuen uns zu hören, dass auch viele große Industriebetriebe in die Region investieren.“ Das Modehaus zählt übrigens, so berichtet es die Familie, als größter Ausbildungsbetrieb im Textileinzelhandel im Landkreis – mit zuletzt durchschnittlich acht Auszubildenden.

„Erst einmal einlernen“

Unter dem selbst kreierten Titel „Frauenpower und Männersache“ soll nun die dritte Generation auf ihre Führungsrolle vorbereitet werden. Johannes Kuhn gibt unumwunden zu: „Wir müssen uns jetzt erst einmal einlernen. Ich war bislang sehr finanzlastig tätig und bringe mehr betriebswirtschaftliche Kompetenz mit.“ Seine Schwester Maike räumt auch ein, dass die Übernahme des Familienbetriebs schon immer im Hinterkopf gewesen sei, sie aber zunächst eigene Wege eingeschlagen habe, so wie auch ihr Bruder. Nun sei man zurück und bereit für die Selbstständigkeit, für die es gute Argumente gebe.

Hans-Joachim Kuhn nennt auf Nachfrage kein genaues Datum für seinen Rückzug, er sagt nur so viel: Mit 60 wolle er deutlich kürzer treten. Mit seiner Frau sei er sich einig, dass die Kinder einsteigen sollen, solange man sich in ruhigem Fahrwasser bewege „und alles in Ordnung und geordnet ist“, damit mit ihnen gemeinsam die nächsten großen Projekte realisiert werden können.

Redaktion Hauptsächlich zuständig für die Große Kreisstadt Bad Mergentheim