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Leserbrief - Zur Historie und den Gefahren hoher Kosten durch eine Versetzung „Der Kiliansbrunnen muss an seinem bisherigen Platz auf dem Gänsmarkt bleiben”

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Dem FN-Artikel vom 19. Februar 2022 ist zu entnehmen, dass der Gemeinderat mit 24:9 Stimmen einer Versetzung des Kiliansbrunnens vom jetzigen Standort um ca. sieben Meter zugestimmt hat.

Diese Abstimmung geschah ohne jegliche Einbindung des Landesamtes für Denkmalpflege. Ohne dessen Zustimmung aber ist ein solches Vorhaben gar nicht möglich.

Die Verantwortlichen der Stadt Bad Mergentheim werden nicht müde zu betonen, dass der heutige Kiliansbrunnen schon mehrfach versetzt worden sei – dies entspricht jedoch nicht den Tatsachen!

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1598 wurde auf dem Gänsmarkt ein kleiner, mehreckiger Brunnentrog errichtet, der einen größeren Abstand zum Spitalgebäude hatte, als der heutige Kiliansbrunnen. Das lässt sich durch alte Zeichnungen, Gemälde und sogar Fotos klar belegen. Dieser Brunnen wurde 1889 entfernt und der heutige Kiliansbrunnen im neugotischen Stil mit den Darstellungen des Heiligen Kilian und seinen beiden Begleitern Kolonat und Totnan an gleicher Stelle aufgebaut. Die historische Ortsanalyse von 1889 spricht im Zuge der Neugestaltung von einer „Zurückverlegung“ des Standortes. Dies bezieht sich jedoch ausschließlich auf den kleineren Vorgängerbrunnen, der in einem größeren Abstand zum Spitalgebäude stand.

Durch das wesentlich größere Ausmaß des neuen Brunnens musste zwangsläufig eine Annäherung an das Spital erfolgen. Die Feststellung in der Ortsanalyse betrifft also nicht eine Gesamtverschiebung des Kiliansbrunnens. Dieser steht seit 1889 an seinem jetzigen und originalen Standort. Auch das lässt sich durch eine Auswertung der Blickachsen auf alten Fotos eindeutig beweisen.

Somit entbehrt die Behauptung des SPD-Ortsvereins im Zeitungsartikel vom 16. April, der Brunnen sei auf einer Karte von 1865 (24 Jahre vor seiner Entstehung!) bereits dort eingezeichnet, wo er nun wieder aufgestellt werden soll, jeder historischen Grundlage. Verweise von Seiten der Stadt über den Teilabbau des Kiliansbrunnens während einer Restaurierung sind nichtig, da sie nicht den Tatsachen entsprechen.

Einen weiteren Grund für die Versetzung des Kiliansbrunnens sieht die Stadt in der schwierigen Verkehrsführung: Lastwagen und Busse quälen sich mühsam auf dem kurvigen Weg in Richtung Holzapfelgasse. Klar, es ist enger geworden als früher.

Die Ursache dafür ist aber nicht beim Kiliansbrunnen zu suchen, der dort steht, wo er schon immer stand, sondern in der von der Stadt absichtlich sehr eng gezogenen Grenzlinie zwischen Straße und der neu geschaffenen Freizone, die dem Verkehr wenig Spielraum lässt – und somit den Unmut vor dem nun im Weg stehenden Brunnen schürt.

Der originale Standort eines so bedeutenden Denkmals aber darf und kann nur geändert werden, wenn an diesem irreparable Schäden drohen oder sogar ein Gesamtverlust zu befürchten ist.

Der Abbau, die Versetzung und der Neuaufbau des Brunnens, aus dem porösen und brüchigen roten Sandstein, werden trotz aller Sorgfalt Schäden in nicht absehbarem Umfang an der Originalsubstanz verursachen.

Zu den extrem hohen Kosten dieses Vorhabens der Stadt sind auch noch die Aufwendungen für das Straßengemälde und die schon erfolgten Planungskosten der neuen Platzgestaltung zu rechnen. Sollte das Landesamt für Denkmalpflege der Versetzung nicht zustimmen, war dieses Geld auch schon in den Sand gesetzt.

Mit den bereits erfolgten und noch zu erwartenden Kosten könnten in Bad Mergentheim viele Verbesserungen für die Einwohner geschaffen werden.

So bleibt auch in dieser Sache am Ende nur zu sagen: „Die Hoffnung (auf das Landesamt für Denkmalpflege) stirbt zuletzt.“

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