Oberbürgermeisterwahl am morgigen Sonntag - Seit 15 Jahren sitzen in Rengershausen die Erstwähler im Wahllokal hinter der Urne und bringen sich ehrenamtlich ein Das jüngste Wahlhelfer-Team der Region

Von 
Désirée Schneider
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Sie sind schon jetzt gespannt auf das Wahlergebnis: Das jüngste Wahlhelfer-Team tritt morgen in Rengershausen zum Dienst an. © Désirée Schneider

Damit die morgige Oberbürgermeisterwahl ordentlich ablaufen kann, sind wieder viele ehrenamtliche Wahlhelfer im Einsatz. In Rengershausen dürfte das jüngste Team am Start sein.

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Bad Mergentheim/Rengershausen. Über 18 700 Wahlberechtigte in Bad Mergentheim und den Stadtteilen dürfen am morgigen Sonntag, 24. Februar, bei der Oberbürgermeister ihr Kreuzchen setzen. 23 Wahllokale, drei Briefwahlausschüsse und über 200 Wahlhelfer sind nötig, um die anstehende Wahl über die Bühne zu bekommen, bei der Amtsinhaber Udo Glatthaar erneut antritt.

Bereits vor Monaten rief die Stadtverwaltung Wahlberechtigte dazu auf, sich als freiwillige Wahlhelfer zu melden. Denn die Anzahl der städtischen Bediensteten alleine reicht dafür nicht aus. Dabei handele es sich um ein „interessantes, verantwortungsvolles und wichtiges Ehrenamt für die Demokratie“, heißt es in einem Schreiben der Stadt.

Jugend mit einbinden

Gerade auch der Jugend die Bedeutung dieser ehrenamtlichen Wahlhelfer-Tätigkeit nahezubringen hat sich der Stadtteil Rengershausen auf die Fahne geschrieben. Mit insgesamt sieben 18- bis 19-jährigen freiwilligen Helfern stellen sie am morgigen Sonntag wohl erneut das jüngste Wahllokal im Stadtgebiet.

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Verantwortlich für die Aufrechterhaltung dieses „Titels“ ist Ortsvorsteher Martin Wagner, der sich auch dieses Jahr wieder um die Zusammenstellung der Mannschaft kümmerte. „Ich habe einfach alle Jugendlichen zusammengetrommelt, die spätestens am Samstag vor der Wahl, das ist der Stichtag, 18 geworden sind“, erzählt Martin Wagner. Volle Begeisterung schlage ihm dabei nicht immer direkt entgegen, im Nachhinein wären jedoch alle froh über die tolle Erfahrung.

„Tolle Erfahrung“

„Hinterher sind immer alle begeistert und finden, dass es viel Spaß gemacht hat“, schmunzelt Wagner, „es ist ja auch interessant für die Jugendlichen, die Leute aus dem eigenen Ort im Wahllokal zu treffen und zu sehen, wen man noch so alles kennt.“

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Seit rund 15 Jahren übernehmen in Rengershausen vor allem Jugendliche bei sämtlichen Wahlen den Platz hinter der Urne. Die Idee sei eines Abends beim gemütlichen Zusammensitzen entstanden. Warum sollen eigentlich nur die Erwachsenen als Wahlhelfer antreten? Warum nicht auch die Jugend mit einbinden?

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So kam letztendlich auch Lorena Schlund zu ihrem Amt als Wahlhelferin. Wenn auch nicht ganz freiwillig, gibt die 19-Jährige zu: „Ich arbeite bei der Stadt und muss deswegen sowieso bei der Wahl mithelfen“, sagt sie, „und da dachte ich mir, das will ich am liebsten in meiner eigenen Ortschaft machen. Im Bekanntenkreis ist das einfach schöner.“

Durch Freunde habe sie von deren Erfahrungen im Rengershäuser Wahllokal erfahren und kurzentschlossen bei Ortsvorsteher Wagner nachgefragt, der sie auch sogleich begeistert aufnahm. Ihren ersten Einsatz hatte sie bei der letzten Bundestagswahl vor rund eineinhalb Jahren. Knapp zuvor sei sie volljährig und somit wahlberechtigt geworden.

„Wenn man das erste Mal wählen darf, ist das natürlich alles noch viel spannender“, erinnert sich Lorena, „vor allem wenn es gleich die Bundestagswahl ist.“ Aber auch auf die anstehende OB-Wahl freue sie sich: „Wir sind echt eine coole Truppe und es ist toll Klassenkameraden aus der Grundschule zu treffen, die man lange nicht gesehen hat, und das mit ihnen durchzuziehen.“

Große Verantwortung

Der Verantwortung, die die Aufgabe mit sich bringt ist sich die 19-Jährige durchaus bewusst. Man muss die Urne überwachen, für jeden ausgegebenen Stimmzettel und jeden eingetroffenen Wähler Striche in eine Liste eintragen und am Ende natürlich die Stimmen auszählen. Dafür treffen sich nach Wahlschluss noch einmal alle Helfer aus den beiden Schichten, in die sie für den Wahltag eingeteilt werden. Lediglich etwa zwanzig Minuten dauerte das Auszählen bei der letzten Wahl, erinnert sich Lorena, „dann geben wir eine Schnellmeldung mit den Ergebnissen nach Bad Mergentheim durch und danach gibt es Pizza.“

Damit am Wahltag auch jeder Griff sitzt, treffen sich die Helfer am Abend zuvor und besprechen die Details. „Da werden die Positionen geklärt, wer wo sitzt und alles einmal durchgespielt“, erklärt Felix Wagner. Als Erstwähler stand der heute 23-Jährige vor einigen Jahren selbst als Helfer hinter der Urne und erinnert sich an einige kuriose Situationen: „Besonders witzig ist es, wenn Bekannte zur Wahl kommen, von denen man nur den Spitznamen kennt. Dann muss man erstmal überlegen, welchen Namen man jetzt in der Liste abhaken muss“, sagt er und lacht. „Es ist aber auch generell interessant zu sehen, wer alles zur Wahl kommt“, pflichtet ihm seine Schwester Johanna bei, „wen man so kennt, auch von früher, und wer vielleicht zugezogen ist“.

Neu in der Truppe ist dieses Mal Ivonne Heck. Die 18-Jährige Auszubildende sei von Ortsvorsteher Wagner direkt angesprochen worden, ob sie denn nicht Lust hätte Wahlhelferin zu werden. Lange überlegen musste sie nicht: „Für mich war gleich klar, dass ich mitmache“, sagt Ivonne, „alle meine Freunde machen mit und haben erzählt wie cool das wäre.“ Besonders spannend findet sie das Auszählen der Stimmen am Ende.

Trotzdem sei es ein seltsames Gefühl, dass man jetzt auf einmal mitbestimmen darf. „Das ist irgendwie komisch“, findet die 18-Jährige, „vorher hat man sich kaum mit der Wahl beschäftigt, weil man ja sowieso nicht mitreden durfte und jetzt plötzlich schon“.

Sie sei froh, dass ihre erste Wahl die OB-Wahl ist. „Man ist einfach näher dran“, sagt Ivonne, „den Oberbürgermeister kennt man ja zumindest vom Sehen her und das macht es schon interessanter“.

Nicht lange nachgedacht

Simone Wagner ist am Sonntag ebenfalls zum ersten Mal als Wahlhelferin im Einsatz. Nachdem sie den Brief vom Ortsvorsteher erhalten hatte, war auch für sie sofort klar, dass sie dabei sein möchte. „Ich habe eigentlich gar nicht viel nachgedacht, sondern sofort zugesagt“, erinnert sich die 18-Jährige.

Die Bundestagswahl fände sie für ihre erste „Amtszeit“ als Wahlhelferin zwar spannender, dennoch sei sie etwas aufgeregt: „Es ist doch super interessant zu sehen, wie das alles abläuft, gerade wenn man das erste Mal wählen darf.“ Deswegen sei die Wahl auch im Freundeskreis ein Thema. „Letztendlich hängt es ja von jedem selbst ab, ob man sich dafür interessiert und dann auch informiert oder nicht.“ Die Rengershäuserin wolle in Zukunft jedenfalls ausnahmslos immer von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, auch wenn die Wahl wie in diesem Fall mit nur einem Kandidaten „eher ein bisschen langweilig“ sei.

Nichtsdestotrotz sind die Rengershäuser Wahlhelfer auch dieses Jahr wieder gespannt, was im Wahllokal auf sie zukommt.

Beamer für „Durststrecken“

Gerade die neuen Erstwähler sind neugierig auf den Abend vor der Wahl, wenn jeder seine Aufgabe zugewiesen bekommt. Auch wenn es natürlich Phasen gebe, in denen gerade niemand ins Wahllokal kommt, werde die Zeit als Wahlhelfer der kleinen Ortschaft jedenfalls nie langweilig. Für solche „Durststrecken“ habe man extra einen Beamer installiert, auf dem zwischendurch Videos geschaut werden könnten, freut sich Ortsvorsteher Wagner.

„Insgesamt ist das echt ein spaßiger Tag“, findet Felix Wagner, „die meisten wollen beim nächsten Mal gleich wieder mitmachen“, da hätten die neuen Erstwähler aber immer Vorrang. „Schade eigentlich, sonst wäre ich sofort wieder dabei“. Um Nachwuchs brauchen sich die Rengershäuser Wahlhelfer also wohl auch in Zukunft keine Sorgen zu machen. . .