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Leserbrief - Zum Volkstrauertag und den Gedenkveranstaltungen in Löffelstelzen und Bad Mergentheim Darf das deutsche Volk noch trauern?

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Die Fränkischen Nachrichten berichteten am 16. November über die Gedenkveranstaltung in Löffelstelzen, zum Volkstrauertag 2021, nicht aber über die Gedenkveranstaltung der Stadt Bad Mergentheim in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge auf dem Alten Friedhof der Kernstadt.

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Dass die Fränkischen Nachrichten nur über eine der Gedenkveranstaltungen stellvertretend für alle berichten, ist an und für sich verständlich.

Und der löbliche Einsatz, mit dem man in Löffelstelzen diesen Tag begeht, ist jedenfalls der Berichterstattung wert.

Heuer ist durch diese Beschränkung der Berichterstattung ein korrekturbedürftiges Bild von dem entstanden, was in unserer Stadt den Volkstrauertag geprägt hat.

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Der Rahmen der städtischen Veranstaltung auf dem Alten Friedhof der Kernstadt war, wie in jedem Jahr, dem Anlass angemessen. Und Dank sei allen, die sich mit Musik, Gesang, Gebet, als Ehrenwache oder bei der Organisation eingebracht haben.

Leider ließ die offizielle Ansprache für sich genommen nicht erkennen, dass sie zum Volkstrauertag gehalten werden sollte.

Der Volkstrauertag gilt in erster Linie dem Gedenken an die Soldaten, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben verloren haben, und er gemahnt zum Frieden. Über den Gräbern schweigt die Frage nach Herkunft, Schuld und Verantwortung.

Auf ein würdiges Totengedenken wollte sich der Redner aber nicht verstehen. Stattdessen spielte er die in unseren Leitmedien bis zum Überdruss gedrehte Leier von Rechtsradikalismus, Klimawandel, Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit.

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Natürlich stand es ihm frei, all das zu sagen. Hätte er es als Festansprache zum 8. Mai gesagt, man hätte ihm eine Rede in bester sozialistischer Tradition attestiert. Aber zum Volkstrauertag war diese Rede nach meiner Meinung deplatziert.

Ihren törichten Höhepunkt fand sie in der Anregung, den Begriff „Volkstrauertag“ abzuschaffen und durch einen anderen Begriff zu ersetzen, weil der Begriff „Volk“ ja von nationalkonservativen Kreisen genutzt werde.

Die Präambel unseres 1949 unter dem frischen Eindruck der nationalsozialistischen Diktatur verabschiedeten Grundgesetzes benennt das „Deutsche Volk“ als den Verfassungsgeber.

Nach Artikel 20 Absatz 2 Satz 1 Grundgesetz geht alle Staatsgewalt in Deutschland „vom Volke aus“. Deswegen verkünden die Gerichte ihre Urteile „im Namen des Volkes“.

Und der Bundeskanzler schwört seinen Amtseid nach Artikel 56 des Grundgesetzes darauf, das Wohl des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm abzuwenden. Wer „Volk“ sagt, wird dadurch also nicht zum Verfassungsfeind.

Nicht so sicher ist das bei denen, die dem totalitären „Neusprech“ im Sinne George Orwells das Wort reden und das Wort „Volk“ aus unserem Sprachschatz verbannen wollen.

Wer das Volk abschaffen will, befeuert das Völkische und schafft neue Kriegsgräber.

Das lehrt uns der Zerfall Jugoslawiens in einem schrecklichen Bürgerkrieg ebenso wie der gescheiterte Versuch der UdSSR, den Sowjetmenschen zu schaffen.

Zum guten Glück war die zweifelhafte Rede eingebettet in eine ansonsten würdige Feier, zu deren Abschluss der Bad Mergentheimer Oberbürgermeister Udo Glatthaar dezent, aber deutlich einen Kontrapunkt setzte, indem er Sinn und Wert des Volkstrauertages beschrieb.

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