Leserbrief - Einzelne können Bemühungen vieler Menschen torpedieren „Business as usual? Manche Rehaklinik sollte umdenken!“

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Die Welt hält den Atem an, der Großteil der Deutschen hält sich überraschend positiv an die Grundregeln des Social Distancing, alle Arztpraxen und Kliniken beschränken sich auf medizinisch notwendige Maßnahmen und versuchen, viel mehr als zuvor, Beratungsanlässe telefonisch oder auf anderen Kanälen zu klären.

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In den meisten Bad Mergentheimer Pflegeheimen herrscht strenges Besuchsverbot, ärztliche Visiten werden, sofern nötig, mit Mund-Nasen-Schutz unter entsprechenden Hygienemaßnahmen durchgeführt und auch das Personal versucht, durch solche eine Infektion der sogenannten vulnerablen Gruppe zu vermeiden. Das Alles bedeutet für uns, wie auch für die anderen Akteure im Gesundheitssystem, ein Gleichklang aus Mehraufwand und einem Rückgang von Umsätzen. Die Maßnahmen sind aber in jedem Falle geboten, noch dazu ist die finanzielle Situation in unserem Bereich in keiner Weise mit den existenzbedrohenden Veränderungen im Einzelhandel, der Gastronomie oder im Dienstleistungsgewerbe zu vergleichen.

„Flatten the curve“ (die Kurve abflachen lassen) muss im Zentrum aller unserer Bemühungen stehen. Der Peak der Erkrankungszahlen muss verzögert werden, um so die Kliniken nicht zum Kollaps zu bringen: Schließlich ist die Zahl der intensivpflichtig behandelbaren Patienten endlich. Gerade vor dem Hintergrund dieses Primärzieles versuchen wir, derzeit auch jede stationäre Einweisung eingehend zu prüfen, ob nicht doch auch ein ambulantes Management möglich ist.

Anstrengungen konterkariert

Geradezu konterkariert werden diese Anstrengungen von einzelnen Rehabilitationseinrichtungen, die hier bislang wohl eher „business as usual“ betrieben: Rehabilitationsmaßnahmen laufen kaum eingeschränkt weiter, Speisesäle sind nach Berichten teils proppenvoll, Mitarbeiterinnen, die sich aufgrund eines Hustens, besorgt ob der Möglichkeit doch Überträgerin des SARS-Cov-2-Virus sein zu können, an eine Vorgesetzte wenden, werden belächelt. Eines ist klar: Wir können uns auf der hausärztlichen Ebene abstrampeln wie wir wollen: Wenn auch nur in EINER solchen Einrichtung eine flächendeckende Ausbreitung des Virus erfolgt und dort die Risikogruppe für schwere Verläufe erfasst reicht dies aus, dass unsere lokalen Krankenhausstrukturen kollabieren – wollen wir sehen, wie der nun entzündete Flächenbrand noch einzudämmen ist.

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Es ist dringend an der Zeit, jede nicht zwingend notwendige Rehabilitationsmaßnahme abzubrechen – dies dürfte vornehmlich bei den meisten nicht als Anschlussheilbehandlung geplanten Aufenthalten zutreffen!

Dr. Carsten Köber, Vorstandsmitglied der Ärzteschaft Bad Mergentheim