Vor 600 Jahren - Im Jahr 1418 ging das Konzil in Konstanz zu Ende, auf dem auch der Deutsche Orden im Mittelpunkt von Streitgesprächen stand Blutiger Heidenkampf als Daseinszweck?

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Joachim W. Ilg
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Die Tafelschau über den Deutschen Orden und seinen Konflikt mit Polen-Litauen, der während des Konstanzer Konzils verhandelt wurde, lädt zum Betrachten von Bildern mit erklärenden Texten im Deutschordensmuseum ein. © JOACHIM W. ILG

Bad Mergentheim. Auch der Deutsche Orden war Gegenstand von Konflikten während des Konstanzer Konzils. Eine Ausstellung im Deutschordensmuseum informiert darüber.

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Es ist ein zeitlich und räumlich betrachtet eher ziemlich weit von Bad Mergentheim entferntes Thema. Aber dank der Tatsache, dass sich das Ende des Konstanzer Konzils in diesem Jahr zum 600. Mal jährt und der Deutsche Orden, der Mergentheim über Jahrhunderte beherrscht hat, auch Gegenstand von Auseinandersetzungen während dieser kirchlichen Mammutveranstaltung war, lag es nahe, auch im hiesigen Deutschordensmuseum an dieses geschichtliche Groß-Ereignis zu erinnern.

Aufgrund der Zusammenarbeit zwischen dem Museum und der Forschungsstelle Deutscher Orden an der Universität Würzburg ist noch bis zum 5. August die Tafelschau „Ein Orden in der Defensive? Das Konzil von Konstanz, der Deutsche Orden, das Reich und Polen-Litauen“ zu sehen. Anhand von Bildern und erklärenden Texten erfährt der Besucher, warum das Konstanzer Konzil (1414 bis 1418) einberufen wurde und inwiefern auch der Deutsche Orden Gegenstand von Streitgesprächen war.

Da der Deutsche Orden dem europäischen Adel im heidnischen Litauen die Teilnahme an Kreuzzügen ermöglichte, stärkten diese „Preußenreisen“ die politische und territoriale Macht des Ritterordens.

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Als es dann aber 1385 zur Union zwischen der polnischen Königin Hedwig I. und dem litauischen Großfürsten Jagiello kam, wobei er sich taufen ließ und Litauen zum Christentum übertrat, wurde dem Deutschen Orden ein zentrales Motiv seiner Existenz, der Heidenkampf, entzogen.

Zudem verloren die Deutschritter bei der Schlacht von Tannenberg im Jahre 1410 ihre „mythische Unbesiegbarkeit“. Allein an Polen musste der Orden umgerechnet 22 Tonnen Silber entrichten.

Weitere Vorträge folgten

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Dass diese spannungsreiche Gemengenlage auch das Konstanzer Konzil erreichte, konnte nicht ausbleiben.

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Allerdings konnte das Konzil die Auseinandersetzung nicht schlichten, so das Fazit der Tafelschau, die auch die Argumente der Fürsprecher des Ordens und die Gegenargumente deutlich macht. So wurde zum Beispiel auf der einen Seite der Heidenkampf als wichtigste Aufgabe der Christenheit dargestellt, während auf der anderen Seite das Existenzrecht der Heiden betont und der Orden wegen militärisch erzwungener Christianisierung kritisiert wurde.

„Um die für den Deutschen Orden wichtigen Ereignisse und Ergebnisse des Konzils entsprechend zu würdigen“, hatte die Forschungsstelle Deutscher Orden nicht nur die Tafelausstellung im Deutschordensmuseum möglich gemacht, sondern sie zudem auch mit einer Tagung zum Thema „Der Deutsche Orden und das Konzil von Konstanz“ verbunden.

Den Auftakt der Tagung bildete neben der Ausstellungseröffnung der Vortrag von Professor Dr. Andrzej Radziminski (Universität Thorn, Polen) zum Thema „Europa und der Deutsche Orden am Vorabend des Konzils von Konstanz“ im Deutschordensmuseum.

Weitere Vorträge folgten am nächsten Tag an der seit 2014 bestehenden Forschungsstelle in Würzburg (Campus Hubland-Nord), wobei unter anderem die Beziehungen zwischen dem Ordensland und dem Königreich Polen im Blickfeld standen, aber auch noch Fragen zu „Seelenheil und Ritterehre“ geklärt wurden. Für den Wissenschaftlichen Leiter der Forschungsstelle Deutscher Orden, Prof. Dr. Helmut Flachenecker, ist das Zusammenwirken mit Bad Mergentheim schon zur „kleinen Tradition“ geworden, die im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll, denn das Museum wie die Forschungsstelle „haben ein gemeinsames Anliegen, die Geschichte des Deutschen Ordens in angemessener Weise zu erforschen und zu verbreiten“, sagte er und dankte Museumsleiterin Maike Trentin-Meyer für die reibungslose Zusammenarbeit.