AdUnit Billboard
Bürgerforum Stadtbild - Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 3)

Bad Mergentheim: Spät erst bekam St. Florian den Wasserkübel hinzu

Von 
bfs
Lesedauer: 

Bad Mergentheim. Das Haus Mühlwehrstraße 23 kann auf eine lange Brautradition zurückschauen. 1686 erwarb der Bierbrauer Kaspar Baumann das Anwesen. Ihm folgte sein Sohn Stephan, der das Haus 1726 umbaute; daran erinnert wohl das Brauerzeichen mit dem Davidstern und dem Monogramm SB.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Seine Witwe führte den Betrieb weiter. Als Pächter taucht dann der 1780 nach Mergentheim zugewanderte Joseph Klotzbücher auf. Er braute hier von 1786 an und erwarb sich rasch Ansehen als „braver und industriöser Bürger“. Als jedoch 1791 Joseph Baumann von seiner Gesellenwanderschaft zurückkam, trat Klotzbücher von der Pacht zurück und gründete, laut Stadtkataster, in der Wettgasse 10 eine eigene Brauerei.

Als Patron der Zunft

Von Michael Joseph Auwera stammt dieser eindrucksvolle St. Florian in der Mühlwehrstraße. © bfs

Der junge Baumann baute das Anwesen in der Mühlwehrstraße erneut um und ließ von dem Mergentheimer Bildhauer Michael Joseph van der Auvera 1793 den in Holz geschnitzten St. Florian als Patron seiner Zunft, die Feuer und Wasser vereinte, anbringen. Die lateinische Inschrift besagt: St. Florian, tritt für uns ein, steh uns bei. Die Schreibweise der aus Flandern stammenden Künstlerfamilie Auvera war variantenreich, bis hin zu Aubera, da sie einen Stammsitz in Aub an der Gollach begründete.

Mehr zum Thema

Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 2)

In Markelsheim ist der Josephstag seit mehr als drei Jahrzehnten wieder eine Attraktion

Veröffentlicht
Von
bfs
Mehr erfahren
Mergentheimer Hausheilige und Hausmadonnen (Teil 1)

Im Bad Mergentheimer Stadtwappen sind Anmut und Würde vereint

Veröffentlicht
Von
bfs
Mehr erfahren

Am 4. Mai, dem Florianstag, überprüften die Hausväter ihren Brandschutz, und für die Floriansjünger der Feuerwehr war das ein Tag zum Feiern. Dabei ist das Feuerpatronat des Heiligen, gemessen an seiner Verehrung über anderthalb Jahrtausende hinweg, vergleichsweise jung. Bis weit ins späte Mittelalter galten St. Laurentius wegen seiner Marter auf dem Bratrost und die mit Fackeln traktierte heilige Agathe als Brandschutzheilige.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Antike Quellentexte

Die älteste Überlieferung des Florian-Martyriums datiert zwar erst aus karolingischer Zeit, aber die exakt wiedergegebenen römischen Titel und geographischen Bezeichnungen weisen auf antike Quellentexte hin. Florian wird da als pensionierter Kanzleivorstand des Statthalters der Provinz Ufer-Noricum, des heutigen Oberösterreich, in Lauriacum, jetzt Lorch, genannt. Als Kaiser Diocletian, eigentlich eine reine Formalie, auch von den frühen Christen das Opfer für die Staatsgötter forderte, verweigerte Florian als prominenter Anhänger der neuen Lehre die Zeremonie. So wurde er am 4. Mai. 304, mit einem Mühlstein beschwert, bei Enns von der Brücke in den gleichnamigen Fluss, römisch Anisis, gestürzt.

Im Ipftal bestattet

Eine Frau fand den angeschwemmten Leichnam des Märtyrers und bestattete ihn im heimatlichen Ipftal. Dort ragt heute das barocke St. Floriansstift, an dessen Orgel der Schulmeister Anton Bruckner sich seiner musikalischen Sendung bewusst wurde. Als in den Wirren der Völkerwanderung die romanisierten Christen Noricums 488 nach Italien zogen, nahmen sie wahrscheinlich auch die Floriansreliquien mit, die dann im Mittelalter nach Krakau überführt wurden. Von dort kamen dann Teile ins Stift St. Florian.

Schutzheiliger der Grenze

Während der Türkenkriege wurde St. Florian als Schutzheiliger der Grenze angerufen. Seit dem 16. Jahrhundert erscheint er mit dem Wasserkübel, den er über ein brennendes Haus schüttet. Das Wasser war ja Element seines Martyriums gewesen. Inzwischen gilt er als Patron aller Berufe, die’s mit Brandgefahr zu tun haben. Bekannt ist der drastische Reim: „O Heiliger St. Florian/ beschütz mein Haus/ zünd andere an!“ Ein passionierter Hohenlohe-Wanderer fand in Morstein an einem Haus das Bild des Heiligen mit dem Wasserkübel einträchtig vereint mit dem Emailleschild der Feuerversicherungsgesellschaft. bfs

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1