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Einzelhandel in Bad Mergentheim - Blick auf die Lage in der Kurstadt / Namhafte Geschäfte verschwinden, aber keine direkten Folgen der Pandemie

Bad Mergentheim: „Keine Geschäftsaufgaben oder Insolvenzen“

Von 
Linda Hener
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Bad Mergentheim. Das Café Ehrler in der Mühlwehrstraße gibt es nicht mehr. Sambeth am Markt ist ebenfalls Geschichte. Und Sport Vath schließt auch im Sommer. Bekannte Läden und Angebote verabschieden sich aus der Kurstadt. Die Redaktion berichtete darüber und schaut an dieser Stelle auf die Lage des Einzelhandels und der Gastronomie in größeren Zusammenhängen.

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Michael Konrad leitet die Sport Vath GmbH in Bad Mergentheim – noch. Im Sommer steht der letzte offizielle Verkaufstag an. Der Stadt Bad Mergentheim kreidet er die Geschäftsschließung nicht an. Vor einigen Tagen sei er von Oberbürgermeister Udo Glatthaar sogar zu einem Gespräch eingeladen worden, der sich für die Hintergründe der Entscheidung interessierte. „Ich habe ihm gesagt, dass die Stadt den Entschluss weder pro noch kontra hätte beeinflussen können.“

Sicherlich wäre es gut, so Konrad, wenn es in der Innenstadt mehr Parkplatzmöglichkeiten gäbe und sich die Verkehrssituation klärt. Für ihn sei das allerdings nicht relevant gewesen, da er direkt vor dem Laden Parkplätze hat.

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„Gehäufte Schließungen sehen wir nicht – auch wenn die Stadt natürlich jede Geschäftsaufgabe bedauert“, äußert sich Lorena Klingert, die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt auf Nachfrage: „Bei genauer Betrachtung ergibt sich ein durchaus differenziertes Bild: Beim Sportgeschäft sind nach eigener Darstellung die Marken-Lieferanten das Problem, das Café Ehrler schloss wegen des Ruhestands der Inhaber und bei Sambeth suggeriert das Wort ‚Schließung‘ einen Leerstand, den es aber nicht gibt, da in der attraktiven Lage sofort eine Nachnutzung da war.“ Weiter führt Klingert aus, dass mit dem Neugründer-Bonus und dem Corona-Hilfsfonds die Stadt zwei Maßnahmen ergriffen hätte, um den Einzelhandel zu stärken und Schließungen zu vermeiden.

„Mit dem Corona-Hilfsfonds mit einem Volumen von 500 000 Euro hat die Stadt Bad Mergentheim 2020 zusätzliche Überbrückungsmittel zu den Landes- und Bundeshilfen schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt. 95 Unternehmen und Geschäfte haben diese abgerufen. Im zweiten Schritt hat der Gemeinderat 2021 als weitere Maßnahme zur Innenstadt-Attraktivierung einen ‚Neugründer-Bonus‘ beschlossen und dafür 15 000 Euro bereitgestellt.

Gerade inmitten der Corona-Krise, die den Handel wirtschaftlich besonders trifft, sollte das Programm auch ein Mittel gegen Leerstände sein. Der Bonus kann von inhabergeführten Neugründungen aus den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie in Anspruch genommen werden.“

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Konkrete Neugründungen, die von dem Neugründer-Bonus profitiert hätten, seien das Geschäft „42m²“ von Katharina Dietz in der Funkengasse 4, bei dem sich alles um nachhaltige und faire „Alltagsprodukte mit Herz & Verstand“ drehe, das Brautmoden-Fachgeschäft „Herzmoment“, das Sandra Hörner in der Ochsengasse 10 eröffnet habe sowie das Ladengeschäft „Freddy‘s and friends – rund um Hund und Katz’“ von Anna Zimmerer in der Mühlwehrstraße 27, deren Lebensgefährte im selben Gebäude mit einem Fotostudio eingezogen sei. Außerdem die Gaststätte „Zum Löwen“ im Teilort Markelsheim.

Eine weitere Initiative der Stadt Bad Mergentheim zur Innenstadt-Attraktivierung sei beispielsweise die „Virtuelle Reise in die Urzeit – Dino-City“ und dadurch seit Anfang März und noch bis Ende Mai die Bad Mergentheimer Innenstadt zur „Dino City“ mutiert.

Im Rahmen des Förderprogramms „Sofortprogramm Einzelhandel/Innenstadtbelebung“ wird die Veranstaltung auch mit Fördermitteln vom Land unterstützt. „Um das farbenfrohe Frühlingserwachen in der Innenstadt komplett zu machen, fasziniert auf dem Gänsmarkt ein großflächiges 3D-Straßenkunstwerk von Streetartist Marion Ruthardt“, so Klingert.

Zur Bewertung der Lage betont Lorena Klingert: „Glücklicherweise konnte Bad Mergentheim während und nach den Corona-Zwangsschließungen keine Geschäftsaufgaben oder Insolvenzen verzeichnen. Die leerstehenden Einzelhandelsflächen belaufen sich im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Innenstädten auf ein Minimum. Selbstverständlich gibt es leerstehende, ungenutzte Flächen, die Weitervermietung lässt sich aber aufgrund fehlender Investitionsmittel oder anderer privater Gründe der Eigentümer nicht ohne Weiteres umsetzen.“

Anfragen bekäme die Stadt immer wieder, nur leider sei nicht immer das passende Objekt oder eine passende Gewerbefläche für Interessierte verfügbar. „Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Mergentheim ist jederzeit an neuen, spannenden und innovativen Konzepten interessiert. Wir beraten interessierte Gründer gerne unverbindlich und sind bei der Suche nach einem geeigneten Objekt behilflich. Was wir für uns für Bad Mergentheim noch sehr gut vorstellen könnten, wäre ein ,Unverpackt-Laden’, in dem man regionale Produkte ohne Verpackungsmüll zu produzieren, einkaufen kann.“ Langfristig würde Bad Mergentheim von der Landesgartenschau 2034 profitieren. Die Konzeption beinhalte unter anderem die Sanierung und Aufwertung der Fußgängerzone.

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