Stadt Bad Mergentheim - Neue dwif-Studie / Mehr als 155 Millionen Euro setzt die Kurstadt jährlich im Tourismus um / Finanzielle Folgen der Corona-Krise berechnet Ausfälle in zweistelliger Millionenhöhe

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stv
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Umsätze und Profiteure des Tourismus in Bad Mergentheim zeigt die Studie der Universität München für das Jahr 2019. Mit „VFR“ wird die Gruppe derjenigen bezeichnet, die Verwandte oder Bekannte besuchen. © dwif

Bad Mergentheim. Umsätze, Einnahmen, Arbeitsplätze: Im Rahmen einer großen Studie hat die Stadt Bad Mergentheim den „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ analysieren lassen. Die Corona-Krise hinterlässt Spuren.

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Die Ergebnisse der Tourismus-Studie beziffern laut Pressemitteilung der Stadtverwaltung erstmals auch die finanziellen Folgen durch Corona in dieser für die Kurstadt wichtigen Branche.

Mit der Studie beauftragt war das Deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr an der Universität München, kurz „dwif“. Die so genannten dwif-Studien lässt die Stadt gemeinsam mit dem Tourismusverband Franken seit vielen Jahren in regelmäßigen Abständen erarbeiten. So werden auch langfristige Entwicklungen deutlich und Vergleiche möglich. „Die wissenschafts-basierte Standortbestimmung brauchen wir zum einen, um Potenziale zu erkennen und die ehrgeizigen Wachstumsziele im Tourismus erreichen zu können. Die Ergebnisse sind aber auch wertvoll, um uns selbst vor Augen zu führen, wie sehr wir alle in dieser Stadt vom Tourismus profitieren“, sagt Bad Mergentheims Verkehrsdirektor Kersten Hahn.

Einige wesentliche Ergebnisse der neuen Erhebung veröffentlicht die Stadt schon jetzt. Für Mai ist eine ausführliche Präsentation und Diskussion mit den Autorinnen und Autoren der Studie im „Werbebeirat“ geplant. Besonders interessant: Die aktuelle dwif-Analyse betrachtet zwar vor allem das Jahr 2019 – aus aktuellem Anlass wurde aber auch der Corona-Einbruch von März bis September des Folgejahres analysiert und dargestellt.

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Im letzten Vorkrisen-Jahr 2019 gab es in Bad Mergentheim rund 721 000 Gäste-Übernachtungen und rund 1,7 Millionen Tagesgäste. Ebenfalls erfasst werden in der Studie 126 000 zusätzliche Übernachtungen, die als Aufenthalte bei Verwandten und Bekannten stattfinden. Insgesamt gab es knapp 2,55 Millionen touristische Aufenthaltstage in der Kurstadt.

Für jede Gruppe an Reisenden hat das dwif die durchschnittlichen Tagesausgaben in Bad Mergentheim ermittelt, also die Frage beantwortet: Wie viel Geld bringt so ein Gast in die Stadt? Sei es zum Einkaufen, zum Essen oder beim Besuch einer Freizeiteinrichtung.

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Die Werte variieren stark. Während im Bereich Camping und Wohnmobile 50,50 Euro am Tag ausgegeben werden, sind es bei Tagesgästen 26,10 Euro und bei gewerblichen Betrieben, wie beispielsweise Hotels, sogar 152,30 Euro. Da die Tagesgäste eine solch große Gruppe darstellen, ist der jährliche Bruttoumsatz, den sie in Bad Mergentheim generieren, dennoch groß: rund 44,4 Millionen Euro. Den Spitzenwert bilden die 105,4 Millionen Euro, die Übernachtungsgäste aus gewerblichen Betrieben jährlich in der Stadt umsetzen. Die Gesamtsumme des touristischen Brutto-Umsatzes binnen eines Jahres beläuft sich auf 155,2 Millionen Euro.

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Davon profitieren besonders das Gastgewerbe (71,7 Millionen Euro), die Dienstleistungen (53,6 Millionen Euro) und der Einzelhandel (29,9 Millionen Euro). In Bad Mergentheim beziehen 3080 Menschen an ihrem Arbeitsplatz ein so genanntes „touristisches Primäreinkommen“. Die Zahl kann jedoch nicht automatisch gleichgesetzt werden mit den Arbeitsplätzen, die von diesem Wirtschaftszweig profitieren. Als Beispiel nennt die Studie einen Verkäufer oder eine Verkäuferin im Einzelhandel, weil dort Gäste wie auch Einheimische bedient werden.

Und auch die öffentliche Hand profitiert vom Tourismus in Bad Mergentheim. Allein aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer resultierten 2019 etwa 14,4 Millionen Euro Steueraufkommen, das jedoch als Gemeinschaftssteuer Bund, Ländern und Kommunen zukommt.

„Es gibt kaum einen Wirtschaftsbereich, der nicht vom Tourismus profitiert“, sagt Moritz Sporer, Leiter für Ökonomische Analysen beim dwif und einer der Autoren der Studie. „Deshalb lohnen sich Investitionen von Kommunen und Unternehmen in die tourismusbezogene Infrastruktur, konkrete Produkte und die touristische Vermarktung. Als Jobmotor bietet der Tourismus Menschen vieler unterschiedlicher Berufsqualifikationen – von der Saisonkraft bis zur Vollzeitstelle – Einkommensmöglichkeiten. Er schafft und sichert ortsgebundene Arbeitsplätze.“

Ein Blick auf die vorangegangenen dwif-Studien aus 2014 und 2017 unterstreicht den touristischen Wachstumsprozess in Bad Mergentheim. Binnen fünf Jahren stiegen die Bruttoumsätze in fast allen Bereichen, besonders deutlich beim Einzelhandel (plus 21,5 Prozent) und beim Tagestourismus (plus 16,2 Prozent). Lediglich der relative Anteil am Primäreinkommen der Menschen liegt mit 13 Prozent um zwei Prozentpunkte unter dem Wert von 2014. Das liegt daran, dass sich auch andere Branchen im Stadtgebiet stark entwickelt haben.

Rund 38,5 Millionen Euro fehlen

Für den Zeitraum März bis September 2020 ist ein „dwif-Corona-Kompass“ für Bad Mergentheim erstellt worden. Es handelt sich um eine Szenario-Berechnung, die die rückläufigen oder ausbleibenden Übernachtungen und Tagesreisen in einen konkreten Umsatzausfall übersetzt. Dieser beträgt für Bad Mergentheim allein in diesen sieben Monaten des Vorjahres rund 38,5 Millionen Euro!

Für Oberbürgermeister Udo Glatthaar wirft das ein beispielhaftes Schlaglicht auf die ökonomischen Folgen der Pandemie: „Das Einbrechen von Umsätzen im hohen zweistelligen Millionenbereich zeigt, dass der Tourismus zu den Branchen gehört, die die derzeitige Krise besonders hart trifft. Hier finden wir hoffentlich schnell zu alter Stärke zurück, bevor es zu Insolvenzen kommt. Denn was die neuen Daten sehr eindrucksvoll zeigen ist auch: Bad Mergentheim ist eine starke Destination, wo wir alle ein Stück weit davon leben, Kur- und Urlaubsstadt zu sein.“

Es sei deshalb auch ein richtiges Signal des Gemeinderates gewesen, schon in der Haushaltsaufstellung 2021 die touristischen Marketing-Mittel zu erhöhen. stv