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 Leserbrief - Im Zusammenhang mit dem Ausbau des Radwegs bei Edelfingen bzw. der „Blechlawine“ durch den Ortsteil Aggressiv und rücksichtslos – „nicht gut“

Von 
Kim Linsenmayer
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Naaaaa, bald habt ihr es geschafft!“, so oder so ähnlich werde ich seit ein paar Tagen auf der Straße angesprochen. Gemeint sind damit die 11 000 Autos, die während der Ausbauphase des Radwegs zwischen Edelfingen und Bad Mergentheim mehr durch unser kleines Dorf Edelfingen durch die Theobaldstraße fahren. Bereits seit vier Wochen ist der Alltag für mich als direkte Anwohnerin der Theobaldstraße eine höchst interessante Situation. Damit meine ich nicht, dass ich mich frage, inwieweit die hohen Investitionen in einen zusätzlichen Fahrradweg sinnvoll sind. Und ich meine damit nicht, dass ich mich drüber wundere, warum alle die Umleitungsschilder ignorieren – ich selbst würde, wie alle anderen auch die kurze Strecke durch Edelfingen fahren.

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Mit interessant meine ich vielmehr Folgendes: Seit vier Wochen komme ich in den „Genuss“, einen Querschnitt unserer Gesellschaft zu beobachten, wenn ich aus dem Fenster sehe oder aber mit meinem Doppelkinderwagen zum Bäcker oder zum Kindergarten laufe – übrigens ein lebensgefährliches Unterfangen. Zusammenfassend lassen sich dabei vier Personengruppen unter den Autofahrern klassifizieren:

1. Der Rücksichtsvolle: Dabei handelt es sich um eine eher selten zu beobachtende Menschengattung. Er hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung, wartet verantwortungsbewusst, bis ich mit meinem Doppelkinderwagen die Straße bis zum Gehweg entlang gegangen bin. Manchmal unterstreichen sie ihre Rücksichtnahme durch ein Lächeln, das aussagt: „Mensch, du hast es grad echt nicht leicht hier.“

2. Der Gehetzte: Eine tendenziell sehr häufig beobachtbarer Personentyp. Fährt eng auf, sodass es mir kaum möglich ist, auszuholen um in meine Einfahrt reinzufahren. Der Gesichtsausdruck ist genervt, ungeduldig, teilweise auf den Fingernägel kauend, weil gestresst. Billigt es, dass sich auch Mamis mit Doppelkinderwagen auf die Straße wagen.

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3. Der Aggressive: Schon von der Landstraße her bzw. am Roto in Edelfingen zu hören, obwohl erst bei uns an der Tauberbrücke sichtbar. Zeichnen sich aus durch extrem laute Musik, bei diesen Temperaturen gerne mal das Fenster weit geöffnet. Im Takt der Musik nickend missachtet er jegliche Geschwindigkeitsbegrenzungen. Im Zweifelsfall bremst er auch mal an der Tauberbrücke, um einen Fußgänger, der ihm per Handzeichen signalisiert, langsamer zu fahren, eine überzubraten. Zeigt aber auch sonst gerne mal den Vogel, lässt angefahrene Katzen liegen oder kurbelt das Fenster runter um ausfällig zu werden.

4. Die „Ich-hab-den-Längsten äääh Lautesten“: Diese Personengruppe fährt gerne mit einem etwas aufgemotzten Fahrzeug durch das idyllische Dorf und glaubt, sie ist umso toller, je lauter der Auspuff ist und je ungleichmässiger Gas gegeben wird um die Karre zum Röhren zu bringen.

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Diese Personengruppe ist bevorzugt während der Mittagszeit, wenn die Kinder grad zum Mittagsschlaf hingelegt werden oder zur Abend-Schlafenszeit vorzufinden. Ich spreche hier nicht darüber, wie lange sich dadurch die Einschlafphasen der Kids verlängern.

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Gemeinsam mit meinen Kindern habe ich in den letzten vier Wochen vor allem Bekanntschaft mit den Personengruppen 2 bis 4 gemacht. Mein älterer Sohn (zwei Jahre alt) fragt mich jedesmal: „Mami, was ist das?“ Meine Antwort ist jedes Mal: „Schatz, das sind rücksichtslose Menschen, das ist nicht gut.“

Zu Beginn hat er mich verständnislos angesehen. Bei einer Begegnung mit der Personengruppe 2 bis 4 fragt er mittlerweile nicht mehr. Er schüttelt nur noch den Kopf und sagt: „Mami, nicht gut.“

Es tut mir leid für ihn, dass ich ihm in den letzten vier Wochen vor allem zeigen konnte, was nicht gut ist. Ich habe mich über jeden gefreut, der rücksichtsvoll die Situation gemeistert und mit gutem Beispiel – auch für unsere Kinder – vorangegangen sind. Deshalb danke ich an dieser Stelle heute den wenigen sehr rücksichtsvollen Autofahrern, dank derer ich die lebensgefährlichen letzten vier Wochen überlebt habe. Wir schließen euch in unser Nachtgebet ein.