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DRK- Ortsverein Bad Mergentheim - Betreuungsgruppe ist einsatzbereit / Übungsabend bestätigt Ausbildungsstand / Für Großschadensereignisse gerüstet

70 Minuten, dann ist das Essen fertig

Von 
Hans-Peter Kuhnhäuser
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Das „Akut“-Team der Betreuungsgruppe des DRK-Ortsvereins Bad Mergentheim konnte seine Schlagkraft bei einer Übung im Willinger Tal unter Beweis stellen. Das Bild zeigt (von links) die Küchencrew um Swen Rüdenauer, René Föhr, Marcel Zang und Daniel Galm. Die Betreuungsgruppe ist nun einsatzbereit. © Kuhnhäuser

Es war ein langer Weg, doch er wurde erfolgreich absolviert: Die Betreuungsgruppe des DRK-Ortsvereins Bad Mergentheim ist jetzt einsatzbereit. Eine Übung der Einsatzgruppe „Akut“ bestätigte den hohen Stand der Ausbildung.

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Bad Mergentheim. Es ist Montagabend, 19.30 Uhr, als eine kleine Kolonne von Fahrzeugen des DRK-Ortsvereins Bad Mergentheim zum Ausbildungszentrum im Willinger Tal fährt. Die Betreuungsgruppe zählt mittlerweile mehr als 20 aktive Mitglieder, am Montagabend sind fast alle mit dabei. Vom heute besonders geforderten „Akut“-Team der Betreuungsgruppe – es umfasst regulär sechs Personen – sind vier Aktive gekommen. „Einer oder zwei fehlen immer, wir sind ja alle ehrenamtlich tätig“, sagt Swen Rüdenauer.

Auf dem Programm steht eine mehr oder weniger spontan eingelegte Übung: Das „Akut“-Team soll zeigen, ob es die gestellte Aufgabe im vorgesehenen Zeitrahmen erfüllen kann: „Wir müssen heute in kurzer Zeit sicherstellen, dass bis zu 20 Personen eine warme Mahlzeit bekommen“, erklärt Gruppenleiter Gerd Drescher dem Reporter. Nach vielen Monaten der Vorbereitung und der Schulung wird es also „erstmals ernst. Heute wird sich zeigen, ob wir bereit sind.“

Die Betreuungsgruppe ist nicht für die Versorgung von Verletzten zuständig – „das ist Sache des Rettungsdienstes und der Schnelleinsatzgruppe Erstversorgung des Ortsvereins“, verdeutlicht Drescher. Vielmehr geht es um die Betreuung aller Hilfebedürftigen nach einem (Groß-)Schadensereignis. Das umfasst alle vom Ereignis geschädigten Personen, aber auch deren Angehörige sowie die Mitglieder der Hilfsdienste (zum Beispiel THW, Feuerwehr), die bei großen Schadensereignissen ja oft über einen langen Zeitraum am Einsatzort gebunden sind. „Heute üben wir die kleine Variante, also bis zu 20 zu versorgende Personen“, verdeutlicht Swen Rüdenauer. Die Einsatzbereitschaft ist schon abgehakt – 15 Minuten nach der Alarmierung sollen die Gruppenmitglieder am Sammelpunkt in der Rot-Kreuz-Straße sein. „Das hat schon mal geklappt“, betont Drescher und steigt ins Auto.

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Der Gruppenleiter wird an diesem Abend mit den meisten Mitgliedern der Betreuungsgruppe die „Statistenrolle“ einnehmen – sie sind die angenommenen hilfsbedürftigen Personen, die vom Akut-Team verpflegt werden sollen. Während der Zeit, in der die „Akut“-Mitglieder ihre Aufgaben angehen, leitet Drescher eine Auffrischung in Erster Hilfe – „wir sind ja Rotes Kreuz“. Die Gruppenmitglieder nutzen dieses Angebot mit viel Eifer.

Kaum angekommen am Zielort, packen Rüdenauer und seine Teamkollegen an: Der beladene Kleinlaster wird entleert – zum Vorschein kommen ein Zelt, das zu diesem Zeitpunkt natürlich noch in den Einzelteilen in Säcken auf den Boden ausgelegt wird, dazu die Kücheneinrichtung samt Lebensmitteln, Gewürzen, Wasserkanister, Besteck, Teller, Schöpfkellen und Rührlöffel. Außerdem Biertischgarnituren, Absperrungen, Thermobehälter und Scheinwerfer – gegen Abend und Nachts braucht man ja Licht. Da Schadensereignisse nicht im Voraus planbar sind, soll die Übung auch aufzeigen, ob alles dabei ist, was im Ernstfall benötigt wird. Und da wird schnell klar, dass intensives Nachdenken und Erfahrung in den Entscheidungsprozess eingebracht wurden. „Nichts fehlt, wir haben alles dabei, was wir brauchen“, wird Rüdenauer später sagen.

Ein letzter Blick auf die Uhr, dann legen die Teammitglieder los. Das Zelt ist schnell aufgebaut, und auch die Kücheneinrichtung wird in rascher Folge im Zelt platziert. Die Kochstellen werden mit den Gasflaschen verbunden, Töpfe und Pfannen finden ihren Platz, ebenso werden die Wasserkanister bereitgestellt. „Wir müssen Wasser dabei haben, weil ja am Schadensort möglicherweise kein Wasseranschluss vorhanden ist“, erklärt Marcel Zang.

Was auffällt: Alles läuft sehr routiniert ab, das Quartett arbeitet Hand-in Hand. Jeder weiß, was er zu tun hat und wo die diversen Gerätschaften und Ausrüstungsteile hinkommen. Auch einige Bierbänke und Tische werden aufgestellt.

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Punkt für Punkt abgehakt

Dann werden die Lebensmittel ausgepackt und die Töpfe und Pfannen befüllt. Es ist in der Tat erstaunlich, wie routiniert das alles erfolgt – die Taskliste ist virtuell, gleichwohl wird Punkt für Punkt abgehakt.

Die augenfällige Routine der Rot-Kreuzler hat Gründe: „Wir sind immer beim Sommer-Jugendzeltlager mit dabei, und da gehört ein Küchenzelt ja auch dazu“, sagt René Föhr. Schon ist die Küche bereit, die vier Akut-Männer werden zu Chefköchen und schwingen die Kochlöffel. Auf dem Speiseplan stehen Spiralnudeln, dazu – je nach Wunsch – Tomatensoße mit Fleisch oder eben als Veggievariante.

Während die übrigen Mitglieder der Betreuungsgruppe sich noch mit Fragen der Ersten Hilfe beschäftigen, schwebt schon der typische Camping-Kochduft durchs Küchenzelt. Derweil stellt Daniel Galm noch die Mineralwasser-Kästen bei den Biertisch-Garnituren ab.

Kurz darauf ist die Mahlzeit für die angenommenen 20 Betroffenen auch schon fertig. Die Nudeln kommen in einen Thermo-Behälter, die Soßen in entsprechende dickwandige Töpfe – der Ansturm kann kommen.

Schon gleich nach dem Ruf „Essen ist fertig“ erscheinen die „Statisten“. Und es gibt viel Lob für die Küchen-Crew: „Die Nudeln sind absolut auf den Punkt al dente“, sagen gleich mehrere weibliche Mitglieder.

Nur 70 Minuten sind bis zur Essensausgabe vergangen: Zelt aufbauen, Küche und Essensausgabe einrichten, Lebensmittel vorbereiten, kochen, Nudeln und Soßen umfüllen und bereitstellen – alles lief wie am Schnürchen, ebenso die Befüllung der Teller.

„Von Null auf 100 in einer Stunde und zehn Minuten, das haben wir uns so vorgestellt und das haben wir erreicht“, freut sich Rüdenauer. Somit hat das Akut-Team seine erste Bewährungsprobe bestanden – die ganze Betreuungsgruppe ist damit einsatzbereit, der selbstgewählte Schwerpunkt „Verpflegung“ ist gesichert.

Daneben gilt es im Ernstfall auch, den Hilfebedürftigen alle benötigten Dinge des täglichen Bedarfs zukommen zu lassen. Nach einem Großbrand in einem Mietshaus wären das beispielsweise Kleidung, Medikamente, Hilfe bei der Organisation einer Unterkunft oder die Bereitstellung und Einrichtung von Notquartieren in Turnhallen.

Gruppenleiter Gerd Drescher und Swen Rüdenauer sind zufrieden mit dem Verlauf der Übung. „Alles hat funktioniert“, betont Drescher, und Rüdenauer lobt den „planmäßigen Ablauf“. Die beiden Aktivisten haben schon den nächsten Schritt im Auge: Einen sechs bis achtstündigen Einsatz, bei dem 125 Personen betreut und versorgt werden müssen. Beide sind zuversichtlich: „Das schaffen wir auch!“

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