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Amtsgericht - Gewerbsmäßig mit Betäubungsmitteln gehandelt

39-Jähriger Dealer muss in Haft

Von 
Peter D. Wagner
Lesedauer: 

Bad Mergentheim. Bei einem Prozess am Bad Mergentheimer Amtsgericht musste sich am Mittwochvormittag ein 39-jähriger Mann wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen verantworten.

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Dem Angeklagten V. wurde zur Last gelegt, 2020 in insgesamt drei Fällen einen Handel mit verschiedenen Rauschmitteln betrieben zu haben, um damit seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Laut Anklageschrift handelte es sich im einzelnen um 1100 Gramm Amphetamine bei der ersten Tat, 14 Gramm Marihuana, 11,9 Gramm Kokaingemisch und 22 Gramm Amphetamine bei der zweiten Tat sowie 500 Gramm Marihuana bei der dritten Tat. Der Beschuldigte, der zu den möglichen Tatzeiträumen in Bad Mergentheim wohnte, hatte diese Mengen zu einem Gesamtbetrag in Höhe von rund 1900 Euro veräußert.

Der 39-Jährige wurde 1983 in Kasachstan geboren und kam 1990 mit seiner Familie nach Deutschland, wo er auch die Staatsbürgerschaft erlangte. Später war V., der Lagerarbeiter als Beruf nannte und seit 2006 Vater einer Tochter ist, entweder bei verschiedenen Firmen beschäftigt oder selbstständig tätig. Bei einer Verkehrskontrolle stellte die Polizei fest, dass er unter Drogeneinfluss am Steuer saß, worauf ihm die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Inzwischen lebt V. in Aschaffenburg und hat dort seit etwa sechs Monaten eine Festanstellung als Lagerleiter. Von der Mutter seiner Tochter lebe er seit langem getrennt, er habe jedoch mittlerweile regelmäßig Kontakt zu seinem Kind und beabsichtige, im September seine jetzige Partnerin zu heiraten. „Ich wollte ein neues Leben beginnen“, begründete er den Schritt, nach Aschaffenburg zu ziehen. Seinen Angaben nach habe er seit mindestens zwei Jahren keine Drogen mehr konsumiert. Zwei der vorgeworfenen Tatbestände räumte V. ein, während er zu dem dritten Fall keine Angaben machen wollte. Einen Antrag des Verteidigers auf Einstellung des dritten Anklagepunktes wurde nach einer kurzen Verhandlungsunterbrechung von der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Aufgeflogen seien die Machenschaften des Beschuldigten durch eine versehentlich fehlgeleitete Paketsendung mit Betäubungsmitteln in Nordrhein-Westfalen, worauf die dortige Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren eingeleitet habe. Das berichtete in seiner Zeugenaussage ein Kriminalbeamter, der damals in den Ermittlungsvorgang involviert war. Bei einer Durchsuchung seien Betäubungsmittel in der Wohnung des Beschuldigten gefunden worden.

„Es ist gut, dass es passiert ist, weil ich sonst wohl nicht davon weggekommen wäre“, sagte der 39-Jährige in Bezug auf seinen Drogenkonsum und den Handel mit Betäubungsmitteln. Keine wirklich belegbaren, sondern nur sehr vage Aussagen machte ein zweiter Zeuge. Er könne sich an viele Inhalte nicht mehr erinnern. Der jetzt 22-Jährige, der momentan in Augsburg eine dreijährige Gefängnisstrafe absitzt, hatte V. derzeit mit einigen Angaben schwer belastet, etwa, dass der Beschuldigte illegale Betäubungsmittel bei einem Dealer in Frankfurt besorgt haben soll. Der Sachverhalt habe sich ihrer Auffassung nach in der öffentlichen Verhandlung so bestätigt, zeigte sich die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer überzeugt. Demnach habe der Angeklagte, bei dem ältere Einträge im Strafregister unter anderem wegen Beleidigung und Nötigung vorlagen, in drei Fällen unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblichen Mengen betrieben. In Anbetracht dieser immensen Mengen forderte sie eine Gesamthaftstrafe von drei Jahren, außerdem den Ersatzeinzug in Höhe von fast 1900 Euro. Der Verteidiger zog den Wahrheitsgehalt der ursprüngliche Aussagen des 22-jährigen Zeugen in Zweifel. Insofern sei die Beweislage im dritten Anklagepunkt zu dünn. Daher plädierte er für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren, zumal sich der Angeklagte inzwischen resozialisiert und von der Drogenszene distanziert habe.

Dem wollte oder konnte das Schöffengericht zwar nicht folgen, jedoch blieb es sieben Monate unter der Forderung der Staatsanwältin. Zwei Jahre und fünf Monate Haft sowie Geldeinzug von rund 1900 Euro lautete das Urteil.

Einerseits hielt das Gericht dem Angeklagten insbesondere eine positive soziale Prognose zugute, andererseits spreche die hohe Menge der „verdealten“ Rauschmitteln gegen eine Bewährungsstrafe, resümierte die Schöffengerichtsvorsitzende und Direktorin des Bad Mergentheimer Amtsgerichts, Susanne Friedl.

Schließlich wies Friedl den 39-jährigen Verurteilen darauf hin, dass es für ihn bei guter Führung relativ frühzeitig die Möglichkeit gebe, als „Freigänger“ behandelt zu werden und so seiner Arbeit nachgehen zu können, sofern sein Arbeitgeber mitspielen würde.

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