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Benefizkonzert

Musikalischer Appell für Recht und Freiheit

Heeresmusikkorps Veitshöchheim nahm die Zuhörer in der Asmundhalle mit auf eine Reise durch die Welt der Musik. Erlös von 5740 Euro für gute Zwecke

Von 
Renate Henneberger
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Das Heeresmusikkorps Veitshöchheim begeisterte die Zuhörer in der ausverkauften Assamstadter Asmundhalle. © Renate Henneberger

Assamstadt. Mit einem vielfältigem Programm gastierte das Heeresmusikkorps Veitshöchheim am vergangenen Donnerstagabend in Assamstadt. Gemeinde und Reservistenkameradschaft hatten das Benefizkonzert organisiert und Durchgeführt., Der Erlös von 5740 Euro kommt je zur Hälfte den Sozialwerk der Bundeswehr sowie der Gemeinde zur Finanzierung gemeinnütziger Projekte zugute.

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Fünf Jahre ist es her, dass das Heeresmusikkorps sein Publikum in Assamstadt mit einem glänzenden Auftritt begeisterte. In dieser Zeitspanne hat sich die Welt verändert: Ein rätselhaftes Virus, hält die Menschheit fest im Griff, ein grausamer Krieg wütet mitten in Europa. „Ja, es gibt diesen Zwiespalt zwischen fröhlichem Musizieren, der Sehnsucht nach Normalität, nach Kunst und Kultur einerseits und der besorgniserregenden Weltlage andererseits“, gesteht Oberstabsfeldwebel Jörg Michael Fischer, Klarinettist und Pressesprecher des Heeresmusikkorps, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten und fügt hinzu: „Wir als Soldaten und Musiker kommen viel in der Welt herum und erleben, wie Musik Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen vereint. Wir möchten mit unserer Musik Freude bringen und unterhalten. Darüber hinaus verstehen wir uns als Botschafter des Friedens.“

Rund 40 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle hieß Bürgermeister Joachim Döffinger in der ausverkauften Asmundhalle willkommen. Schöner Musik lauschen, die Sorgen des Alltags für eine Weile hintenanstellen, das ist sein Wunsch für diesen Abend.

Ein feierliches Musikstück, bei dem Trompeten und Posaunen brillieren, sollte es sein. 1984 trat das Olympische Komitee von Los Angeles an den Komponisten John Williams mit einem besonderen Auftrag heran. Er löste die Aufgabe mit Bravour und schuf mit „Olympic Fanfare und Theme“ eine markante Eröffnungsmelodie für die Spiele von Los Angeles und den Auftakt zu einer spannenden, äußerst vielseitigen Reise des Heeresmusikkorps durch die Welt der Musik.

In eine fremde, versunkene Welt entführen die Musikerinnen und Musiker ihr Publikum. Zur Filmmusik von „Jurassic Park“, ebenfalls aus der Feder von John Williams, zeichnen sie in wechselnden Bildern die Schönheit einer unberührten Landschaft, den verstörend realistischen Angriff des Tyrannosaurus Rex und die panische Flucht der Menschen vor einer entfesselten Natur. Ehe sich die Zuhörer recht versehen, hat sie das Orchester mit ein paar Takten Musik zurück in die Gegenwart gebeamt. Spannend geht die Reise weiter, nach Hollywood, um einen Blick hinter die Kulissen der Filmstudios zu werfen. Orchester und Publikum tauchen ein in „Hans Zimmers World“, einem Medley schönster Filmmelodien des berühmten Filmkomponisten und „Soundtüftlers“ - fesselnd und höchst emotional interpretiert.

Vom sonnigen Kalifornien führt die Reise an die Ostküste. In einer rauchgeschwängerten Jazz Bar in Manhattan finden sich die Zuhörer wieder. Jemand spielt Trompete, unglaublich schön, bluesig, jazzig, verträumt. Hauptfeldwebel Matthias Müller hat mit Philip Sparkes „Saturday Serenade“ seinen großen Auftritt als Solo-Trompeter. Perlende Läufe, glasklar in allen Registern, ein warmer, weicher Sound, der in hauchiger Zartheit verklingt.

Szenenwechsel: Sonntagmorgen, ein flotter „Walk“ durch den morgendlich frischen Central Park in lebhaftem Rhythmus, die noch schläfrige Stadt hinter sich lassend. Wunderbar gelingt es Matthias Müller die unterschiedlichen Stimmungen einzufangen.

Die Musik spricht für sich allein

„Musik spricht für sich allein, vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance“, sagte der amerikanische Musiker Yehudi Menuhin. Gerade noch rechtzeitig vor der Pause erreichen Orchester und Zuhörer Philadelphia. Mit dem Marsch „The Liberty Bell“ ertönt die Freiheitsglocke – bis heute ein Symbol für das Streben nach Freiheit und Unabhängigkeit.

Auf dem Seeweg geht es zurück nach Europa, mit einem Geisterschiff, der vor mehr als 300 Jahren gesunkenen „Santo Christo de Maracaibo“, die mit sagenhaften Reichtümern beladen vor der Küste Galiciens auf ihre Bergung warten soll. Zu einem Shanty Song setzen geschäftige Matrosen die Segel. Stolz gleitet das Schiff durch die schäumenden Fluten, durch das wogende Meer von Klängen des Orchesters. Meisterhaft greifen die Musikerinnen und Musiker die Stimmungen und Eindrücke in José Albert Pinas „The Legend of Maracaibo“ auf – das wilde Kampfgetümmel einer Seeschlacht, wie die unendliche Stille des Meeres.

Ein Künstler der lauten wie der leisen Töne war auch der frühverstorbene Pop- und Jazzmusiker Roger Cicero. „A Tribute to Roger Cicero“ von Matthias Haß ist eine Hommage an den Ausnahmemusiker. Zwei Songs im Swing Sound mit originellen Texten trägt Oberstabsfeldwebel Michael Heinlein vor. „Murphys Gesetz“ – nicht genug, dass an manchen Tagen alles schiefläuft, da ist auch noch „Die Liste“, die abgearbeitet werden muss. Punkt für Punkt geht er sie mit dem Publikum durch und versichert mit Blick auf die weiblichen Zuhörer charmant mit leicht frivolem Unterton: „Du stehst ganz oben auf meiner Liste der noch zu küssenden Frauen“.

Am Ende der Reise angekommen, macht das Orchester noch einen Abstecher nach Skandinavien in die Glamour-Welt der 1970er Jahre und feiert mit „ABBA Symphonic“ eine ganz besondere Reunion des schwedischen Kleeblatts. Beliebte Songs im peppigen ABBA-Sound, mitreißend auf die Bühne gebracht nach einem anspruchsvollen Arrangement für Symphonisches Blasorchester von Michael Jerg. „Thank You for the Music“ spricht dem Publikum aus dem Herzen. Halt! Einer geht noch! Ein schmissiger Marsch, der die Herzen der Liebhaber klassischer Marschmusik höherschlagen lässt. Lebhaft und fröhlich kommt der „Viktoria Marsch“ daher, wie eine erfrischende Brise an diesem warmen Sommerabend. „Marschmusik geht in die Beine“, sagt man. Füße wippen, Köpfe nicken im Rhythmus, Finger trommeln den Takt.

Wie ansteckend sind Freude und Begeisterung! Nicht endend wollender Applaus, Standing Ovations und immer wieder Rufe nach einer Zugabe – die Menschen wollen die Musikerinnen und Musiker nicht gehen lassen. „Am Ende jedes feierlichen Appells erklingt die deutsche Nationalhymne. Mit ihr wollen wir unser Konzert beschließen“, erklärt Oberstleutnant Roland Kahle. Die Zuhörer erheben sich, eine feierliche Stimmung liegt über der Asmundhalle, viele singen den Text mit – vielleicht bewusster als sonst. Einigkeit, Recht und Freiheit haben in diesen unsicheren Zeiten ein anderes Gewicht, eine tiefere Bedeutung bekommen.

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