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Besonderer Ehrentag - Töpfer-, Ofensetzer- und Fliesenlegermeister Heinz Blesch feiert seinen 90. Geburtstag

Fürs Mittagsschläfchen fehlt ihm die Zeit

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een
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Assamstadt. Mit braun gebranntem Teint wie frisch aus dem Urlaub, vollem Haar und wachen Augen, die je nach Thema mal energisch, mal nachdenklich, mal verschmitzt blicken: So sitzt Heinz Blesch in seiner guten Stube. Wüsste man nicht, dass er am 5. Oktober 1931 das Licht der Welt erblickt hat, würde man nicht glauben, einem 90-Jährigen gegenüber zu sitzen. Mit aufmerksamem Geist erzählt er von früher, von heute, wechselt mühelos zwischen Einst und Jetzt, Ernsthaftem oder Lustigem hin und her. Und so manches Mal sieht man den Schalk in seinem Nacken sitzen.

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Die Handwerkstradition des Vaters fortsetzend, stieg Heinz Blesch nach einer vom Krieg geprägten Kindheit in den elterlichen Betrieb ein und erlernte den Beruf des Töpfers und Ofensetzers. Gut erinnert er sich an extra Holzzuteilungen für den Brennofen, um Gebrauchsgeschirr zu fertigen. „Es hat ja nichts mehr gegeben“, beschreibt er diese Notwendigkeit. Darüber hinaus wurden Kacheln gebrannt und Öfen gebaut. 1954 legte er seine Meisterprüfung ab.

Immer wieder zieht es Heinz Blesch in seine Töpferwerkstatt. An diesem Dienstag wird er 90 Jahre alt. © Englert

Doch bei dieser einen sollte es nicht bleiben. Als die Berufszweige Töpfer und Ofenbauer getrennt wurden, musste er die Meisterprüfung als Ofensetzer ablegen, um weiter Lehrlinge ausbilden zu dürfen. „Damals fing der Amtsschimmel an zu wiehern“, so der Seniorchef mit Kopfschütteln. Denn rein vom Betriebsablauf her habe sich ja nichts geändert.

Nur kurze Zeit später „wieherte“ der Amtsschimmel erneut in Bleschs Werkstatt hinein. Denn im Fliesenlegerhandwerk wurde die Meisterprüfung ebenfalls zwingend – der Ausbildung der Lehrlinge wegen. „Da hat man zehn Leute auf der Baustelle rumrennen und der Meisterbrief muss trotzdem her“, ärgert sich Blesch, vor allem, weil Jahre später dieses Erfordernis ad acta gelegt wurde, um aktuell wieder eingefordert zu werden.

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Daher zieren drei Meisterbriefe, drei goldene und inzwischen ein diamantener die Wände in der Töpferwerkstatt. Dem Töpfern geht der rüstige Senior freizeitmäßig noch immer nach. „Es ist heute wie damals dasselbe“, eine echte handwerkliche Tätigkeit. Einzig die Töpferscheibe werde mit Strom betrieben. „Wir sind moderner geworden“, lacht er.

Es scheint wie Fahrradfahren zu sein, man verlernt es nicht. Denn mühelos entsteht unter seinen Händen aus dem Tonklumpen eine formschöne Vase. Zahlreiche glasierte und rohe Schalen, Krüge und Gefäße zeugen von seiner Kreativität. Nachttöpfe wurden früher auch hergestellt, sagt er – und man sieht förmlich, wie es hinter seiner Stirn arbeitet und ihm lustige Anekdoten auf der Zunge liegen.

Apropos Fahrradfahren: Auch das gehört zu den Hobbys der Eheleute, wobei Heinz Bleschs Frau Gertrud es „ein bisschen verboten“ hat. Mit wenig Erfolg wie es scheint. Schließlich müsse er ja wissen, was im Ort so los ist, kontert er ungerührt in deren Richtung.

Überhaupt hat der Ruheständler ein für einen solchen recht umtriebigen Alltag. Nach Frühstück und ausgiebiger Lektüre der Fränkischen Nachrichten geht er ins Geschäft, es gebe schließlich viel Arbeit: „Ich mache das, was keiner machen will“, erklärt er. So etwa das Lager aufräumen oder hie und da ausgestattet mit Besen und Schaufel nach dem Rechten sehen. Überdies hält die Pflege der großen Hofreite ihn fit, Rasen mähen, Sträucher schneiden, „Gemüsegarten nur nach Auftrag“, schmunzelt er in Richtung Auftraggeberin.

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Nach der Mittagspause unternimmt er meist eine kleine Wanderung in den nahe gelegenen Wald. Für das Mittagsschläfchen fehlt Blesch die Zeit. „Vielleicht im Alter mal“, schiebt er froh gelaunt hinterher. Abends nimmt er nochmals die Zeitung zur Hand und schaut, ob er was übersehen hat. „Er lernt sie auswendig“, kommentiert augenzwinkernd seine Frau.

Das Interesse des Jubilars am Gemeindeleben und dem Zeitgeschehen spiegelt sich auch im Interesse am engsten Umfeld. Die Spielergebnisse seines TSV Assamstadt, dessen Gründungsmitglied er war, oder die Pflege guter Freundschaften zeugen hiervon. Der Sonntagnachmittag sei stets ein fester Termin, an dem man sich bis heute mit Freunden treffe, kleinere Unternehmungen mache und gesellig einkehre, so Blesch. Klar, dass der Radius nicht mehr so groß sei wie früher, meist bleibe man im Ort. Doch pflegte man seit jeher diese freien Stunden mit Familie und Freunden. Lieber arbeiteten die Geschäftsleute die halbe Nacht im Büro als den Sonntag zu opfern, betont er.

Seit der Geschäftsübergabe, die bestens vonstattengegangen sei, halte er sich diszipliniert raus, so der Seniorchef. Aber, gibt er zu, er unternehme täglich einen Kontrollgang durch die Ausstellung, allerdings nur, wenn keine Kundschaft zugegen sei. Und mit Stolz fügt er an: „Es ist für mich die größte Genugtuung zu sehen, wie sich das Geschäft entwickelt hat.“

Den sicherlich zahlreichen Glückwünschen zum 90. Geburtstag schließen sich die Fränkischen Nachrichten gerne an. een

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