Paukenschlag bei Gemeinderatssitzung - Elmar Haas wird bei der kommenden Bürgermeisterwahl nicht mehr antreten „Man muss auch loslassen können“

Von 
Sabine Holroyd
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Elmar Haas wird bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Ahorn nicht mehr antreten. Seine Entscheidung verkündete er am Dienstag bei der Gemeinderatssitzung in Eubigheim.

Bürgermeister Elmar Haas verzichtet auf eine weitere Kandidatur als Bürgermeister der Gemeinde Ahorn. © Sabine Holroyd
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Ahorn. Es ist 21.15 Uhr, als Bürgermeister Elmar Haas in der Turnhalle am Lernhaus den Tagesordnungspunkt 7 aufruft. Thema: Informationen zur Bürgermeisterwahl. Er erläutert ganz allgemein die Regularien und benutzt viele Konjunktive, als er beginnt, von seiner Person zu sprechen: „Ich könnte rein rechtlich noch einmal kandidieren . . .“, „Das würde bedeuten . . .“

Eine Ära geht zu Ende



Mit einem kleinen „Also“ begann Elmar Haas seine Stellungnahme, die für Ahorn große Folgen hat: Er wird nicht mehr als Bürgermeister kandidieren. Und deshalb heißt irgendwann im nächsten Jahr der Rathaus-Chef der Gemeinde nicht mehr Elmar Haas, so wie das in den vergangenen, mittlerweile fast 24 Jahren der Fall war.

Es wird eine große Umstellung sein – für die Bürger in den fünf Ortsteilen, für sein Team in der Verwaltung, für die Gemeinderäte. Auch für ihn bricht dann eine neue Ära an, eine Zeit mit viel Zeit für sich selbst und die Familie. Dass ihm, dem Vollblut-Bürgermeister, diese Entscheidung sehr schwergefallen ist, nimmt man ihm ab. Und das Schweigen der Ortsvorsteher und Gemeinderäte nach seiner Verkündung sprach Bände. Damit hatte wohl fast niemand gerechnet.

Wer immer ihm nachfolgt, wird in sehr große Fußstapfen treten.

Keine leichte Entscheidung

Und dann leitet er zu dem alles entscheidenden Satz über: „Nach langen, langen Überlegungen und schweren Herzens habe ich mich entschlossen, nicht mehr zu einer Wahl anzutreten.“ In diesen Satz flicht er noch mit ein, dass ihm das Amt nach wie vor Freude bereite und er seine Arbeit in all den Jahren auch gern gemacht habe. In der Turnhalle ist es still.

Elmar Haas erklärt seine Entscheidung: „Ich werde im Sommer 62 Jahre alt und werde am 12. Januar 2021 24 Amtsjahre hinter mir haben. Würde ich noch einmal antreten und die Wahl gewinnen, wäre ich am Ende der Amtsperiode ein sehr alter Bürgermeister von stolzen 70 Jahren“.

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Die Möglichkeit, nach einer Wiederwahl nicht mehr die gesamte Amtsdauer durchzuarbeiten, kommt für ihn nicht in Frage: „Ich mache lieber jetzt zur Wahl einen Schnitt, als nach zwei, drei Jahren einfach zu verkünden, dass ich aufhöre. Und wenn man aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen muss, ist das kein schönes Ende und für die Gemeinde auch nicht gut.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Es ist immer besser, wenn die Leute sagen: ,Schade, dass er aufhört!‘ als ,Gott sei Dank hört er auf!‘. Elmar Haas: „Man muss auch loslassen können.“

Bis der neue Bürgermeister oder die neue Bürgermeisterin das Amt antritt, wird er die Geschäfte weiterführen. Der frühestmögliche erste Arbeitstag des Nachfolgers oder der Nachfolgerin ist der Tag nach dem Ausscheiden des bisherigen Amtsinhabers, so die rechtliche Regelung.

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Wegen Corona und seinen Unwägbarkeiten steht nun der Wahltermin zur Diskussion. Der frühestmögliche wäre am 18. Oktober, gefolgt vom 8. November. Die letzte Möglichkeit wäre der 11. April.

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Eine weitere Option wäre der Tag der Landtagswahl, am 14. März 2021. Noch vor der Sommerpause will der Gemeinderat sich auf einen Termin festlegen. Hauptamtsleiterin Johanna Scherer erläuterte in der Sitzung, dass der vom Gemeinderat festgesetzte Termin dann nicht mehr verschoben werden kann. Die Wahl dürfe dann nur noch vom Landratsamt als Rechtsaufsichtsbehörde abgesagt werden.

„Ordentliche“ Wahl erwünscht

„Uns ist wichtig, dass wir eine ordentliche Wahl durchführen können, also dass ein ordentlicher Wahlkampf stattfinden kann, die Bürger die Bewerber kennenlernen und dann auch ordentlich wählen können“, sagt Elmar Haas, momentan übrigens der dienstälteste Bürgermeister im Main-Tauber-Kreis. Man habe natürlich auch die Möglichkeit, den Wahltag einfach festzulegen. Aber, so die Meinung von Elmar Haas: „Eine Wahl wie in Lauda-Königshofen oder in Schöntal mitten in Coronazeiten ist dann nicht ganz so erfreulich.“

Mit dem Ende seiner Amtszeit wird Elmar Haas automatisch aus den mit dem Bürgermeisteramt verbundenen Tätigkeiten ausscheiden, also als Kreisverbandsvorsitzender des Gemeindetags Baden-Württemberg und als Mitglied des Verwaltungsrats im Rechenzentrum in Stuttgart. Positionen, die nicht direkt mit dem Bürgermeisteramt im Zusammenhang stehen, also zum Beispiel sein Sitz im Kreistag, wird er weiter bekleiden.

Im Gespräch mit den FN bezog der stellvertretende Bürgermeister von Ahorn, Christian Heckmann, am Mittwoch Stellung zu der für viele überraschenden Entscheidung von Elmar Haas: „Als kleine Gemeinde Ahorn konnten und können wir froh sein, so einen professionellen und top ausgebildeten Bürgermeister zu haben. Ich weiß, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist, jedoch gönne ich es ihm persönlich sehr, dass er noch so fit ist und sich jetzt dann endlich einmal Zeit für sich selbst nehmen kann“.

Christian Heckmann sprach auch die hohe Belastung eines Bürgermeisters wie Elmar Haas an, der sein Amt stets zu hundert Prozent ausfüllt. Der stellvertretende Bürgermeister nannte Elmar Haas’ Entscheidung „sehr respektabel“. Er ist sich sicher, dass die Bürger von Ahorn das genauso sehen, „wenn auch mit einem weinenden Auge“.

Nun werde es spannend, meint Christian Heckmann. Schließlich sei Elmar Haas seit fast 24 Jahren im Amt. Die jüngeren Menschen in der Gemeinde Ahorn haben schließlich noch nie einen anderen Bürgermeister als ihn erlebt: „Als er das erste Mal gewählt wurde, war ich noch ein Kind“.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim