In Zeiten von Corona - Nachfrage nach Hundewelpen zuletzt in die Höhe geschnellt / Die Eubigheimer Paul und Petra Offner als Fachleute geben wertvolle Tipps, was zu beachten ist „Keine Plüschtiere“, die in der Ecke stehen

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Elisabeth Englert
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Eubigheim. Camillo wirkt entspannt, obwohl er die fremde Besucherin mit dem Fotoapparat aufmerksam im Blick hat. Seine knallrote Leine, die perfekt mit seinem rabenschwarzen, glänzenden Fell kontrastiert, baumelt entspannt an der Hand seines Herrchens Paul, der – wie kaum anders zu erwarten – ebenfalls völlig entspannt sein umfangreiches Wissen über Hunde preisgibt.

Paul und Petra Offner mit Zwergschnauzer Camillo. © Elisabeth Englert

Quirliger Geselle

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Der Zwergschnauzer schwarz, so der offizielle Rassename, heißt mit vollständigem Namen Camillo vom Leonhardter Hof und sein Herrchen Paul Offner. Inzwischen lebt der quirlige Geselle schon viele Jahre in dessen Familie und war in jungen Jahren ein richtiger Abräumer, kürte man ihn einst doch zum schönsten Zwergschnauzer Baden-Württembergs – bei über 6000 Konkurrenten eine bemerkenswerte Auszeichnung. Sein langjähriger Mitbewohner, Riesenschnauzer Nero, musste Ende 2020 von den Altersleiden eines Hundelebens erlöst werden.

Mit beiden Vierbeinern waren Paul, seine Frau Petra und die beiden Kinder auf zahlreichen Ausstellungen quer durchs Land, vom Bodensee bis Grevenbroich, vertreten. Nicht zuletzt aufgrund dieser fachbezogenen, wissensvermittelnden Ausstellungen, Prüfungen und der generell umfassenden Erfahrungen kann man sie als Fachleute und wahre Hundeversteher bezeichnen.

Vor diesem persönlichen Hintergrund sei es für sie schwer nachvollziehbar, von welchen Kriterien sich potenzielle Hundehalter mitunter leiten ließen. Gerade die jüngste Zeit des Abstandhaltens und der Kontaktbeschränkungen ließ die Nachfrage nach Welpen in die Höhe schnellen. Ein niedliches, knuddeliges Knäuel als Seelenstreichler, Tröster in der Einsamkeit oder Beschäftigungstherapeut für die Kinder, schien für viele ein verlockender Gedanke. Angesichts dessen beschleichen die Tierliebhaber Zweifel, ob Für und Wider gut abgewogen, der Entscheidungsprozess reiflich wurde.

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„Das Schlimmste, was man machen kann, ist spontan einen Hund zu kaufen“, stellt der 52-Jährige klar. Obwohl beide schon von klein auf mit Vierbeinern aufgewachsen seien, haben sie sich im Vorfeld intensiv mit ihren neuen Tieren auseinandergesetzt und ihre Kinder miteinbezogen, denn „Hunde sind komplette Familienmitglieder.“ Fest stand von vorherein, dass ihr Vierbeiner zur Wohnung passen müsse. Bei Haus und riesigem Garten, durfte es also schon was Größeres mit Bewegungsdrang sein.

Als der Getriebebauer einen Riesenschnauzer erblickte, sei das fast wie die berühmte Liebe auf den ersten Blick gewesen, so einen wolle er. Infolgedessen informierten sie sich intensiv beim VDH, dem Verband für das Deutsche Hundewesen, sowie weiteren einschlägigen Quellen über Eigenschaften, Naturell und Bedürfnisse der Schnauzer. Und wie schön – als freundlicher, kluger und ausdauernder Familienhund mit Widerstandsfähigkeit und einem gesunden Misstrauen gegenüber Fremden habe er perfekt gepasst. Darum habe man sich für einen reinrassigen Spross der Schnauzerfamilie entschieden, „da sind die Wesenszüge bekannt“, erklärt Petra Offner. Unliebsame Überraschungen seien minimiert, man wisse im Großen und Ganzen, was man bekomme, nämlich einen temperamentvollen Draufgänger von respekteinflößender Größe mit zuverlässigem Schutztrieb, der gern belle. Sein ausgeprägter Wille erfordere bereits im Jugendalter eine konsequente Erziehung.

Florierender Welpenhandel

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Nun galt es, einen Züchter zu finden, der einen Welpen in die Obhut der Familie gibt. „Kein seriöser Züchter verkauft dir am Telefon einen Hund“, erklären beide unisono und spielen damit auf den aktuell florierenden Welpenhandel im Internet an. Seriöse, unter dem VDH stehende Züchter würden regelmäßig kontrolliert, zertifiziert, alles laufe transparent ab, die Jungen blieben etwa zwölf Wochen bei ihrer Mutter, seien gesund und geimpft, im Gegensatz zu „Wühltisch-Welpen“, die viel zu früh der Mutter entrissen, ungeimpft, krank und (hunde-)elend seien und oft die ersten Lebensmonate nicht überstünden.

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Für ihre „Züchter“ seien sie weniger Lebewesen, als vielmehr eine Lizenz zum Gelddrucken. Dass Letztere günstiger seien, liege auf der Hand, doch spare man hier am falschen Ende. Darüber hinaus stünden seriöse Züchter, ebenso wie die Hundevereine, mit Rat und Tat zur Seite, verweist die Tierfreundin auf den Unterschied und erinnert sich an den Anruf von Camillos Züchter, wie denn dessen erste Nacht im neuen Heim verlaufen sei.

Außerdem müsse man sich nicht nur über Hund ja oder nein im Klaren sein, auch der finanzielle Aspekt spiele eine Rolle. Futter, Tierarztkosten, Versicherung, Hundesteuer, Bedarfsartikel, da komme einiges zusammen. Familienurlaub schlage besonders zu Buche, sei es die Unterbringung in einer Tierpension oder der Vierbeiner gehe mit auf die Reise und bedürfe eine seiner Größe angepasste Unterbringung. Sie wissen, von was sie reden, denn „unser Auto war mit Kindern und Hundetransportboxen voll und unser Gepäck musste aufs Dach“, erinnern sich beide lachend.

Pflege ein Kriterium

Auch die Pflege stelle ein Kriterium dar, verliere das Tier sein Haarkleid „büschelweise“ oder haare er kaum und müsse im Gegenzug getrimmt oder gar in einen Salon gebracht werden.

Seien dann alle Für und Wider abgewogen und der Familienzuwachs da, gelte es, seinem Wesen entsprechend zu agieren. Besuche in der Welpenschule, damit er kein Einzelgänger wird, sowie Erziehung auf dem Hundeplatz findet Offner nicht nur empfehlenswert, sondern erforderlich. Sie müssten lernen zu gehen, denn „wenn 40 Kilogramm an der Leine ziehen, werfen sie dich um“. Dies sei besonders unerlässlich, wenn Kinder mit großen Tieren unterwegs seien. Drum war es ihnen wichtig, dass Tochter Philine beim Jugendhandling das richtige Händchen im Umgang mit den Hunden erlernte, was bestens gelungen sei, denn sie heimste zahlreiche Pokale ein.

Überhaupt seien nicht die Tiere das Problem, vielmehr derjenige, der die Leine hält. „Zu 75 Prozent wird der Halter erzogen“, gibt der zweite Vorsitzende der Ortsgruppe Odenwald-Tauber des Pinscher-Schnauzer-Klubs 1895 zu bedenken. Dieser gehört zur Landesgruppe Baden, die wiederum Teil des deutschlandweit agierenden Klubs in Remscheid ist.

Klare Befehle nötig

Klare Befehle, klare Gestik und Mimik und eine klare Linie seien unabdingbar. Beim Gassigehen, bis zu viermal am Tag, werde das in der Schule Gelernte geübt und vertieft. Je nach Größe und Rasse müsse man vom kurzen Spaziergang bis zum 5-Kilometer-Lauf planen. Ein Hütehund, der sich unablässig in Bewegung befinde, habe einen ganz anderen Bewegungsdrang als ein Mops, der als Begleithund beim Joggen wenig Freude bereite. Außerdem dürfe man nicht „zartbesaitet“ sein, man müsse bei Wind und Wetter gehen, auch früh morgens nach einer langen Nacht.

Jahrelange Bindung

Zudem müsse man sich der jahrelangen Bindung bewusst sein, die man eingehe. „Es sind keine Plüschtiere, die man schnell in die Ecke stellen kann“, gibt der leidenschaftliche Schnapsbrenner zu bedenken. Auch von dieser Hobbywarte aus betrachtet schien Riesenschnauzer Nero perfekt zur Familie zu passen, bezeichnete man diese rauhaarigen Begleiter als „Bierschnauzer“, oblag ihnen früher in München die Pflicht, die Bierfuhrwerke zu bewachen, wenn die Kutscher die Fässer auslieferten.

Geduld ein guter Begleiter

Geduld, Verständnis und Zuwendung seien zwingend. Diese Fähigkeiten sowie ein wohlüberlegter Entscheidungsprozess ebneten den Weg zum harmonischen Miteinander, so dass sich der beste Freund des Menschen (pudel-)wohl fühle.

Nachdem Camillo seinen großen Gefährten vermisse, darf man gespannt sein, ob Offners erneut auf den Hund kommen. Diese Entscheidung sei noch nicht final ausdiskutiert, wenn auch eines feststeht: „Wenn, dann auf jeden Fall wieder ein Schnauzer.“