Lernhaus Ahorn - Bildungseinrichtung hat sich um den „Deutschen Schulpreis 2021 Spezial“ beworben „Ganzheitliches Lernen schon immer unsere Idee“

Von 
Elisabeth Englert
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Rektorin Carmen Stemmler (Zweite von links) mit den Schülerinnen Mia und Lina sowie mit den aus dem Home-Office zugeschalteten Lehrkräften in der Zukunftswerkstatt. © Elisabeth Englert

Ahorn. Jammern, mit der aktuellen Situation hadern, den Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass die Krise vorüber ist, wenn man ihn wieder herauszieht oder diese als Chance betrachten, neue Wege einschlagen, Neues erproben – das Lernhaus Ahorn hat sich ganz bewusst für Letzteres entschieden. Denn klar ist für Rektorin Carmen Stemmler, „das Home-Learning wird auch nach Corona nicht aufhören“, hybrides Lernen bleibe dem Schulalltag erhalten. Darum habe man sich für den „Deutschen Schulpreis 2021 Spezial“ beworben, der innovative Konzepte auszeichnet, die Schulen im Umgang mit der Pandemie entwickelt haben und die das Lernen und Lehren langfristig verändern können.

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366 Schulen sämtlicher Schularten aus allen 16 Bundesländern, dazu 25 deutsche Auslandsschulen, gingen an den Start. Man habe schon in der Vergangenheit mit der Teilnahme am „normalen“ Schulpreis geliebäugelt, doch schreckte der hohe Dokumentationsaufwand etwas ab. Die „Spezial“-Auslobung hingegen bewerte „nur“ Umgang, Erfahrungen und Herausforderungen mit der Krise.

„Mehrperspektivisches und ganzheitliches Lernen war schon immer unsere Idee“, nun habe Corona als Beschleuniger die Prozesse weiter vorangetrieben. Denn in der Schulschließungsphase kristallisierte sich immer mehr heraus, dass Gemeinschaft gestalten, pflegen und leben die Arbeit am Lernhaus ausmache.

Die Kernkompetenz und Stärke liege in der sehr guten Teamstruktur. So führe man Entscheidungsprozesse demokratisch unter Einbindung aller am Schulleben Beteiligten.

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Die „Zukunftswerkstatt“, ein Begriff, der im Unterrichtsalltag, so selbstverständlich wie Deutsch oder Mathematik auf dem Stundenplan zu finden sei, biete hier ideale Möglichkeiten.

„Das ist unser Herzstück“, betont Carmen Stemmler, davon gehe recht viel aus wie etwa Toleranz, Verantwortung, Nachhaltigkeit und dergleichen. Dieses „Leitfach“ werde von den anderen Fächern „gespeist“.

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Doch was genau steckt hinter diesem Fach? Vor fast zehn Jahren habe sich die Schulfamilie gegen Fächer und für ganzheitliches, mehrperspektivisches Lernen entschieden, woraus sich die Dinge wie Zukunfts-, Natur, Kunstwerkstatt und Ähnliche entwickelten. So gelinge der Spagat zwischen den bildungspolitischen Vorgaben des kompetenzorientierten Bildungsplans und der vor Ort angewandten Methodik.

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Geschichte, Geografie, Gemeinschaftskunde sowie ab Klasse sieben Wirtschaft/Beruf/Studienerziehung prägen seither die Zukunftswerkstatt. Dies erfordere ein hohes Maß an Vernetzung und Abstimmung der Lehrkräfte, wobei diese im Idealfall als Ideengeber Impulse setzen.

Die Kinder dürften mitgestalten, die Lehrkraft reagiere auf deren Themen. „Dies ist gerade für junge Kollegen eine Herausforderung“, lobt Stemmler deren Engagement.

Sowohl im Zusammenhang mit der aktuellen Situation, als auch der Selbstverpflichtung des Weltethos-Gedankens entsprechend, habe man die Zukunftswerkstatt weiterentwickeln und vertiefen wollen. Man sah die Notwendigkeit, die Nebenfächer im Verbund nicht nur aneinanderzureihen und zu verbinden, sondern einen „Rahmen entstehen zu lassen“, der ganzheitliches und mehrperspektivisches Denken und Lernen noch stärker ermögliche.

Neben fachbezogenen rückten nunmehr soziale und personale Kompetenzen verstärkt in den Vordergrund. Zugleich sollten durch die Erfahrungen im Home-Learning die Achtsamkeit sowie die medialen und digitalen Kompetenzen wachsen.

Darüber hinaus solle das Jahresthema „ich so – du so“ den Blick auf „mein Leben, meine Zukunft“, gleichzeitig aber auch auf das Gegenüber und sogar in die Welt hinaus lenken. Durch die Pandemie bedingt richte sich zwangsläufig der Blick auf die eigene Situation, dass nichts selbstverständlich sei, gegebene Strukturen, plötzlich nicht mehr in der gewohnten Form da seien. Dies betreffe konkret den Präsenzunterricht, den gemeinsamen Schulweg, die großen Pause mit Freunden im Gegensatz zum eigenverantwortlichen Arbeiten zu Hause mit an mögliche Tagesabläufe angepassten Wochenplänen.

Ziel sei es, die Zukunftswerkstatt als „(m)ein“ Fach erfahrbar zu machen. Zwar finde fächerübergreifendes Erarbeiten des Leitthemas in den Lerngruppen eins bis zehn aktuell nicht statt, doch sei Offenheit und Transparenz allen Schülern gegenüber gewährleistet, so dass dennoch das Bewusstsein geschärft werde, an der Zukunft mitzugestalten.

Die vielen einzelnen Konzepte seien laut den Juroren des Wettbewerbs wie Puzzleteile aufeinander abgestimmt, so dass sie ein stimmiges Ganzes ergäben. Groß war daher die Freude bei Rektorin Stemmler sowie den beiden Mitverantwortlichen Sandra Lorenz und Ute Schweizer, dass ihre Bildungseinrichtung die nächste Runde erreichte. Ende Februar finden Präsentationsforen mit allen noch im Rennen befindlichen 121 Schulen statt, beratend und begleitend mit einer Jury aus Experten aus Wissenschaft und Praxis.

Hierbei könne das Lernhaus seine Konzeptentwicklung vorstellen und gemeinsam weiter denken. Am Ende entscheidet die Kommission über die Nominierung, woraufhin im März virtuelle Hospitationen erfolgen.

Ende des Monats stehe dann die die endgültige Entscheidung des unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehenden Wettbewerbs an.

Ein gespannter Blick in die Zukunft oder um es mit Stemmlers stets an den Abschlussfeiern zitierten Worten zu beschreiben: „Man kann die Zukunft nicht vorhersagen – man kann aber auf die Zukunft vorbereitet sein.“