FN-Interview - Roswitha Scherer-Gehrig gibt am Samstag zusammen mit ihrer Bühnenpartnerin Birgit Dietrich die allerletzte Vorstellung als Kabarett-Duo "MOS-kitos" "Eine spannende, bereichernde Zeit"

Von 
Sabine Holroyd
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Bald gehören die MOS-kitos der Vergangenheit an: Am Samstag, 7. Oktober, gastiert das scharfzüngige Duo letztmals mit seinem Programm "Schluss mit Lustig" - und zwar in Eubigheim.

Roswitha Scherer-Gehrig gastiert am Samstag, 7. Oktober, mit ihrer Bühnenpartnerin Birgit Dietrich als Duo "MOS-kitos" im Lernhaus in Eubigheim. Dies ist gleichzeitig auch die Abschiedsvorstellung der beiden Kabarettistinnen.

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Eubigheim. Roswitha Scherer-Gehrig ist ein Teil der MOS-kitos und stammt aus Eubigheim. Zusammen mit ihrer Bühnenpartnerin Birgit Dietrich gastiert sie in ihrer Heimat - dort, wo sie auch nach all den Jahren immer noch die "Roswidda" ist. Im FN-Interview ging es um Herzklopfen, Hintersinniges und Heimat.

Frau Scherer-Gehrig, wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihren nächsten und letzten Auftritt am 7. Oktober denken? Wird man da nicht wehmütig?

Roswitha Scherer-Gehrig: Doch, schon! 17 Jahre Kabarett sind ja wirklich eine lange Zeit. Fast hätten wir die Volljährigkeit erreicht. Aber wie Frauen halt so sind - einfach schneller - ist mit 17 schon "Schluss mit Lustig".

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Und "back to the roots" bedeutet für mich natürlich noch mehr Herzklopfen.

Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

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Scherer-Gehrig: Persönliche Veränderungen und größere Investitionen vor allem in die Technik haben uns diese Entscheidung treffen lassen.

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17 Jahre MOS-kitos - wie sehen Sie diese Zeit im Rückblick?

Scherer-Gehrig: Auf jeden Fall als eine spannende und bereichernde Zeit. Am Anfang die Unsicherheit, ob die Menschen das, was wir zu sagen und zu singen haben, überhaupt hören wollen.

Dann die immer größer werdende Zustimmung und Beliebtheit bis hin zu Aufforderungen wie zum Beispiel: "Bring doch des Anna noch mal auf die Bühne!" haben uns auch über Zweifel und Durststrecken getragen. Und die gab es natürlich auch.

17 Jahre Kabarett heißt für uns ja auch 17 abendfüllende Programme. Im Schnitt sieben bis zehn neue Stücke. Das muss man erst mal auf das Papier bringen. Das heißt, das ganze Jahr über Beobachten, Notieren, Austauschen. Also auch ein recht zeitaufwendiges Hobby.

Was haben Ihnen diese Jahre persönlich gebracht?

Scherer-Gehrig: Herzklopfen, Schweißausbrüche, Lachfalten. Die Zustimmung und Unterstützung, die ich erfahren habe, hat natürlich mein Selbstbewusstsein gestärkt. Die Veränderungen in 17 Jahren hat durch das Kabarett eine andere Richtung genommen, vielleicht eher ins kritisch Politische.

Wie hat sich das Kabarett Ihrer Meinung nach gewandelt im Laufe der Zeit? Hat es sich überhaupt verändert?

Scherer-Gehrig: Es hat sich stark verändert. Früher hieß es ja schon "Schwierige Zeiten bringen Kabarett hervor", aber heutzutage leider nicht nur Kabarett und gute Comedy, sondern auch viel Nonsens.

Das, was dem Zuschauer manchmal angeboten wird, tut fast schon körperlich weh. Und es gibt ja eine Flut von Angeboten, in der nur derjenige überlebt, der gut schwimmen kann.

Sie stammen aus einer Fastnachterfamilie. Wann haben Sie denn das erste Mal Ihr komödiantisches Talent bewiesen?

Scherer-Gehrig: Oh je, das ist ja schon so lange her. Ich denke, dass ich ungefähr drei Jahre alt war, als ich zusammen mit meinem großen Bruder die ersten Gedichte vorgetragen habe. Mein Vater hat diese Gedichte selbst geschrieben und somit den Grundstein gelegt.

Was bedeutet Ihnen Eubigheim?

Scherer-Gehrig: Heimat! Obwohl ich mit 19 von zu Hause weggezogen bin, bleibt Eubigheim für mich Heimat. Ich bin sehr dankbar für meine geborgene Kindheit.

Als Familienmensch versuche ich den Kontakt nicht nur zu meinen Geschwistern und deren Familien zu halten, sondern auch zu der Großfamilie.

Ich fühle mich immer noch integriert, wenn ich zu Veranstaltungen und Besuchen nach "Eubi" komme oder im Dorf Menschen treffe, mit denen ich mich einfach unterhalten kann: "Ah Roswidda, bischt a widder do!"

Was darf Ihr Publikum am 7. Oktober in Eubigheim erwarten?

Scherer-Gehrig: Hintersinniges, pointenreiches Kabarett, das den Alltagswahnsinn unserer Zeit beleuchtet. Postfaktisch und schonungslos wird vieles offengelegt, woran unsere Gesellschaft leidet.

Scharfzüngig und voller Ironie fordern wir: Schluss mit Kuscheln im Ehebett, Schluss mit analoger Korrespondenz, Schluss mit dem Verhätscheln der Kinder und deren Erziehungsgehilfen, Schluss mit unnützen Geschenken. Dem banalen Alltags-Harakiri zeigen wir unsere spitzen Stacheln, denn das ist nur mit Dope zu ertragen.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim