„Die Asphaltkolonne ist bestellt“ - Baumaßnahmen an Straßen und Radwegen in Eubigheim biegen auf die Zielgerade ein Amphibientunnel als besonderes Schmankerl

Von 
Elisabeth Englert
Lesedauer: 

In Eubigheim, da geht was. „Die Asphaltkolonne ist bestellt“, kündigt Bauleiter Falk Dötter an und stellt damit ein Ende der Baumaßnahme in Aussicht.

Blick in den Amphibientunnel. © Elisabeth Englert
AdUnit urban-intext1

Eubigheim. Doch bevor man hinsichtlich der Ortsausfahrt Richtung L 514 auf die Zielgerade eingebogen ist, musste innerhalb der umfangreichen Straßenbau- und Radwegeprojekte zunächst im Bauabschnitt eins die Anbindung der K 2840, aus Hohenstadt, kommend an die L 514 fertiggestellt werden.

Enorme Erdbewegungen nötig

Um das landwirtschaftliche Urgelände für die Straßenführung zu ebnen, waren enorme Erdbewegungen, um genau zu sein etwa 9000 Kubikmeter, erforderlich. Durch die Verwendung des beim Bauabschnitt zwei abgetragenen Erdaushubs, die Straße musste vom Fließgewässer weg, weiter in den Hang, wurden hier Synergieeffekte erzielt.

Darüber hinaus wurden innerhalb dieser Maßnahme mehrere Radwegabschnitte des Radwegenetzes des Main-Tauber-Kreises optimiert: von der Kläranlage bis zur alten K 2840, von der Schule in der Gemeinde Eubigheim bis zur Gemarkungsgrenze an der A 81, als auch von der A 81 bis zur K 2837 Richtung Uiffingen auf Boxberger Gemeindegebiet.

AdUnit urban-intext2

Mit dem Neubau des Radwegs vom Ortsanschluss, parallel zu Kreisstraße und Bach, geht nun ein langgehegter Wunsch der Radler in Erfüllung, die Lücke im Radwegenetz wird geschlossen und der Brückenschlag zum Neckar-Odenwald-Kreis mit seinen attraktiven Radwegen wie dem Grünkern-, Limes- oder Skulpturenradweg geschaffen.

Die Feuchte im Untergrund stellte Planer und Baustellenteam vor große Herausforderungen. „Das war schon hart“, erinnert sich Dötter an die Probeschürfe in der Tiefe, die sich letztendlich im Umdenken in der Bauausführung niederschlugen, was natürlich einen zeitlichen und arbeitstechnischen Mehraufwand nach sich zog. Aktuell werde bei der Straße, als auch am Radweg das „Schotterplanum“ hergestellt, also die oberste Schicht, auf der der Asphalt aufgebracht werde.

AdUnit urban-intext3

Beim Boden unter der ursprünglichen, alten abgefrästen Asphaltschicht bestand der Verdacht einer Belastung des Untergrunds auf Teer, so dass er als „abgedecktes Haufwerk“ zwischengelagert wurde und die Baustelle zierte, bis die Analytik im Labor zum Ergebnis kam, es müsse als gefährlicher Abfall sonderentsorgt werden.

Neues Wahrzeichen?

AdUnit urban-intext4

Die 240 Meter lange Blocksatzmauer, die bereits scherzhaft als „neues Wahrzeichen Eubigheims“ bezeichnet werde und bei der Steine mit einem Gesamtgewicht von 1400 Tonnen verarbeitet wurden, stelle im Gegensatz zur Stahlbetonmauer oder zur „freien Böschung“ die beste Alternative dar. Gerade die freie Böschung wäre mit einem erheblichen Geländeverbrauch einhergegangen während eine Stahlbetonmauer optisch in keiner Weise reizvoll gewesen wäre. Das aus der Böschung drängende Wasser werde durch einen „Sickerstrang“ sowie im Blocksatz liegender Drainagen abgeleitet.

Um die Verkehrssicherheit der Radfahrer zu gewährleisten, werden diese mittels einer „Einfädelspur“ kurz vor Ortsbeginn auf die Kreisstraße geleitet. Hohe Bordsteine, eine kleine „Insel“ sowie eine leichte Fahrbahnverjüngung bedingen eine Geschwindigkeitsdrosselung der Autofahrer. Dies zieht, zusammen mit der Fahrbahnverengung zum Ortseingang hin – der Blocksatz rückt sichtbar vor – eine Erhöhung der Verkehrssicherheit innerorts nach sich.

Bauüberwacher aktiv

Stets begleitet wurde das umfangreiche Bauprojekt vom ökologischen Bauüberwacher, der „dafür Sorge trägt, dass die ganzen ökologischen Aspekte berücksichtigt werden“, so beispielsweise die Aufrechterhaltung des Feuchtbiotops, dessen Flora und Fauna erhaltenswert sei. Ganze Habitate von Sumpfdotterblumen wurden umgepflanzt. War dies noch relativ einfach umzusetzen, beanspruchten die Amphibien, deren natürlicher Lebensraum durchschnitten wurde, eine weitaus höhere Zeit- und Arbeitskomponente.

Zum einen wurde der Oberboden vorsichtig abgetragen und ausgeschüttelt, um dadurch ein Auslesen der darin befindlichen Eidechsen zu ermöglichen. Zum andern werden zwei Amphibientunnel mit gleichzeitigen Leiteinrichtungen gebaut, um diesen Tieren ein gefahrloses Queren von Straße und Radwegen zu ermöglichen.

Letztere – stark vereinfacht Bleche in L-Form – verhindern die Querung an beliebiger Stelle und führen Amphibien, Kleinsäuger, Insekten und dergleichen lückenlos zu den dafür vorgesehenen Durchlässen. Zusätzliche Querriegel aus Natursteinen dienen der Wasserführung von Straße und Radweg ins Biotop, so dass dessen natürliche Feuchte erhalten bleibe.

An der an der Einmündung der K 2837 in die L 514 noch optisch bestehenden Kreuzung werde der Einmündungsbereich der alten Straßenführung von Hohenstadt her kommend zurückgebaut und verjüngt, so dass diese Strecke nur noch als Wirtschafts- und Radweg, nicht mehr als Kreuzungsbereich wahrgenommen werde, so Dötter. Bevor jedoch der Asphalteinsatz beginnen könne, müssen die Amphibientunnel, eine Ackerzufahrt und kleine Aufgaben fertiggestellt werden. „Es ist noch einiges zu tun“ stellt der Bauleiter klar und überhaupt, „auch wenn die Straße fertig ist, werden wir hier noch weiter zu tun haben.“

Schöner Abschluss

Bürgermeister Elmar Haas freut sich, dass die ehemalige Landstraße, an der Jahrzehnte lang nichts gemacht wurde, jetzt vom Kreis komplett ausgebaut werde, „und das noch zum Ende meiner Dienstzeit“, so dass diese Geschichte einen schönen Abschluss finde. Einzig die Unterbrechung des Radwegs durch das noch nicht eingestellte Grundstücksteil sei ein kleiner Wermutstropfen, so das Gemeindeoberhaupt bedauernd, doch hoffe er, dass man auch hier zu einer Lösung komme.

Auf Anfrage beim Vermessungs- und Flurneuordnungsamt erklärte Amtsleiter Werner Rüger, dass das Widerspruchsverfahren noch nicht abgeschlossen, mithin die Flurneuordnung noch nicht rechtskräftig sei.

Ob der Beschwerdeführer den Klageweg vor dem Verwaltungsgericht beschreite, entziehe sich zum jetzigen Zeitpunkt seiner Kenntnis.