Ingeborg-Bertin-Stiftung eingerichtet - Förderanträge können ab sofort gestellt werden / Das Formular gibt es auf der städtischen Homepage und im Rathaus „Tolles Gemeinschaftsgefühl kann entstehen“

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Sabine Braun
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Adelsheim. Ingeborg Bertin hatte ein Herz für die Kultur: Die kinderlose Frau vermachte ihr Haus in der Lachenstraße der Stadt Adelsheim. Ihr Wunsch war, dass das Gebäude für kulturelle Zwecke, zum Beispiel für das Museum, genutzt werden sollte. Doch diese Idee ließ sich nicht umsetzen, wie Testamentsvollstrecker Heinz Dollinger im September im Gemeinderat erläuterte. Stattdessen wurde die Gründung einer Stiftung ins Auge gefasst, in die der Erlös aus dem Hausverkauf einfloss. Das wurde in den letzten Monaten umgesetzt. Inzwischen können interessierte Adelsheimer Vereine und Institutionen Förderanträge stellen. Die FN stellten dazu einige Fragen an den Stiftungsratsvorsitzenden, Bürgermeister Wolfram Bernhardt.

Das ehemalige Wohnhaus von Ingeborg Bertin ist inzwischen verkauft und der Erlös in die neugegründete Stiftung eingeflossen. Förderanträge für Vorhaben im Bereich von Kunst und Kultur können ab sofort gestellt werden. © Sabine Braun
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Herr Bernhardt, welche Veranstaltungen oder Projekte können über die Ingeborg-Bertin-Stiftung gefördert werden?

Die Ingeborg-Bertin-Stiftung im Detail

  • Ingeborg Bertin, gestorben am 5. März 2013, hat mit notariellem Testament vom 4. August 2004 die Stadt Adelsheim zur Alleinerbin ihres Nachlasses eingesetzt. Ihr Haus in der Lachenstraße 32 wurde verkauft und der Erlös in eine eigens gegründete unselbstständige Stiftung eingebracht
  • Zweck der Stiftung ist laut Satzung die Förderung von Kunst und Kultur in Adelsheim
  • Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch Förderung von künstlerischen und kulturellen Veranstaltungen der Stadt Adelsheim oder von Adelsheimer Vereinen. Förderfähig ist auch der Erwerb und Erhalt von künstlerischen, kulturellen oder musealen Objekten, Instrumenten oder Ähnlichem für die Stadt Adelsheim oder für Adelsheimer Vereine
  • Die Verbrauchsstiftung hat eine Laufzeit von 20 Jahren (bis Ende 2040). Aus dem Stiftungsvermögen von 250 000 Euro können jährlich rund 12 500 Euro für begünstigte Zwecke eingesetzt werden
  • Grundsätzlich ist eine Eigenbeteiligung des Antragstellers erforderlich
  • Ein Anspruch auf Förderung besteht nicht. Der Stiftungsrat entscheidet abhängig von den eingegangenen Anträgen unter Würdigung des Stiftungszweckes
  • Für das Jahr 2021 gilt als Antragstermin ausnahmsweise der 30. Juni. Künftig können Anträge jeweils zum 31. März oder 30. September eines Jahres gestellt werden
  • Für Rückfragen steht Rainer Schöll (Rainer.Schoell@adelsheim.de), Telefon 06291/620019, zur Verfügung
  • Zum Zeitpunkt der Antragstellung bereits begonnene Vorhaben werden nicht unterstützt
  • Die Auszahlung der bewilligten Mittel erfolgt zur Hälfte bei Bewilligung und zur Hälfte nach Vorlage eines Verwendungsnachweises
  • Die künftige Verwendung des Stiftungsvermögens im Sinne des letzten Willens der Erblasserin wird durch Testamentsvollstrecker Dollinger überwacht
  • Förderanträge können von allen steuerbegünstigt anerkannten juristischen Personen aus Adelsheim gestellt werden
  • Das Antragsformular kann man von der Internetseite der Stadt Adelsheim herunterladen (www.adelsheim.de/freizeit-tourismus/ingeborg-bertin-stiftung.html). sab

Wolfram Bernhardt: Die Satzung lässt einen großen Spielraum. Zum einen werden künstlerische und kulturelle Veranstaltungen gefördert. Das kann jede Form von Konzerten, Kabarett, Theater bis hin zu Kunstausstellungen sein. Zum anderen wird auch der Erwerb und Erhalt von musealen Objekten oder Instrumenten gefördert. So kann beispielsweise das Heimatmuseum oder die ehemalige Synagoge in Sennfeld Gelder für den Erhalt von Ausstellungsstücken beantragen oder die Stadtkapelle kann eine Förderung für neue Musikinstrumente beantragen.

Die klassischen Konzerte in Adelsheim sind aus finanziellen Gründen gefährdet. Könnte auch dafür Unterstützung gewährt werden?

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Bernhardt: Ja, wenn zum Beispiel drei Konzerte im Jahr mit einem gewissen Betrag gefördert werden sollen, wäre das denkbar – allerdings wird darüber dann jährlich vom Stiftungsrat entschieden. Eine Dauerförderung, also eine Zusage für die nächsten zehn Jahre, ist gemäß der Satzung nicht möglich.

Wie viel Geld können die Antragsteller bekommen?

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Bernhardt: Da pro Jahr rund 12 500 Euro ausgeschüttet werden, stellt dies die Obergrenze pro Jahr dar. Dann muss man natürlich sehen, wie viele Förderanträge gestellt werden, auf die sich die Summe verteilt. Insofern ist eine pauschale Aussage schwierig zu treffen.

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Wieviel Prozent der Kosten werden gefördert?

Bernhardt: Die Förderung durch die Stiftung erfolgt grundsätzlich projektbezogen. Die Förderhöhe beträgt regelmäßig 80 Prozent der Finanzierungslücke und mindestens 250 Euro. Eine Dauerförderung einzelner Projekte ist nicht vorgesehen.

Bekommt man das Geld im Voraus?

Bernhardt: Die Auszahlung der Mittel erfolgt zu 50 Prozent bei Bewilligung und zu 50 Prozent nach Vorlage eines Verwendungsnachweises.

Muss man Belege sammeln oder wie funktioniert die Abrechnung?

Bernhardt: Ganz richtig. Einfache Belege, aus denen die tatsächlichen Kosten hervorgehen, genügen als Nachweis.

Muss das geförderte Projekt noch in diesem Jahr stattfinden oder abgewickelt werden?

Bernhardt: Nach einer Antragsbewilligung durch den Stiftungsrat erhält der Antragsteller einen Bewilligungsbescheid der Stiftung, worin Höhe, Art und Umfang der Förderung festgelegt sind. Der Auszahlungsanspruch verfällt, sofern die Fördermittel nicht innerhalb von zwölf Monaten nach der Zusage abgerufen werden.

Wer trifft die Entscheidung, welches Projekt gefördert wird?

Bernhardt: Zunächst wird geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt werden. Wenn dies der Fall ist, entscheidet der Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit. Er besteht aktuell satzungsgemäß aus dem Bürgermeister, dem Kämmerer sowie dem Testamentsvollstrecker.

Ab wann kann man Anträge für eine Förderung im laufenden Jahr stellen? Wann läuft die Frist ab?

Bernhardt: Man kann ab sofort Anträge stellen. Die Antragsfrist in diesem Jahr ist der 30. Juni. Danach kommt der Stiftungsrat zusammen und entscheidet innerhalb der nächsten zwei Wochen, welche Projekte gefördert werden. In den kommenden Jahren wird es dann immer zwei Antragsfristen pro Jahr geben, nämlich den 30. März und den 30. September.

Sie hatten in der Dezembersitzung zusätzlich die Schaffung einer Bürgerstiftung angeregt, um Spenden geworben und selbst einen größeren Betrag angekündigt. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Bernhardt: Das Beispiel von Frau Bertin bringt zum Ausdruck, wovon ich auch zutiefst überzeugt bin: Wir alle haben mehr vom Leben, wenn wir auch an das Gemeinwesen denken und dieses unterstützen. Viele tun dies bereits, indem sie sich in Vereinen, Kirchen und anderswo engagieren – aber immer wird auch Geld benötigt. Hier könnte solch eine Bürgerstiftung helfen. Außerdem kann so ein tolles Gemeinschaftsgefühl entstehen, wenn man am Ende des Jahres sieht, wie aus den vielen kleinen individuellen Spenden ein erkleckliches Sümmchen zusammengekommen ist.

Wie weit ist dieses Projekt?

Bernhardt: Im Sinne der Definition von Bürgerstiftungen soll auch diese Stiftung eine Form der gesellschaftlichen Selbstorganisation von Bürgern für Bürger sein und das Ziel haben, das lokale Gemeinwohl zu fördern. Was die konkrete Ausgestaltung betrifft, wird es noch viel zu diskutieren geben – was aber gut ist. Schließlich soll dieses Projekt im gemeinsam Austausch entstehen. Die von mir angekündigte Spende von 10 000 Euro habe ich bereits getätigt.

Sind schon weitere Spenden eingegangen?

Bernhardt: Tatsächlich sind bei der Stadt, welche die Spenden treuhänderisch verwaltet, bereits einige Beiträge von Bürgern eingegangen. Auch seitens der Industrie ist bereits eine erste größere Spende angekündigt. Das freut mich sehr.

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