Waldbegehung des Osterburkener Gemeinderates - Themen waren der Eckenbergtunnel und Gerichtsverfahren zur zentralen Holzvermarktung Im Forst werden Elektrogeräte eingesetzt

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Am Schnittpunkt der Transversale, so sie denn kommen sollte, stehen hier die Teilnehmer der Waldbegehung. Die Realisierung dieses Straßenbauprojekts hätte wesentliche Auswirkungen auf den späteren Zugang zur Bewirtschaftung des Eckenbergs.

© Hagenbuch

An die Baustelle Eckenbergtunnel führte die Waldbegehung die Mitglieder des Osterburkener Gemeinderates. Daneben ging es um das Verfahren bei der zentralen Holzvermarktung.

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Osterburken. Ausnahmsweise einmal nicht nur im und um den tiefen Forst herum und hinein ging es thematisch und tatsächlich in der Waldbegehung der Stadt Osterburken am Freitag. Vertreter der Forstbetriebsleitung Adelsheim, Bürgermeister Jürgen Galm und Mitglieder des Gemeinderats begaben sich stattdessen zunächst auf Exkursion an der Baustelle Eckenbergtunnel.

Zweites Hauptthema war das schwebende Verfahren zur zentralen kommunalen Holzvermarktung und die potenziell umwälzenden Konsequenzen hieraus.

Unter fachkundiger Anleitung der Forstbetriebsleitung, angeführt von Martin Hochstein, ging es zunächst zur Baustelle auf der rückwärtigen Seite des Eckenbergtunnels. Dort erläuterte Hochstein, unterstützt durch die Revierleiter Dietmar Heid und Jürgen Günther, den waldtechnischen Stand der Dinge.

Maßnahme erläutert

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Entlang des bisherigen Straßenbauabschnitts war laut Plan eine Palisadenwand auf 300 Meter Länge zur Fahrbahnsicherung vorgesehen gewesen. Dadurch sollten Gefahrenquellen, wie etwa umstürzende Bäume auf dem darüber liegenden Eckenberg, beseitigt werden. Anstelle dieser ursprünglichen Überlegung wurde inzwischen aber eine andere - deutlich kostengünstigere - Lösung gewählt. Die Stadt verkaufte Parzellen des Eckenbergs in Hanglage an den Bund als Bauträger. In der Folge wurde der Hang in flachem Winkel angeböscht und somit die Grenze zur Bebaumung nach oben und hinten verschoben. "Sollte jetzt ein Baum umstürzen, bleibt er in der weitläufigen Böschung liegen", erläuterte Heid hierzu. "Mit dieser Lösung sollten wir hier auf sehr lange Zeit Ruhe haben".

Zum Bedauern von Bürgermeister Galm wurde dieses Vorgehen, welches einen etwa siebenstelligen Betrag an Kostenersparnis brachte, vom Bauherrn jedoch nicht in Form eines Entgegenkommens, zum Beispiel beim Lärmschutz, vergolten. Der künftige Zugang zur Bewirtschaftung des Eckenbergs hänge im Übrigen, wie Heid weiter ausführte, maßgeblich davon ab, ob die im Raum stehende Transversale realisiert werde.

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Im zweiten Teil, auf Bofsheimer Gemarkung, erläuterte Hochstein dann ausführlich die aktuelle Entwicklung im Verfahren des Bundeskartellamts gegen das Land Baden-Württemberg in Sachen zentrale Vermarktung von Nadelstammholz. Sollte das OLG Düsseldorf in seinem Urteil - voraussichtlich im Oktober - die bisherige Praxis kippen, sei mit einer völligen Neugestaltung der Spielregeln zu rechnen.

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Das derzeitige Landeswaldgesetz stünde vollständig zur Disposition, ebenso das Einheitsforstamt und damit die einheitliche Bewirtschaftung und Vermarktung durch staatliche Mitarbeiter - unabhängig davon, ob das Holz aus Staats-, Kommunal- oder Privatwald stammt, so de Erläuterungen.

Die Kommunen müssten alle Flächen größer 100 Hektar in Eigenregie bewirtschaften und vermarkten. "Welche organisatorischen Lösungen für die Kommunen zukünftig zum Tragen kommen werden, bleibt bis zur Urteilsverkündung abzuwarten", so Hochstein.

Geräte vorgeführt

Schließlich präsentierte Heid kürzlich beschaffte forstliche Arbeitsgeräte auf Elektrobasis. Bei vergleichbaren Anschaffungskosten zu benzinbetriebenen Systemen fielen hier wesentlich geringere Betriebskosten an. "Die Geräte produzieren keine Abgase und stellen eine Erleichterung für die Forstarbeiter dar", sagte Heid weiter. Neben leisen Betriebsgeräuschen und unaufwändiger Wartung sei ein fast vibrationsfreier Einsatz möglich. Nachteile bestünden auf der Leistungsseite und der batteriebedingt kürzeren Laufzeit.

Angeschafft wurden zwei Motorsägen (je 360 Euro), einer Heckenschere (360 Euro) und zwei große Akkus (je 1 200 Euro). Ein Freischneider und eine Wertästungssäge sind gegenwärtig im Praxistest.

Die großen Akkus werden ergonomisch in einem Rucksack getragen und halten circa sechs Arbeitsstunden, so die Erläuterungen, die kleinen Akkus werden direkt in die Geräte eingesetzt und liefern Energie für eine Stunde. Mit dem abschließenden Hinweis auf ein Forstbetriebsergebnis von rund 170 000 Euro für 2015 beendete Martin Hochstein die Waldbegehung. chha