"Apollo 18!" - Projekt zwischen Landesjugendorchester und JVA-Häftlingen trägt erneut Früchte / "Bürgschaft" wird inszeniert "Freude, Qualität, schließlich Freiheit"

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Gabriel Schwab
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Das Musikprojekt "Apollo 18" bringt den JVA-Häftlingen nicht nur Freude. Es gibt ihnen auch die Möglichkeit, dem grauen Knastalltag zu entfliehen.

© Gabriel Schwab

Adelsheim. Dem Alltag entfliehen ist eine Option, die jeder Mensch von Zeit zu Zeit und auf unterschiedlichste Weisen für sich beansprucht. Doch Flucht setzt Freiheit voraus. Ein Luxus, den die Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in Adelsheim vorübergehend verspielt haben. "Apollo 18!", ein Projekt, bei dem junge Strafgefangene und Musiker des Landesjugendorchesters zusammenwirken, "gibt uns dennoch die Möglichkeit, dem immer selben Tagesablauf im Gefängnis zu entfliehen", so ein Jugendlicher Strafgefangener, nennen wir ihn Robert.

Freundschaft und Beistand

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"Bereits seit 2011 kommen wir hier her und arbeiten gemeinsam mit den Jungs der JVA an neuen Inszenierungen", erklärt Dirigentin Anna-Sophie Brüning. Dieses Mal ist es Schuberts Oper "Die Bürgschaft", die zum Besten gegeben werden soll. Bereits heute Abend werden einige Ausschnitte der "Bürgschaft" - nach gerade mal fünf Tagen Probe - in den Räumen der JVA aufgeführt.

Dabei sei das Thema keinesfalls zufällig ausgewählt worden. Laut Paula Fünfeck (Sängerin und Autorin) und Dirigentin Anna-Sophie Brüning, die beide maßgeblich an "Apollo 18!" beteiligt sind, beinhaltet die Grundlage der Oper, die Ballade von Friedrich Schiller, einige wichtige Themen und Motive.

"Das Thema ,Freundschaft' ist bei der ,Bürgschaft' natürlich ganz groß geschrieben. Ebenso, was es heißt, für einen Freund einzustehen", weiß Brüning. Und Fünfeck ergänzt: "Ganz allgemein geht es ja auch um die Bekehrung zum Guten. Uns hat schon immer sehr beschäftigt, wie die Gesellschaft mit Menschen umgeht, die ein Verbrechen begangen haben. Ob man ihnen eine zweite Chance gibt oder ihnen glaubt, wenn sie sagen, sie wollen ihr Leben ändern."

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Erstmalig ist nun auch die Musikschule in Möckmühl mit von der Partie und der Männerchor wird mit eben so vielen hellen, weiblichen Stimmen aufgewogen. "Endlich haben wir einmal einen kompletten, richtigen Chor", freut sich Fünfeck. Weitere Unterstützung erfährt das Projekt von vier Studenten der Musikhochschule Stuttgart. "Von denen waren die Jungs mächtig inspiriert, als sie sie singen hörten", erzählte Fünfeck. "Danach hat man richtig gemerkt, wie sie versuchen, alles zu geben, um da ran zu kommen."

Alles geben will auch Robert. Der ohnehin schon musikalisch begeisterte Häftling sieht das Projekt auch als Chance seiner eigenen, stimmlichen Weiterbildung.

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Einer seiner Mitinsassen merkte hingegen an, dass er sich besonders darauf freue, bei dem Auftritt seine Eltern einmal wiederzusehen. Für diese, so Klaus Brauch-Dylla, Verwaltungsleiter der JVA, seien Ereignisse wie diese oft vorher noch nie dagewesene. "Die meisten Eltern kennen die Situation, dass ihre Kinder Applaus und Anerkennung von anderen bekommen, noch nicht. Robert legte beispielsweise bei der letzten Aufführung ein Solo hin, bei dem die geladenen Polizeibeamten mir nicht einmal glaubten, dass er tatsächlich ein Häftling unserer Vollzugsanstalt ist." Laut Robert, der auch für seine etwa zwölf Mithäftlinge spreche, sei das Projekt in vielerlei Hinsicht eine "tolle Sache" - und zwar auch, wenn man sich eigentlich nicht so für Musik interessiert. "Es ist etwas, das viele noch nie so erlebt haben. Man fühlt sich aufgehoben. Es sind alle nett zu einem und kommen auch auf einen zu." Und auch Brauch-Dylla sprach sein Lob aus: "Ich finde es sehr anerkennenswert, dass die Jugendlichen an ihre Grenzen gehen - und zwar dieses mal an die positiven. Man sieht, dass ,Apollo 18!' Spaß, Freude, Qualität und schließlich auch ein Stück Freiheit bringt."